Friedhöfe im Bezirk Aussig an der Elbe  

im März 1994

   
   

Eine Beschreibung zur Ausstellung "Zurück zu den Wurzeln" im sudetendeutschen Haus in München im Jänner 2011
 von Lore Schretzenmayr-Schiepeck, Aussig-Regensburg

   
    Die dazu gehörigen Bilder sind in der Ausstellung zu sehen.    
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Fahrt nach Aussig, 20. Bis 23. März 1994,

Teilnehmer:      9 Vorstandsmitglieder des Hilfsvereins Aussig e.V.                  

Zweck:              Besuch von Friedhöfen und Kirchen im Bezirk Aussig       

Übernachtung:  Hotel May, Aussig-Lerchenfeld

  Es waren drei Routen im Bezirk Aussig bestimmt, die angefahren werden sollten. Maria Hacker und ich übernahmen Gartitz, Kulm, Tellnitz, Nollendorf, Klein-Kaudern, Mosern, Nestomitz und Pömmerle. Montag, 21.03.1994, Start 9.00 Uhr, Hotel May.

Gemeinsam fahren wir zum Aussiger Zentralfriedhof, der 1963 eingeebnet wurde. Wir konnten keine Reste von Steinen finden (Fotos 1-3).

Dann trennten sich unsere Wege. Unsere erste Station war P o s t i t z , die Beerdigungen fanden früher in Gartitz statt.

G a r t i t z  (Fotos 4-6). Die Kirche ist geschlossen, hat  erhaltene Glasfenster. Berichten zufolge werden Messen gelesen. Es sind keine Grabplatten an der Kirche. Vereinzelte Gräber, deren Inschriften (z.B. Thiele) man noch  lesen kann. Richtung Aussig ist ein Fundament zu erkennen, ob es das Aufbahrungshaus oder eine Gruft war, konnten wir nicht feststellen. An der Treppe zur Kirche steht ein Missionskreuz  mit der lesbaren Inschrift: „Erinnerung an die hl. Mission am 18.XII.1927. Rette Deine Seele“.

S c h ö b r i t z (Fotos 12-16). Im Mai 1972 konnte ich in dem die Kirche umgebenden Friedhof noch viele deutsche Grabsteine finden, u.a. auch von meinen Vorfahren Seiche aus Tillisch. Damals lag auf jedem Grab ein kleiner Fliederstrauß, es war beeindruckend. Heute: Der Eingang zum Friedhof vernagelt, „Eintritt verboten“, eine Baustelle oder ein Lagerplatz für altes Holz ? keine Grabsteine. An der Rückseite der Kirche war ein Stück Mauer eingefallen und wir konnten in den Friedhof gehen. Die Grabplatten der früheren Herrschaftsbesitzer an der Kirche sind verwüstet. Einige Grabinschriften konnten wir entziffern: Josef Ulbrich; Anna Bail 1823 Gattin zu Tillisch, Anna Franziska und Theresia Göser, Anton Negeoy (?).

Das Aufbahrungshaus war 1972 zwar bereits beschädigt, stand aber heute nicht mehr. Die Kirche ist ohne Fenster.

S t r i s o w i t z  (Fotos  17-19). Es sind nur noch wenige Bewohner im Ort. Am Dorfplatz fanden wir das Kreuz erhalten „Gott allein zur Ehr 1736“. An einen Baum gelehnt erkannten wir hinter Holzlatten einen Stein  mit der Aufschrift „Urnenhain Aussig“, darüber eingemeißelt ein Schwert und ein Palmzweig.

Unsere Fahrt ging weiter  über B ö h m .- N e u d ö r f e l. Am Anger ist die Kapelle vom 1901 bestens restauriert. Die Mauer zum ehemaligen Gutshof ist teilweise intakt.

In dieser Gegend sind wegen des Kohleabbaus viele Orte verschwunden.

Unsere nächste Station war  K u l m. Das Schloss der Grafen von Westphalen ist schon lange verschwunden. Die Kirche (Fotos 20-22) hat einen alten Turm, ist Mitte des 19. Jahrhunderts renoviert worden und hat scheinbar eine neue Farbe erhalten. Die alten Grabmäler der Herrschaftsbesitzer aus dem 16.Jahrhundert an der Kirchenmauer sind in Ordnung. Vor der Kirche sind zwei Kreuzwegstationen erhalten, ein Denkmal mit der Jahreszahl 1738, ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen von 1914-1918 steht vor dem Eingang und ist gut erhalten. 1991 wurde ein  buntes Kreuz ohne Inschrift erstellt.

 Der Friedhof von  K u l m  (Fotos 23-27; 2-17) liegt auf der Fahrt nach  S c h a n d a. Der Unterschied der erhaltenen Gräber im alten Teil des Friedhofs zu  meinem letzten Besuch im Jahre 1972 war erschreckend. Das Kreuz im alten Teil ist aus dem Jahre 1793. Wir haben viele Gräber, auch gut gepflegt  mit deutschen Inschriften gefunden, auch Gräber, die vor 1945 deutsch belegt waren und die Familienangehörigen heute noch in der Pfarrei wohnen.

Unsere Fahrt ging noch durch den Ort  S c h a n d a, der gut erhalten scheint und bewohnt ist, ein Stück in den Wald bis zum Ende der Straße, heute ein Ausflugslokal.

 

Vorbei an den Monumenten. Neu ist die Aufstellung von vier Steinblöcken am österreichischen Denkmal mit Aufschriften je in tschechisch, deutsch, russisch und französisch. Interessant vielleicht, dass die Schlacht bei Kulm (30.08.1813) den Ortsnamen deutsch nennt. Das „Zusammentreffen“ am 17. September 1813 bei Arbesau nur mit dem tschechischen Ortsnamen zu lesen ist.

Weiter ging es in Richtung Tellnitz; nach der Bahnüberquerung machten wir links einen Abstecher zum Ortsteil Liesdorf. Da fanden wir bewohnte, benutzte Häuser, vielleicht auch Ferienwohnungen. Wieder zurück nach Tellnitz, wo die Kirche steht (beerdigt wurde in Kulm); Hintertellnitz in Richtung Erzgebirgskamm, entlang an der Winterleite, vorbei an unseren Skiwiesen. Vor dem ehe-maligen Schanzenhang zeigt ein Wegweiser rechts zum Skizentrum Adolfsgrün. Wir nahmen natürlich die gerade Strecke zumal auf der inzwischen schneebedeckten Straße eine schöne Spur zu erkennen war. In Windungen auf die Höhen, die Lastwagenspur  hat die Straße verlassen; die letzten Meter bis zum „Scheithauer“ In A d o l f s g r ü n  war eine Schneewehe und der vom Schneepflug aus der anderen Richtung zur Seite geschobene Schnee. Wir kamen durch. Wir hatten einen freien Blick ins Sächsische; die Straße nach Ebersdorf war nicht geräumt. Vor dem Gasthaus „Scheithauer“ stand ein altes Paar Skier, links ein kleines Barometer auf Skiern.

Haben wir das dort schon gesehen ?

 

Die Beschreibung der weiteren Fahrt ist leider nicht mehr vorhanden, aber die Bilder erzählen über den Zustand der Friedhöfe und Kirchen.

 

 

Lore Schretzenmayr-Schiepeck