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Am Wuchenmorkte in Aussig a. E.
 

Um holber sechse wor ich aufgestanden, die Sonne wor schun ubn, ober es wor su scheen frisch, wie ich lusgangn bin. Olles wor ruhig afn Strossn und ich freete mich iber jedn Spotzn, ieber jedn Hydranten, najo, weil se halt ols wie fer mich alleene doe worn.
Jo, Schneckn! Ich wor jo gornicht der Erschte uffn Benn! Dou kom e kleenes Fuhrwerk, e kleenes Ferdl vorgesponnt und dos Wanl wor huch mit Grienzeig belodn, do Kutscher, e Gärtner, hot geholfen schieben, weil's der kleene Griebsch bold ni derzogen hot. Die wullt'n bestimmt am Wuchenmorkt in de Stodt nein!
Dohinter kom aa schon enne Elektrische, ober noch hibsch gemietlich. Die vordere Plattform wor huch vullgeschlicht mit Bucklkerbn, doss der kleene Wognfiehrer gornimehr zu sahn wor. Aha, de Bauernweiber, duchte ich mer, die breng Butter, Quork, Kasln, vielleicht bissl Riebisl oder Rhabarber. In der Teppergosse ging uf emol e Gerossel los, doss mer dochte, de wilde Jagd kimmt.
S'wor e Fleescherwanl, mit enn rut-weiss gestreeftn Tuche zugedeckt. Die zwee Fleescherhunde hom wie de Bleedn gekläfft und gezogen, doss der Gehilfe an der Deichst zu stemm hotte, doss er's Wanl derhält. Und gerackert hot des ieber de bucklichen Pflostersteene, doss mer Angst hotte, doss beim Lander de Parfiemflaschln in der Ausloge imfolln.
Am Morkte wor schun e Lebn! Gestern obnds hottn de Grienzeigweiber, de Obsthändler und de Gärtner ihr Standl hingestellt gehobt, dose se frieh bluss obdeckn und's Zeig aufschlichten und richtn brauchte. Freilich worn schon noch Lickn hie und do, ober do geheertn halt Stammkundn hie, die konnte getroste e bislt später kumm., do hätte sich niemand getraut, sich hinzustelln!
Ieberoll koms ongerackert, weil der Morkt jo noch Kotzenkoubpfloster hotte und Gummiradln hobs noch keene. Ober dos Gerackere hot niemand gesteert, gonz in Gegnteil, dos hot wie lawendich Musik geklungn. Und dos ging hin und her und dorchenander, ober's gob ke Gefitz, jeder hotte sein Plotz und in Nu worn olle Fleckln besetzt. In der Morktgosse hom noch poor Bauernweiber mit ihrn Kerbe am Buckl gestanden und schnell noch berotn, wos se heite fer de Zickln oder de jungen Antln oder fer de Tschiepln verlangn silltn. E Bäckerstift kom mit senn Leiterwanl vull frische Sammle de Gosse runter und weils doch e bissl obschissig ging, hotter sich vorne draufgesetzt und de Deichst zwischen de Beene genumm und ob gings! De Bauernweiber worn su in ihrn Dischgursch vertieft, doss'n nich emol dorch de Finger pfeife heern und erscht wie er hoorschorf on ihn'n vorbeigesaust wor, seinse derschruckn und die enne meente: „Jesses-Marie, der bleede Karle teet enn gleich de Oderbeene wegfohrn!"
Mit untern' erschten Einkeefern worn de Gostwerte: der Fritsch Paul, der alte Weisser, de Pflimplin und wie se olle geheesen kom. Die sein longsom von enn Stond zum andern gangn und kom sich selber's 's Beste fer ihre Mittogsgäste rausgesucht, bevor noch dos Gegropsche los ging und bloss noch dos billige Zeig iebrig wor.
