DIE FRUEHGESCHICHTLICHE ZEIT
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Aus dem Buch "Geschichte der deutschen Stadt Aussig",
geschrieben von Dr. Franz Josef Umlauft.

Herausgegeben vom Hilfsverein Aussig e. V. München.
Das Buch ist leider vergriffen.
Bearbeitet von K. H. Kralowetz.
 

Die erste Kirche in Aussig ist dem heiligen Adalbert geweiht. Dieser stammte aus einer angesehenen Fuerstenfamilie Böhmens und wurde im Domstift zu Magdeburg erzogen. 982 wurde er zum Bischof geweiht und war Nachfolger des ersten Prager Bischofs namens Dietmar. Erging aber bald nach Rom und trat in ein Benediktinerkloster ein. Er kehrte wohl dann nach Prag zurück, verließ es aber bald und predigte in Ungarn. 993 gründete er das Benediktinerkloster in Brzewnow. Als er zum zweiten Male in die Heimat gerufen wurde, kehrte er schweren Herzens zurück, denn seine Brüder und Verwandten aus dem Geschlechte der Slavnik waren ermordet. Deshalb floh er neuerdings, wirkte in Ungarn, Polen und Preußen. Dort wurde er erschlagen. Er starb am 20. 4. 997 und wurde in Gnesen bestattet. Herzog Brzetislaw I.(1037-1055) benützte die Zeit innerer Wirren in Polen zu einem Vorstoß bis Gnesen, wo er die Gebeine des hl. Adalbert erheben und nach Prag schaffen ließ, was im Jahre 1039 geschah. Die Aussiger Adalbertskirche ist also sicher erst nach diesem Jahre dem Heiligen geweiht worden. Sie dürfte das erste christliche Gotteshaus im weiten Umkreise des nachmaligen Dekanats Aussig gewesen sein. Ein Friedhof lag um die Kirche herum.
 

Im Jahre 993 schenkte der böhmische Herzog Boleslav II. dem Kloster Brzewnow die zehnte Woche vom Grenzzoll in Kulm (Chlumecz) und vom Elbezoll in Aussig (na Vsty super Albiam), was aus der Gründungsurkunde des genannten Klosters vom 15. Jänner 993 hervorgeht.
Über Kulm führte ein uralter Weg, eine "Landstraße", also ein Weg, der außer Landes führte. In Kulm konnten wir zu jener Zeit noch den Eingang oder Ausgang des breiten Grenzwaldes sehen, der Boehmen vom Lande Meißen trennte. Nach den Feststellungen unserer Heimatforscher führte der "Sorbenweg" von Dresden über Dohna das Mueglitztal herauf nach Ebersdorf, am Schauplatz und an der Kulmer Waldkapelle vorbei nach Kulm und von da über Karbitz, Wicklitz, Lochtschitz, Hlinai, Schima, Paschkopolepaß, Wellemin ins Innere des Landes.

In Aussig wurde der Elbezoll von Waren erhoben, die aus dem Inneren des Landes oder vom Ausland kamen. Jedenfalls bildete Aussig schon einen Umschlagplatz, von dem aus Waren auf dem Landwege weiter befördert wurden. Ein solcher Weg war die alte Salzstraße, die von Aussig über Lerchenfeld, Postitz, Troschig, Zuckmantel, Saara, Klein-Kahn, Oberkönigswald durch den sogenannten Holzgrund nach Nollendorf und von da über Peterswald nach Halle in Sachsen weiterführte. Boehmen hatte kein Salz, so dass es von Norden oder von Süden eingeführt werden musste. Pferde, die Schiffe bis Aussig flussaufwärts zogen, wurden auf dem kürzeren Wege übers Gebirge, eben auf der Salzstraße, nach Pirna zurückgetrieben.

Von Aussig führte die alte Landstraße nicht durchs Elbetal, da man einem Hochwasser ausweichen musste, sondern über Hottowies, Elbogen, Stöben, also über die Berge, in der Richtung nach Prag. Das war die "privilegierte Handels- oder Kommerzialstraße", die für Aussig so wichtig war. Aus der Zeit der slawischen Besiedelung vor dem Jahre 1000 dürften die meisten der ehemaligen Runddoerfer stammen, deren Namen auf "itz" endigt und deren im Aussiger Bezirke ungefähr 40 gezählt werden können.  Diese Endung deutet auf alte Sippensiedlungen, die eben gewöhnlich die Form eines Runddorfes hatten. Jüngeren Ursprungs sind die Reihen- oder Straßendörfer. Die Waldhufendoerfer dürften erst seit dem Ende des 12. Jahrhunderts entstanden sein.

Da das Prager Bistum 973 n. Chr. und das Kloster Brzewnow 993 gegründet wurden, dem ein Teil der Einnahmen vom Elbezoll in Aussig zugewiesen wurde, muss man annehmen, dass das Christentum auch in unserer Gegend bereits Fuß gefasst hatte. Als der Herzog Spitihnew im Jahre 1057 die Collegiatkirche von St. Stephan in Leitmeritz gründete, wies er ihr den achten Teil der Zolleinnahmen in Aussig (Usthi) zu, ebenso den Untertan Krisan mit einer Feldflur, die »Bresnik" genannt wurde. (Prießnitz, Schönpriesen.)

Im Jahre 1088 wird von Kojeditz berichtet, dass sich dort zehn Wirte (hospites) niedergelassen haben. Malschen ist im gleichen Jahre schon Besitz der Wyschehrader Kirche. Aussig (Uzti) wird erst im Jahre 1186 wieder urkundlich, indes schon vorher andere Orte genannt werden, so 1169 Lieben (na Levine prope Usti), Herbitz (Hribovici), Kamitz (Camic), Obersedlitz (Nowosedlyczie), Budowe (Zbudco). 1186 bestehen schon die Siedlungen Großpriesen (Brziezina), Kleinpriesen (Breznec), Rongstock. (Roztoky), Pömmerle (Poverl, Povrrili), Reindlitz (Rigici), Schwaden (Swadou), Kojeditz (Coiatici), Salesel (Zalezli), Nestomitz (Nedtemici), Schönpriesen (Breznik), Boehmisch-Neudoerfel (Naugesde) und andere Orte.

Im Jahre 1186 muss Aussig bereits ein ansehnlicher Ort gewesen sein, da hier der böhmische Herzog Friedrich seine Tochter (Sophie) an Otto (richtig Adalbert), den Sohn des Markgrafen Otto von Meißen, vermählte. Diese Nachricht lässt auch schon den Bestand einer Kirche in Aussig annehmen.

Bei der Gründung des Frager Bistums wurde das Land in Archidiakonate eingeteilt, und diese Einteilung dürfte der alten Gaueinteilung entsprochen haben. Aussig gehörte zum Archidiakonate Bilin und war Sitz eines Diakonats. Die erste steinerne Kirche in Bilin wurde 1061 erbaut und Aussig dürfte vor der Erbauung der Adalbertskirche von Bilin aus betreut worden sein.

Die königliche Burg in Aussig wird erst im Jahre 1283 urkundlich genannt, hat aber schon viel früher bestanden, da sie die Zollstätte und den Eingang von der Elbe ins Hinterland zu schützen hatte. Sie stand bei der Mündung der Biela in die Elbe auf einer kleinen Erhöhung, zu der das Hochwasser der EIbe nicht reichte, und dürfte, abgesehen von einer Umwallung oder Ringmauer, nur ein Holzbau gewesen sein. Ihr Platz hieß bis in unsere Tage "Burgstadtl". Die bei der Burg " gelegene Siedlung hieß die Vorstadt, lateinisch "suburbium"
 

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