Gartitz,

 

mit 149 Häuser, 1135 Einwohner, Eisenbahnstation Aussig, Haltestelle Pockau der elektrischen Straßenbahn Aussig - Tellnitz, Post Pockau, Pfarre und Schule im Orte, liegt am Straßenzug Pockau- Gartitz - Postitz mit Straßenausstrahlungen nach Johnsdorf - Tillisch und Schöbritz teils in dem mit Ton- und Kalkmergeln ausgefüllten Becken des Braden- (Sauermilch-) baches, teils auf dem sich zur "Schänze" abstufenden Hügellande des basaltischen Johnsdorfer Rückens, dessen vulkanischer Ausbruch die Ton- und Lettenschichten emporhob. Die geringe Wasserdurchlässigkeit dieser Schichten bewirkt immer wieder eintretende Rutschungen des überlagernden Erdreichs (Einsturzgefahr der Kirche 1914). Gartitz im Bezirk Aussig an der Elbe
Die Einwohner sind in der Landwirtschaft, im Gewerbe oder als Fabrikarbeiter beschäftigt. Das Dorf, ursprünglich ein Rundling des 9. bis 10. Jahrhunderts mit 8 alten Bauerngüteln, ist heute durch Häuselzuwachs besonders im 18. Jahrhundert und durch zahlreiche Wohnhaus-Zubauten der jüngsten Zeit als Haufendorf zu bezeichnen.
Die auf emporragendem Hügel 1748 - 1755 erbaute Kirche ist weit älteren Bestandes (vorhussitisch); die Schule wird bereits 1652 genannt.
1654 hatte Gartitz nur 9 Häuser (7 Bauern und 2 Kleinbauern). Flurennamen sind u. a. der "Han", die "Untere Poststraße". Die in alter Zeit von Postitz über den "Roten Hübel" nach Aussig führende Salzstraße schlug nach Einführung der Reit- und  Fahrpost Dresden - Prag seit etwa 1625 ihren Weg durchs Kleischbachtal (über Gartitzer Gründe) ein.
Gartitz war im 14. Jahrhundert Teildorf zwischen einer Ortsadelssippe (v. Skorotitz), der Dekanalkirche Bilin (später der Burg Landeswart zu Brüx) und dem Gute Pockau. Nach Ausscheiden der Skorotitz scheint ihr Anteil an das Gut Pockau gefallen zu sein, das auch (um1483) den Anteil der Burg Brüx als Lehen, dann aber (noch vor 1585) als Kaufgut an sich brachte. Bei Vereinigung des Gutes Pockau mit seinem zu Schöbritz i. J. 1640 kam auch Gartitz zur Herrschaft Schöbritz, bei der es bis zur Auflösung der alten Untertänigkeitsverhältnisse i. J. 1848 verblieb.
Nach dem Dreißigjährigen Kriege werden 5 Bauerngütel sowie ein Weingarten als wüst verzeichnet. Im Siebenjährigen Kriege wurde der Ort geplündert und dabei der Kaplan Liebisch erschossen.

Schrifttum: Gutsherren und Kirche in älterer Zeit im Seelsorgeblatt Gartitz 1904, Schule daselbst AB. I, 163, II, 33, XVII, 22; alter Weinbau AJ. V. 46. E.R.

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