Kamnitz, (früher Kamitz)

mit 11 Häusern, 61 Einwohner, Eisenbahnstation Tellnitz, Haltestelle der elektr. Straßenbahn Aussig - Tellnitz, kath. Gemeinde Tillisch, Pfarre Gartitz, Post Aussig - Pockau, Schule Johnsdorf   liegt im Straßenzug Tillisch - Kamitz - Kaiserstraße, am Rande der basaltischen Tannich (374 m) im Tale eines Bächleins, dessen Wasser sich aus dem moorigen Wiesen der Bruchlinie zwischen dem Erz- und Mittelgebirge sammelt.

Landwirtschaft mit Obstbau und Gurkenkultur. - Eirunder  slawischer Rundling aus der Zeit des  10. oder 11. Jahrhunderts ohne nennenswerte Weiterentwicklung. Im Gegensatz zu dem slawischen Ortsnamen (kamenica, "Steinbach") sind sämtliche Flurnamen deutsch, welcher Umstand auf frühe deutsche Besitznahme hinweist. Bemerkenswerte Flurbezeichnungen: Steiniger Fiebich (Schutthalde zenomanen Sandsteins, darunter des sagenhaften "Hünensteins" mit einem "Fußabdruck" oberhalb des Wächterhauses der DBB.), "Weingarten" (der unbedeutende Weinbau ist seit langem aufgelassen). Beachtenswertes Steinkreuz in der Dorfmitte. Im Talgraben ein Einzelstandort des Herbstenzians (Gentiana barb.)  Kamnitz, das bereits i.m Jahre 1169 als Grenzort zum Johannitergebiete genannt wird, gehörte in frühester Zeit zum Besitze der Riesenburge und nach dem Niedergange dieses Geschlechts zur Herrschaft Graupen. Teile des Dorfes gelangten teils durch Belehnung, teils durch Abverkauf (1580) an die Güter Herbitz - Prödlitz, Kulm, Schöbritz und Pockau. Der Teilbesitz Prödlitz, der nach Einbeziehung infolge der böhmischen Rebellion (1618 - 1620) in die Gütel Ober- und Niederprödlitz geteilt wurde, kam 1694 zur Gänze an die Herrschaft Schönwald und wurde 1791 an die Herrschaft Türmitz verkauft.

Die Schöbritzer und Pockauer Dorfanteile wurden 1640 im Gute Schöbritz vereinigt, so daß die früher vielgestaltige Zerrissenheit des Dorfes bei Ausgang des 18. Jahrhunderts wenigstens in einer Dreihörigkeit zu den Herrschaften Türmitz, Schöbritz und Kulm ihren Abschluß fand. Die unklaren Grenzverhältnisse am Tanischberge zwischen Graupen einerseits und den Gütern Herbitz, Schöbritz und Pockau anderseits wurden im Jahre 1510 und 1553 durch Entscheidung des Prager Burggrafen geregelt.

1654 hatte Kamnitz 10 Häuser ( 3 Bauern, 6 Kleinbauern, 1 Gärtner). Die Gütel Nr. 1, 2 und 4 lagen wüst, jenen unter Nr. 5 und 7 waren Vieh und Hausrat abhanden gekommen. Der den Ort überragende Tannich bietet eine gute Fernsicht.

Emil Richter, Oberlehrer i.R., Aussig-Schreckenstein

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