Aus dem Heimatkalender für den Aussig-Karbitzer Bezirk 1936.
Fortsetzung aus dem Aussiger Boten, vom November 2012
Pagemaster Karl Heinz Kralowetz
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Das Bräuhaus in Schreckenstein
 

Das ehemalige Bräuhaus des Gutes Schreckenstein befand sich in einem oder zwei Gebäuden des unterhalb der Burg liegenden Meierhofes. Auf dem Bild, das die Burg und auch das Dorf Schreckenstein in einer nie gewesenen Form darstellt, sind die Gebäude des Meierhofes, in denen sich das Bräuhaus befand, anscheinend der Natur recht getreu nachgezeichnet. Das langgestreckte Gebäude neben dem Burgtor dürfte die Malztenne, die daneben befindlichen Gebäude aber das Sudhaus und die Malzdörre gewesen sein, worauf die beiden Kamine hindeuten.
Nach einer Beschreibung des Burgenforschers Heber befand sich 1847 (beim südlichen Eingangstor des Meierhofes) die Amtskanzlei und die Wohnung des Amtsverwalters, anschließend daran das herrschaftliche Bräuhaus mit dazugehörigen Nebenräumen. Das nötige Wasser erhielten das Bräuhaus und die Wirtschaftsgebäude durch eine Rohrleitung aus dem südlich gelegenen Gemeindeberg. Der ehemals hier stehende Auslaufbrunnen ist schon lange verschwunden.
Die Herrschaft Schreckenstein hatte schon im 16. Jahrhundert ihr eigenes Bräuhaus, was sich schon daraus ergibt, dass am 9. März 1579 ein Georg Peißker als Mälzer auf Schloss Schreckenstein genannt wird. Dieses Bräuhauses wird auch im Kaufvertrage vom 5. Oktober 1615, mit welchem Wenzel Wilhelm von Lobkowitz das Gut Schreckenstein an Frau Polyreng von Lobkowitz verkaufte, als eines Zugehörs zur Burg daselbst gedacht. Hopfen wurde für den Eigenbedarf schon im 16. Jahrhundert auf dem Gute Schreckenstein, und zwar beim Meierhofe Sedl gebaut. Die heute nur mehr als Flurnamen bestehenden “Hopfengärten” in Schreckenstein und Obersedlitz führen wohl in die gleiche Zeit zurück; übrigens wurde der Hopfenbau nachweisbar bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts in Obersedlitz betrieben.
Das Bräuhaus bei der Burg bestand bis zum Jahre 1875 und war zuletzt (seit etwa 1854) an Pächter vergeben. Sommer erwähnt in seiner Topographie des Leitmeritzer Kreises, Prag 1833, dass die Braupfanne auf eine Erzeugung von 10 Fass 1 Eimer eingerichtet war; neben dem Bräuhause gab es noch ein Branntweinhaus.
 
Das Bräuhaus in Groß-Tschochau.
 
