Groß-Tschochau,

mit 86 Häusern, 480 Einwohnern, Eisenbahnstation, Post, und Schule im Orte. Das Dorf liegt im Bielatal an dem uralten Sorbenwege, der von Ebersdorf über Kulm, Karbitz Wicklitz, Lochtschitz, Haberschie, Hlinai (Übergang über die Biela) kam und über Schima-Wellemin nach Lobositz weiterführte. Jetzt führt auch eine Reichsstraße von Aussig über Groß-Tschochau nach Teplitz. Die Bewohner treiben meist Landwirtschaft, Viehzucht und Obstbau. Groß-Tschochau war ein Runddorf mit einem Herrensitz, nur ist die alte Anlage durch spätere Zubauten verwischt. Jedenfalls ist Groß-Tschochau mit dem benachbarten Staditz (Przemyslsage) uralter Kulturboden. Es dürfte zu Anfang des 14. Jahrhunderts ein Lehen des Prager Erzbistums gewesen sein.1357 werden Peter und 1363 Kunat von Skalken (eine Feste bei Lobositz) als Inhaber von Tschochau genannt. Im nächsten Jahrhundert waren die Herren von Sulewitz auf Skalken Besitzer von Tschochau. 1528 kam es in den Besitz derer von Bila. Ein Nachkomme dieses Geschlechtes, Friedrich von Bila, gehörte nach der Absetzung der Habsburger im Jahre 1618 zu den 30 Direktoren, die das Land Böhmen verwalten sollten, und wurde am 21. Juni 1621 auf dem Altstädter Ring in Prag enthauptet. Ansichtskarte aus Groß-Tschochau, Archiv Hilfsverein Aussig
1587 ist von einer alten und neuen Feste (Herrenhaus) die Rede, die auf dem Grunde des jetzigen Meierhofes standen. Einer dieser Festen stand an Stelle des jetzigen Schüttbodens und wurde 1719 eingerissen. Das herrschaftliche Bräuhaus (aus dem 16. Jahrhunderte) wurde 1911 aufgelassen. Von der großen Schenke (Nr. 3) ist schon 1583 die Rede.
Gr0ß-Tschochau, um 1600 noch als Städtchen erwähnt, hatte jedenfalls als Straßenknotenpunkt eine Bedeutung. Es gab damals drei Schmiede im Orte; sonst nur die üblichen Dorfhandwerker. Im Jahre 1654 gab es hier 6 große Bauern, 1 Gärtner, 7 Kleinbauern und 3 Häusler. Zwei Bauernhöfe waren schon 1628 zum Meierhof geschlagen worden. Die Marktgerechtigkeit wurde 1664 von Herrschaftsbesitzer, dem Grafen Hans Hartwig von Nostitz, auf Türmitz übertragen.
Die Pfarrkirche wird schon 1352 genannt. Die älteste Glocke aus dem Jahre 1535 wurde 1942 abgeliefert. Der Kirchturm hatte ursprünglich ein Zeltdach und war 1583 erbaut worden. Die gegenwärtige Form mit der Zwiebelkuppel hat er 1892 erhalten. Die St. Anna-Kapelle stammt aus dem Jahre 1733. Der Flurname "Am Galgen" an der Straße nach Habrowan, wo jetzt ein Standbild des hl. Wenzel steht, erinnert an die frühere Halsgerichtsbarkeit der Herrschaft Groß-Tschochau.

Dr. Franz Josef Umlauft, Studienrat, Aussig

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