Johnsdorf,

  

mit 58 Häuser, 332 Einwohner, Eisenbahnstation Tellnitz, etwas abseitiger Haltestelle Johnsdorf der elektrischen Straßenbahn Aussig - Tellnitz, Post Pockau, Schule im Orte, Pfarre Gartitz, liegt auf einem aus der Bruchlinie vor dem Erzgebirge aufgestiegenen basaltischen Rücken, der sich in mäßigem Abfall gegen Westen zum Tale des Sauermilchbaches, gegen Süden ins Gartitzer Becken absenkt, und am Straßenzug Gartitz - Johnsdorf - Troschig gelegen ist.
Landwirtschaft mit einigem Obstbau und bedeutender Gurkenkultur, deren Anfänge sich bis in der Mitte des 18. Jahrhunderts zurück verfolgen lassen.
Hufendorf aus deutscher Kolonisationszeit, des 12. oder 13. Jahrhunderts mit ursprünglich je 6 alten Bauernhöfen zu beiden Seiten eines Bächleins, das einer starken Quelle im oberen Orte entspringt und sich, im unteren Orte seitwärts abbiegend, mit dem Borngrundwasser vereinigt.
Aus den zwei obersten rechtsseitigen Bauernhöfen, deren Hufenlage jener der zwei linksseitigen Güter entspricht, wurde wahrscheinlich noch Mitte des 15. Jahrhunderts durch einen Eindringling in das Johanniter gehörige Dorf, der sich Janek von Yonsdorf oder "von Habartic" (dem Namen des eingegangenen Altdorfes Johnsdorf) schrieb, ein adeliger Gutshof (der spätere Meierhof) gebildet. Das heute stark baufällige Wohnhaus dieses Gutshofes zeigt den Baustil des 16. Jahrhunderts mit gotischen Fensternischen und in Rippen zusammenlaufenden Decken; es ist mutmaßlich erst durch Wenzel Kölbel auf Priesten oder von dessen Sohne Johann Hermann auf Johnsdorf erbaut worden.
Auf der "Gemeinde" (dem breiten Weidestreifen zwischen den Bauerngütern), aber auch auf dem Grunde des im 30-jährigen Kriege verwüstete Franzegutes siedelten sich seit Ende des 30-jährigen Krieges bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts zahlreiche Häusler an.
Das Dorf erhielt seinen Namen entweder nach dem hl. Johannes (Ordenspatron der Johanniter) oder nach einem gleichnamigen Siedlungsunternehmer. Alle Flurennamen - bis auf die "Mostige" (einem Knüppeldamm über die sumpfige Talniederung nach slaw. most = Brücke) - sind deutsch: Au, Fiebich, Hopfengarten (noch 1818 im Anbau), Pfaffenwiese, Quarksack, Rosenhübel, Vogelherd, Wachelsträucher (Wacholder) u. a. m.
Johnsdorf gehörte 1169 - 1547 dem Johanniterorden, von da bis 1619 dem Geschlechte der Kölbel von Geising; es geriet dann nach wechselndem Besitz im Jahre 1640 an das Gut Schöbritz, bei welchen es bis zum Jahre 1848 verblieb. Im 30-jährigen Kriege hat der Ort viel gelitten und war im 7-jährigen Kriege Durchzugs- und Lagerort der preußischen Armee, deren Feldherr König Friedrich der Große hier im Jahre 1756 übernachtete.
Vom Scheitelpunkt der Johnsdorf - Bohnaer Straße genießt man einen herrlichen Ausblick auf das Mittelgebirge und in die ebene Landschaft um Teplitz.

Schrifttum: B. I, 18, 109 ---- Emil Richter, Oberlehrer i. R., Aussig-Schreckenstein..

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