Gratschen,

mit 18 Häusern, 66 Einwohnern, Eisenbahnstation Klein-Kahn oder Aussig, Post Aussig, Pfarre Seesitz, Schule im Orte. Das Dorf liegt am nordöstlichen Abhange des Gratschner Berges (552 m, Trachyt). Der Name Gratschen deutet auf eine vorgeschichtliche Befestigung (hrad = Burg), deren Spuren allerdings im Laufe der Jahrhunderte ganz verschwunden sind. Schon zur Einwanderungszeit der Slawen (im 6. Jahrhundert) dürften diese Befestigungen keine Bedeutung mehr gehabt haben, lebten aber noch in der Erinnerung des Volkes weiter. Die Namensform Gratschen deutet darauf hin, dass schon im 12. Jahrhunderte Deutsche hier wohnten. Bemerkenswert ist, dass sich am Südabhange des Gratschner Berges der Flurname "Am alten Dorfe" erhalten hat; und die Bezeichnung "Zedler" (Paßhöhe Straßenkreuzung Gratschen - Aussig, Gratschen - Seesitz) lässt darauf schließen, dass hier  eine Siedlung war (sedlo, vergleiche den Namen Sedl am Abhang der Wostrei!). Unweit des Zedlers liegt östlich davon die Flur "Quaschen", die in den alten Grundbüchern noch Quersina (Quarschine, 518 m) geschrieben wird. Darin steckt die slawische Bezeichnung tvrz, das auch soviel wie Feste oder Burg bedeutet.

Die Dorf- und Fluranlage ist deutsch. Das Dorf dürfte bald nach der Schenkung des Landumfanges "bei Lieben" im Jahre 1169 an die Johanniter von diesen neu ausgesetzt worden sein.

Zu beiden Seiten des Dorfangers liegen je fünf Bauernhöfe, deren Hufen sich hinter dem Hause bis an die Dorfgrenze erstrecken. Auch die Verteilung des Grundes um den Gratschner Berg lässt den deutschen Feldmesser erkennen.
1654 hatte Gratschen 14 Häuser (8 Bauern, 6 Kleinbauern). Wie Lieben gehörte auch Gratschen zum Gute Kleische und mit diesem zur Herrschaft Kulm. Bis 1788 gehörte Gratschen zur Pfarre Arnsdorf, nachher zu Seesitz, wohin es auch eingeschult war. Seit 1913 hat es eine eigene Schule, zu der Lieben, Gratschen und Soblitz gehören.

Näheres über die Besitzerfolge: "Beitäge" 1934, S. 73 ff.                                                     Dr. Franz Umlauft, Studienrat, Aussig

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