Von der Verdrängung deutscher Ortsnamen zur Geschäftemacherei

Ein Bericht aus dem Aussiger Boten April 2006, 58. Jahrgang / Folge 4

Home

  
Im Jahr 2005 waren es genau 200 Jahre her, dass am 2. Dezember 1805 die Dreikaiserschlacht bei Austerlitz geschlagen und es schon am 26. Dezember desselben Jahres zum Frieden von Pressburg kam. Er beendete den Krieg zwischen Osterreich und Frankreich, der durch die Schlacht bei Austerlitz entschieden wurde. In keinem Geschichtsbuch finden wir den Frieden von Bratislava, ebenso wenig die Dreikaiserschlacht bei Slavkov. Warum also nicht weiterhin die Namen Pressburg gebrauchen und Austerlitz? Mit großer Selbstverständlichkeit sprachen wir immer von Neapel, Venedig und Mailand. Nicht einmal Snobisten erzählten, sie seien in Napoli, Venezia oder Milano gewesen. Warum dann nicht auch von Danzig und Olmütz, Neusohl und Klausenburg reden, statt von Gdansk und Olomouc, Banska Bystrica und Cluj? Wer benutzt die arabischen Namen für Damaskus oder Kairo, den hebräischen für Jerusalem?
Weil niemand den Ort Slavkov kennt, haben auch die Tschechen bei der Autobahnausfahrt dieses Namens östlich von Brünn eine riesige Kanone mit einer Karikatur Napoleons aufgestellt und dazu gesetzt „Schlachtfeld Austerlitz". Denn nur unter diesem Namen ist es in die Geschichte eingegangen wie auch der Friede von Pressburg. In Frankreich ist Austerlitz bis heute sprichwörtlich geblieben. Für positive Ereignisse sagt man immer noch, das sei die Sonne von Austerlitz, weil Napoleon 1812 noch in Moskau ausgerufen haben soll: C'est le soleil d' Austerlitz!
Auf dem offiziellen Stadtplan von Paris taucht acht Mal der Name Austerlitz auf: Eine Straße, ein Bahnhof. aber auch ein Triumphbogen, ein Quai u. a. heißt bis heute so. Grund genug, auch im Deutschen den deutschen Namen zu gebrauchen. Wenn man hört, wie falsch ausgesprochen und noch falsch betont Bratislava wird, dann ist doch Pressburg viel einfacher. Aber wer will heute noch wissen, dass die Hauptstadt der Slowakei bis 1919 tschechisch Prespurk und slowakisch Presporok hieß? In der Michaeler Tor-Gasse gibt es wieder ein Lokal, das Alt-Pressburg heißt. Das Pressburger Kasino nennt sich wieder Presporske-Kasino und eine neue Zeitung Presporske noviny. Warum dann nicht einfach als Deutscher Pressburg sagen?
Nun kommt rechtzeitig nach dem Jahrestag der Schlacht bei Austerlitz eine Pressemeldung aus Prag, die besagt, dass der tschechische Unternehmer Miroslav Jandora, ein Brünner, sich den deutschen Ortsnamen Austerlitz rechtlich schützen ließ. Er teilte dem tschechischen Historiker Petr Eisler, der ein Buch mit dem Titel „Austerlitz" veröffentlichte, bereits mit, dass dieser keine Fotos aus der zum Jahrestag nachgestellten Schlacht bei Austerlitz benützen dürfe, weil der Name Austerlitz nun geschützt sei. Jandora beruft sich dabei darauf, dass er große Mittel für die Rekonstruktion bzw. Nachstellung der Schlacht ausgegeben habe.
Der Jurist Bohuslav Fiala wunderte sich darüber, konnte aber noch nicht sagen, ob es überhaupt möglich sei, diesen Namen rechtlich zu schützen. Im Bürgermeisteramt in Slavkov freut man sich, im Gespräch zu sein, staunt aber, dass die Gemeinde unter Umständen ihren historischen deutschen Namen verlieren könne. Das zuständige Amt für wirtschaftliches Eigentum, wo der Schutz des Namens registriert wurde, erklärte, die Registrierung sei durchgeführt worden, „weil ein durchschnittlicher tschechischer Verbraucher das Wort Austerlitz nicht mehr mit dem Namen der Gemeinde Slavkov in Verbindung bringe".
Dagegen behaupteten die Juristen Barbora Mokrosová und Jiri Chlustina, der rechtliche Schritt sei nicht möglich, weil dies mit guter Tradition in Konflikt stehe. Chlustina ist sogar der Meinung, jeder gute Abiturient wisse, dass Slavkov für Austerlitz stehe. Man sollte diese Frage in die nächste PISA-Studie aufnehmen.
Prof. Dr. Rudolf Grulich
 

Counter