Noch enner kom zeitlich. Der Lehnert-Schlusser. Der hotte immer enn gut'n schworzen Onzog on und enne Holbbutte auf und is in seiner Gewichtigkeet würdevoll, Schritt fer Schritt immer in de Mitte vun der Gosse gangn und hot majesteetisch gegrisst und gedankt. Entweder hotter huldvoll wie e Bieschof mit der Hand gewinkt oder a mitn Zeigefinger on Rand von seiner Holbbutte getippt, monchmol hott er se aa runtergenumm, jenachdem, wen er grode begegnet bot. Su zahn Schritte hinterm Lehnert kom seine Bulldugge. Genau su gewichtig und Schritt fer Schritt. Und wenn der Lehnert stiehn geblieben is und hot sich longsom noch senn Hund imgesahn, ob er aa nochkummt, do is der Hund aa stiehn gebliebn und bot sich aa longsom umgesahn und iss erscht weiter gangn, wenn sein Herr schun wieder zwee oder drei Schritte fort wor.
S ganze Gegenteil von Lehnert-Schlusser wor der Heller Drogiste. Kaum wor sein Lodn aufgemocht, do is der quecksilbbrige Monn in sein weissn Kittl schun vor de Tiere gesaust, hot jedn gekannt und gegrisst und seine Buckerlen gemocht. Und schun wenn enner beim Meyer-Juwelier kom, hots der Heller genau gewusst, doss der bei ihm wos kaafn will und - husch, wor er hintern Lodntisch und ee de Kundschoft noch richtig zer Tiere rein wor, do hottern schun begrisst und gefrogt: „Und was darf es sein und womit kann ich dienen und wie geht's denn dem Stammhalter, ganz frischen Zwieback hätte ich heute!" De Bauernweiber auss'n ganzn Aussiger Bezirke sein zum Wuchenmorkte gerne zum Heller gangn. Der hotte alle die altn Mittln, die der Urgrussmutter heilich worn, der wusste gegen jedes Leidn ewos, da bot de ganze Familie gekannt. Unermiedlich is der hintern Lodntische auf- und obgesaust, doss de Scheesel uck geflugn sei, hot dos und jenes gezeigt und derklärt und hot - wenn de Mutter olles beisomm hotte und er'n Zettel zomgerechnet hot - hotter dobei noch gefrogt, wos dar Grussmutter ihn Schienbeen mocht und ob de  Solbe, die er ihr vor drei Wuchn ongeroten hotte, aa gehulfen hot und ob der kleene Karli immer noch de Schlucke noch'm Essn kriegt. Dann isser hintern Lodntisch vorgesaust kumm, hottn Korb aufhuckn helfn, bot mit enner Verbeigung de Lodntiere aufgemocht und dann am Rickwege hinter de Pudl schun de nechstn zwee Kundn gefrocht, wos es denn sein darf. Und wie's beim Heller noch olln Meglichen geduft bot, suu aa am Wuchenmorkte. Ich soge: „Geduft!" Ob dos de Blum'n worn oder's Obst, de Pommeranzn oder de Erdeppln, de Olmützer Kaasln oder de frisch geruppten Gänse, der Quork oder de Grootzbern, fer mich hot olles geduft, nischt hot geruchn oder gor gestunkn! Wenn aa der Kilberth-Guldschmied bei jedn Stand geruchen und bei jedn Stond behaupt bot, de geruppten Gänse wärn alte zähe Ludern und de Hiener wärn aus lauter Kummer gestorm! Der wullte doch wie der Eilnspiegl bluss de Morktweiber ärgern. Ower in Wut kunterse jedesmol brengn, wenn er immer wieder probieren wullte, ob dos geschlochtete Gefliegl aa noch frisch und jung is, bot dobei enner Gons noch der andern de Pfutn imgebruchn und is dann obgangn. De dicke Galfi von der Kramml wor immer su kaputt vor Ärger, dosse sich am Hemmwage von Wuchnmorkt noch in der Weinstube bein Stechlik stärkn musste.