Das Bräuhaus in Groß-Tschochau stammt wahrscheinlich auch aus dem 16. Jahrhundert. Nach Sommers Topographie “Der Leitmeritzer Kreis 1833” war es 1814 abgebrannt und wurde 1815 neu erbaut. Es war auf 18 Fass eingerichtet.
Das Bräuhaus in Groß-Tschochau bestand aus drei miteinander verbundenen Gebäuden unter einem Dach, das mit Ziegeln gedeckt war. Das mittlere Gebäude enthielt ebenerdig das Gefass- und das Biergewölbe und im ersten Stock eine aus drei Zimmern und Küche bestehende Wohnung für den Brauer und zwei Zimmer für die Bräuerburschen. Das linksseitig anstoßende Gebäude enthielt ebenerdig das Sudhaus. Hier stand die runde, eiserne Braupfanne auf 60-70 Hektoliter Guss mit eisernem Dunstschlauch über das Dach hinaus und einem Rührwerk, auf einer Galerie etwas höher der Maischbottich, ebenfalls mit einem Rührwerk und ein Kühlapparat mit einer Eiswasserpumpe. Das Kühlhaus hatte einen Zugang von der Galerie des Maischbottichs aus. Hier standen zwei Kühlschiffe aus Eisenblech auf Eichenholzgerüsten. Im Gärkeller sah man 24 Gärbottiche mit Eisschwimmern. Der Vorkeller hatte zwei Abteilungen mit einem Bierabziehapparat. In den 1888 bis 1891 erbauten Lagerkellern standen auf Kantenschienen in der ersten Abteilung 12 große Lagerfässer, in der zweiten und dritten Abteilung eben so viele. Der Flaschenkeller bestand aus zwei Räumen mit Waschapparat und Abziehapparat. Weitere Räume waren das Waschhaus, der Pechschupfen, die Binderei.
Das Hintergebäude bestand aus dem Dampfkesselhaus mit dem Dampfkessel und dem Maschinenhaus mit einer sechspferdekräftigen, liegenden Dampfmaschine; der 18 Meter hohe Kamin wurde 1932 umgelegt. Eine Besonderheit war der Eisaufzug bei dem Gär- und Lagerkeller; mit diesem wurde das Eis aus dem benachbarten Teich in die Eiskeller befördert.
Das an das Mittelgebäude rechts anstoßende Gebäude war das Malzhaus mit zwei Malztennen und zwei Weichstöcken; darüber waren der Schwelk- und Gerstenboden; im 2. Stockwerk standen die verschiedenen Malzentkeimungs- und Gerstenputzmaschinen. Ein Grünmalzaufzug war auch vorhanden.
Das zweistöckige Malzdörrhaus besteht 1936 noch. Es ist oben eingewölbt und mit einem blechernen Dunstabzug, blecherner Rauchröhre und einem Schirm versehen.
Die Fußböden waren teils aus Steinplatten gebildet, teils mit Zement oder Beton gepflastert, Wohnräume und Schüttböden waren mit Brettern gedielt. Außerhalb des Hofraumes an die Binderei anstoßend hatte der Pächter A. Bena einen ebenerdigen Flaschenbierabfüllraum und Aufbewahrungsraum, mit Ziegeln gewölbt und gepflastert, errichtet.
Das letzte Gebräu fand am 10. Mai 1911 statt. Die Gebäude gerieten nach dem Abverkauf der Brauereieinrichtung in einen schlechten Zustand. Der Besitzer Dr. Ing. Hans Wozak ließ einen Teil der Anbauten (Maschinenhaus, Kesselhaus, Kamin) abtragen und richtete die vorhandenen Räume für andere Zwecke, hauptsächlich Schüttböden, ein. Als Wahrzeichen der ehemaligen Brauerei steht nur noch die Malzdörre.
Von 1901 bis 1910 hatte die Brauerei in Groß-Tschochau Gustav Strouhal gepachtet. Er zahlte einen Pachtzins von K. 1.20 Ö.W. Für jeden gebräuten Hekoliter zehngrädigen Bieres bei Annahme einer Erzeugung von 8000 Hekolitern. Die Erzeugung betrug aber z.B. 1906-07 nur 6975 Hekoliter.
Als am 27. Dezember 1910 die Aktiengesellschaft Bürgerliches Brauhaus in Aussig die Türmitzer Brauerei von der Gräfin Maria Antonia Sylva Tarouca geb. Reichsgräfin von Nostitz- Rienek, um 300.000 K.Ö.W. kaufte, verpflichtete sich die Verkäuferin für sich und ihre Rechtsnachfolger im Besitz des landgräflichen Gutes Tschochau, die ihr gehörige Brauerei daselbst aufzulassen und keinerlei Bier mehr zu brauen. Für diese Verbindlichkeit sowie für die Gestattung der Eisentnahme aus den herrschaftlichen Teichen erhielt die Verkäuferin noch eine Entschädigung von K. 100.000. Ö.W. Dafür aber musste sie auf dem Gute Groß- Tschochau die Verpflichtung verbüchern lassen, keine Brauerei mehr zu errichten.
 
Nach Oberlehrer Emil Richter, Schreckenstein.
 

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