Groß-Priesen, (auch Grosspriesen und Großpriesen geschrieben),

mit 233 Häusern, 1557 Einwohnern, Eisenbahnstation, Dampfschiffshaltestelle, Post, und Schule im Orte, Pfarre Schwaden, ist als Sommerfrische weit bekannt, am rechten Ufer der Elbe am Ausgange des Groß-Priesener Tales gelegen. Die Bahnstation auf der Strecke Leitmeritz - Tetschen ist zugleich Ausgangsstation der Bahn Groß-Priesen - Wernstadt - Auscha. Mit Aussig gibt es eine Autobusverbindung. Infolge seiner von der Natur begünstigten Lage - es ist von bewaldeten Bergkuppen umgeben - und der günstigen Verkehrsverbindungen erfreut es sich eines starken Zuzuges von Ausflüglern und Sommergästen, für deren Unterkunft und Verpflegung durch zahlreiche Gasthöfe und private Herbergen gesorgt ist. Die Bewohner finden ihre Beschäftigung nur zum kleinsten Teile in der Landwirtschaft; es sind in der Hauptsache Arbeiter und Angestellte in den Betrieben (Brauerei, Spinnerei, Kassania- Werke)oder der Verkehrseinrichtungen, Gewerbs- und Handelsleute. Groß-Priesen hat ein Post- und Telegraphenamt, eine Elbfähre mit Prahme und Dampfboot und für den Sommer eine Badeanstalt. Arzt und Apotheke sind im Orte.

  Ansichtskarte von Grosspriesen, Bez. Aussig a.E.
 
Groß-Priesen, seit 1186 als Johannitersitz urkundlich bezeugt, zum großen Teil Waldland, war in alter Zeit nur ein Herrensitz mit einem Meierhof ohne Bauernland. Im Jahre 1654 gab es hier keinen Bauern, sondern nur 21 Häusler, die im ganzen rund 60 Strich Grund besaßen. Nach den Johannitern kam Groß-Priesen in die Hände der Herren von Wartenberg; seit 1515 besaßen es die Herren von Salhausen, von 1602 die Familie Abraham von Bock, der sich im großen Grabdenkmal in der Kirche zu Waltirsche ein Andenken geschaffen hat. Nach ihrer Auswanderung 1628 finden wir hier als Besitzer des Gutes die Glich von Miliz, von Dietrichstein, von Harrach und seit 1841 die gräfliche Familie Chotek. Graf Karl Chotek, der letzte Oberstburggraf von Böhmen, gab dem alten Schlösschen beim Meierhof, das in seinem unteren Teile alt ist, durch den Aufbau eines Stockwerkes seine jetzige Gestalt. Das obere Schloss ist von einem prächtigen Park umgeben. Die Schlosskirche stammt aus dem Jahre 1893. Bemerkenswert ist, dass die Gemahlin des in Serajevo am 28. Juni 1914 ermordeten österreichischen Thronfolgers in Groß-Priesen geboren war.

Als Gründer der Sommerfrische Groß-Priesen sind die Brüder Heinrich und Robert Klutschak aus Leitmeritz anzusehen, die sich im Sommer 1864 auf mehrere Wochen in Groß-Priesen niederließen. Ihnen folgten dann Familien aus Aussig, Leitmeritz und Prag. Anfangs der 70iger Jahre des vorigen Jahrhunderts erbauten sich Robert Klutschak, Oberstleutnant i.R., der Baumeister Guibal aus Prag und Architekt Wolf aus Prag die ersten Villen. Nach Eröffnung der österreichischen Nordwestbahn im Jahre 1874 vermehrte sich der Zuzug immer mehr. Neben den ursprünglich einzigen Gasthaus "Zur Krone" entstanden dann allmählich mehrere. Bekannt ist die von der Groß-Priesener Brauerei erbaute Gaststätte "Tivoli" nächst der Elbe. Der Ort Groß-Priesen wurde in früheren Jahren auch wiederholt von schweren Wolkenbrüchen heimgesucht, so am 29. Juni 1729, 1891 und 1899. Nach diesem Wolkenbruche wurde oberhalb eine Talsperre gebaut. Ein großes Hochwasser suchte den Ort auch 1925 heim.

Die wichtigsten Höhepunkte um Groß-Priesen sind: die Radischke, der Galgenberg, der spitzige Berg, die Katzenkoppe (400m) und der Wesselberg. Der Obstbau ist bedeutend.

Franz Nowak, Maschinenmeister i.R., Groß-Priesen

| Startseite | Ortsverzeichnis |

Counter