Karbitz,

Stadt mit 579 Häuser, 5318 Einwohner liegt an dem Straßenzug Aussig - Prödlitz - Herbitz- Priesten und ist auf diesem Wege mit der elektrischen Straßenbahn von Aussig erreichbar. Außerdem hat Karbitz eine Station der Aussig - Teplitzer Eisenbahn, die jedoch auf Wicklitzer Grunde liegt und von der Stadt eine Viertelstunde entfernt liegt. Es ist zwischen Erzgebirge und Mittelgebirge eingebettet und wird vom Sernitzbach durchflossen Post, Schule, katholische und evangelische Pfarre in Karbitz. Ansichtskarte von Karbitz, Bez. Aussig an der Elbe
Karbitz ist eine alte Siedlung, wie die vorgeschichtlichen Funde bezeugen. Es liegt an den alten Sorbenweg, der von Kulm über Hlinai,
Paschkepole, Wellemin ins Innere des Landes führt und ist ursprünglich ein Straßendorf, dessen Gründung etwa ins 11. Jahrhundert zu verlegen ist. Urkundlich erscheint es 1352  Kagrwitz, 1387 als Chabrowitz, 1444 als Karwitz. Um das Jahr 1520 dürfte das zur Herrschaft Graupen gehörige Dorf von den Graupner Herren Johann und Bernhard von Waldstein zur Stadt erhoben worden sein. Nach dem Verkaufe der Herrschaft Graupen im Jahre 1580 wollten sich die Karbitzer freikaufen und auch eine königliche Stadt werden. Das Brau- und Schankrecht hatten sie bereits erlangt, aber der geplante Freikauf gelang ihnen nicht. Sie begaben sich dann unter die Herrschaft der Stadt Leitmeritz, die ihr "Schutzstädtchen" Karbitz 1601 an den Peter Kölbel von Geysing auf Kulm verkaufte.
Bei dieser Herrschaft verblieb es bis zur Auflösung der Untertänigkeit im Jahre 1848. Aus dem Jahre 1605 stammt das alte Rathaus. Der Friedhof, der bis dahin um die Kirche herum lag, wurde 1607 außerhalb des Städtchen verlegt, die Friedhofskapelle 1611 erbaut. Im Dreißigjährigen Kriege hatte Karbitz namentlich durch die Schweden viel zu leiden. 1654 gab es hier einschließlich der Vorstädte 92 Häuser, von denen 76 bewohnt und 16 unbewohnt waren; darunter 58 Bauern, 29 Kleinbauern und 5 Gärtner. In der Nacht zum 1. November 1697 brannten 109 Häuser und 46 Scheuern ab, auch Rathaus und Kirche wurden ein Raub der Flammen. Diese beiden Gebäude wurden 1699 wieder instand gesetzt, die Stadttore - eine Stadtmauer war nicht vorhanden - wurden nicht wieder aufgebaut.
1750 errichtete der Bürger Ignaz Honolke eine Einsiedelei auf dem sogenannten Johannesbergerl, auf dem 1765 eine Kapelle erbaut wurde. Im Siebenjährigen Krieg hatte Karbitz wieder schwer zu leiden. Im Jahre 1771 - bei Einführung der Hausnummern - gab es in Karbitz 125 Häuser in der Stadt und 52 in den beiden Vorstädten.
Während der Schlacht bei Kulm am 29. August 1813 brannten in Karbitz 95 Häuser mit 58 Scheuern in der Stadt und 25 Häuser mit 21 Scheuern in der oberen Vorstadt ab. Kanonenkugeln, die in den Giebelmauern der Häuser eingemauert wurden, erinnern noch heute daran.
Nach Aufhebung der Untertänigkeit erhielt Karbitz im Jahre 1850 ein Bezirksgericht und ein Steueramt. Zu der Landwirtschaft, dem Kleingewerbe und Handel gesellte sich seit 1810 die Industrie (zunächst eine Kattunfabrik, später wurde daraus eine Flachsspinnerei, seit 1880 eine Ultramarinfabrik; ferner Knopf- und Metallwarenfabriken, eine Lederfabrik und eine Stahlgußhütte (auf Wicklitzer Grunde). Seit 1850 nahm der Kohlenbergbau durch die Eröffnung der Aussig-Teplitzer Eisenbahn im Jahre 1858 einen besonderen Aufschwung.
1861 wurde auf dem Galgenberg das Schießhaus erbaut. Seitdem wurde diese Anhöhe von der aus man einen schönen Ausblick auf Karbitz, das Kulmer Schlachtfeld und das Erzgebirge mit der Geiersburg und das Mittelgebirge genießt, Schützenhöhe genannt. Die Turnhalle wurde 1892 vom Deutschen Turnverein erbaut, die evangelische Kirche 1901 eingeweiht, das neue Bürgerschulgebäude 1904 errichtet. Der Meierhof in der oberen Alleegasse wurde 1906 von der Brucher Kohlengewerkschaft erbaut, die nahezu alle auf der Südseite der Stadt bis an die Wicklitzer Grenze liegende Felder und Wiesen durch Ablösung in ihren Besitz gebracht hat. Das in den Jahren 1908/09 erbaute Sparkassengebäude beherbergt nicht nur die Kanzleien der Sparkasse, sondern auch die des Bürgermeisteramtes. Sehenswert ist die Einsiedlerhöhle bei dem 1823 erbauten Johanneskirchel, der Heldenhain auf dem alten Friedhofe mit dem Kriegerdenkmälern und das Heimatmuseum im alten Rathause.

Josef W. Strache, Museumsleiter, Karbitz

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