Kninitz,

 
hatte 45 Häuser, 215 Einwohner, E-St. Kleinkahn, P. und Pf. Böhmisch-Kahn, Schule im Orte am Strz. Saara - Kninitz - Nollendorf; Straßendorf in einer flachen Falte am SO-Abhange des Nollendorfer Berges (701 m) an einem Quellbächlein, das vom Fiebichborn im oberen Orte aus zum Katzbache läuft. Östlich dieser Falte Böden ausverwitterten Granitgneisen, westlich eine allmählich bis zu 30 m Höhe ansteigende Wand aus mittelkörnigem, rotbraunen (oberturonem) und darunterliegenden weißen, feinkörnigen (zenomanen) Sandstein als Überrest eines das Erzgebirge vormals überflutenden Kreidemeeres. Ansichtskarte von Kninitz im Bezirk Aussig an der Elbe

Derselben sekundären Formation gehören die die Bruchlinie zwischen Erz- und Mittelgebirge ausfüllenden oberturonen Tonmergel an, die südlich von Kninitz nahe dem Eisenbahneinschnitte bei Klein-Kahn Konchylien zahlreicher Meerestiere (an 60 Tierarten) enthalten.Diese vielfach zutage liegenden Mergelböden lassen Niederschläge nur schwer durchsickern, so daß sich allenthalben sumpfige Wiesen- und Waldstellen vorfinden.

Kninitz war ursprünglich eine landesfürstliche Zollstätte, die sich hier um die Mitte des 12. Jahrhunderts auftat, als der Warenverkehr auf der Salzstraße vom oberen Holzgrunde aus den abkürzenden Fahrweg über die Kninitzer Berglehne nach "dem Zuckmantel" einschlug; ihr Ertrag gehörte mutmaßlich zum Leibgedinge der Gemahlinnen aus dem böhmischen Herzogsthrone (Ortsname vom tschech. knieni, "Leute der Fürstin"). Wohl bald darauf wurde das Umland von deutschen Kolonisten in Anbau genommen. Von den wenigen slawischen Flurnamen deutet die "Pudera" auf einen Lagerschupfen, die Gallitze (tschech. kalenice) auf Sumpfland; deutsche Flurbezeichnungen sind u. a. der Dörrenberg (herrschaftl. Waldstück 1575), Holzgrund, Han, Fiebich. Innerhalb der Altsiedlung ( 13 Bauern, 8 Kleinbauern) trat noch vor Ausgang des 16. Jahrhundert ein geringer, seit dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts ein größerer Häuselzuwachs ein.
Auf ehemalige Straßenunsicherheit weisen drei Sühnkreuze mit eingeritzten Mordwaffen nächst der Ortskapelle hin, die schon 1741 bestand, in jüngster Zeit aber neu aufgebaut wurde; hier befindet sich auch die Gedenktafel der im Weltkrieg 1914-1918 gefallenden Heimatsöhne. Der Ort nach Mitte des 14. Jahrhunderts Teildorf zwischen den Burgen Schreckenstein (zu 1/3, wohl im Holzgrunde) und Graupen (Hauptteil) kam nach Ausverkauf der letzteren Herrschaft i. J. 1580 mit dem Waldstücken am Dörrenberg und im Zuckmantel an das Gut Schöbritz, bei dem es seither verblieb. Wohl schon vor 1625 hatte sich der starke Warenverkehr, der den Orte durch Vorspanndienste reichliche Einnahmen brachte, auf die Straße nach Nollendorf verlagert; diese Lage an der wichtigen Übergangsstraße wurde dem Dorfe so verderblich, daß es dreimal: im 30-jährigen Kriege, im 7 jährigen Befreiungskriege 1813 fast jedesmal zur Gänze eingeäschert wurde.
Das alte Ortsgericht wurde i. J. 1633 vom Grundherrn Alexander v. Bleileben für sein Erbgericht erklärt.
Naher Aussichtspunkt der Nollendorfer Berg. (Die 1913 errichtete Karl-Weis-Warte ist 1944 eingestürzt.)

Emil Richter, Oberlehrer i.R., Aussig-Schreckenstein

Ortsverzeichnis