Wos gobs do olles am Wuchenmorkte jedn Dienstich und Freitich! Und vun Oll'n 's Beste! Die vieln Kaasl-Sorten, appetitlich in Kisteln verpockt, Karfiol, Strinke, Kapustn, Gewerze, gebrotene Knocker, Brotwerschtln von Sturm-Fleescher, ganze Botzn vun fester Bauernbutter, in Rhabarber- oder Huflattichblätter eigewickelt, Blum'n, junge Tschiepln, Gansln, Zickln, Kornickln, junge Hunde, Taubn -! Na, bei den Klennviehzeig vorn Bezerksgerichte isses jo nich immer ganz friedlich zugangn. Emol stand do e Jäger mit sein Hunde vor su enn Kornickl-Stand und unterhielt sich mitn Händler. Uff emol mochte der Jogdhund ober e Gebrille und Gezerre bis der enne sein Kornickl und der andere sein Hund wieder alleene hotte und der Kornicklhändler hot sich de Gusche ausgeleert und hot immer wos vun Schodenersotz gebrillt. Do tippte e kleener Junge, der schun de längste Zeit doneben gestandn hotte, den Hundebesitzer am Ärmel gezohn hotte und meente: „Sie Herr Jäger, Sie brauchen fein nischt zu zohln, Ihr Hund wor fein nich schuld, ich hobs gesahn, der Haksch hot ongefangn! Der hot immer auf Ihrn Hund su hämisch de Nose gezipplt!" Jo, do kunnte mer monchmol schun gediegene Gespräche mit onhehrn am Morkte! Meente enner: „Heite hob ich ober ene Stelle entdeckt, wu ich de Areppln im 100 Perzent billicher kriege!" „Ach, ich wees schun", sogte der andre, „dos is dou untn bei da Fraa mit da untersetztn Bluse, die wos dan Monn mit dan emailliertn Schnurrbort bot, nuwwer?" -
Oder bei dan Stande, wu se Kuttelflacke, Kuheiter, Beischl, Niern und sulche Sochen verkaaft hon! De Verkeferin sieht, wie sich eene feine Dame mit enn Schleier vorn Gesichte schon eene ganze Weile beim Stande rimgedrickt hot und jedesmol wenn so frogt, wos se denn kriegt, de Gnä Frau, werd die Dame ganz rut und gibt keene Antwort. Erscht, wie die anderen Leite fort sein, sogt se leise: ,.Ach geben sie mir bitte 1 Kilo Kuhbusen!" Uffte sein siche noblichen Leite erscht korz vorn Mittiche am Morkt kum, wenn die Morktweiber dan letzten iebrich gebliebenen Krom lushonn wullten. Der wor ju dann schun ganz billich zu hon, oder gleebtens, die Noblichen hon do drumrimkritisiert und gehandelt, sodoss enn die Golle ieberlaafen kunnte. Dabei hom se dann endlich dan billigsten Romsch zomgekaaft, blu doss se e poor Heller dersporn kunnten, siche geiziche Ludern worn dos. Do musste ich ieber de Gossnkehrer lochen, die'n Morkt schon immer in breeter Front zusommgekehrt hon, wenner aa erscht holb leer wor. Die worn immer zu enn nischtnutzigen Sticke aufgelegt! Wenn die gesahn hom, dass do wu su enne kniggerige Madam gorzulange rimgehondelt hot, do hom se sich zugezwinkert und dann dan ganzen Kerichthaufen zu da Bochstelze zusammgschubn, bis die bis zum Knien in Zwiebelschola, Worschtheeteln und Zickllorbern gestanden is. Und wenn die dann noch nischt gewohre gekriegt hot, dann homse holt den Staab mit der Gisskonne begussen, doss se bis zun Knechln in Wosser stand. Siche Eeser worn de Gossenkehrer, ower getummelt hom se sich schun, doss der Morkt bald wieder sauber wor. Die hom aa in den Obfollzeich monchmol noch wos gefunden. Der Lubrasch Pepschl hotte eene Aprikose gefunden und vuller Appetit neingebissen. Daweile wor's der Kroub vun enner geschlochtenen Henne und noch vuller Kukeruz!
Ober do kennter sogn, wos er wullt, dos misster doch zugeben, dos worn noch guldige Zeiten am alten Wuchenmorkte in Aussig. Grussmorkthallen und siches modernes Gelumpe hots domols noch nich gahn ober dofier wor dos Zeig olles viel, viel besser und ieberhaupt viel billicher! Nuwwer?

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