Kojeditz,

mit 37 Häuser, 234 Einwohner, Eisenbahnstation,  Post,  Pfarre und Schule Schreckenstein, liegt am Straßenzug Schreckenstein - Kojeditz - Malschen zwischen den Abfallrücken der Hohen Wostrei einer- und der Dobrei anderseits im Talbecken der Quellriesel des Wolfschlinge Baches. Die Ortslage ist geologisch interessant durch die unter die Tonmerkelschichten der Kreidezeit eingedrungenen phonolithischen Schmelzflüsse (Lakkolithe) des Tertiärs wie auch durch die Ablagerungen von Flußgeschieben, welche die Elbe während ihrer  Erosionstätigkeit bei Beginn der Diluvialzeit hier zurückließ. Landwirtschaft mit hervorragenden Obstbau.

Postkarte von Kojeditz, Bezirk Aussig an der Elbe
Slawisches Runddorf aus dem 9.  bis 10. Jahrhundert, schon im Jahre 1088 urkundlich genannt als Wohnsitz von "Gastbauern", die nach Aussiedelung der früheren Bevölkerung von auswärts her den Landbau zu übernehmen hatten. Der Ortsname entstand aus einem tschechischen Personennamen (Leute des Kojata); die Ausgeglichenheit zwischen tschechischen und alten deutschen Flurbezeichnungen läßt die Frage offen, ob die genannten "Gastbauern" (hostpites) nicht doch Deutsche waren.
Die Flurnamen Branze und Radischken weisen auf vorgeschichtliche Befestigungen, der "Leinsken" auf eine eingegangene Mühle, der "Baumgarten" auf alten Obstbau, der "Hart" und "Lasen" auf früheren reichen Waldbestand, der "Kohlhaan" auf ehemalige Kohlenmeiler, der "Mährgarten" auf vormalige Pferdeaufzucht, "Weinberg" und "alter Weingarten" auf früheres Rebenland hin.
Der Feldflur "Kirchgartel", die eine größere Zahl zugehöriger   Flurstücke aufweißt, deutet den Bestand einer dort einer ehemals fundierten Pfarrkirche an, die indes sehr bald wieder aufgelassen worden sein muß, weil sich schon unter denurkundlichen Kirchennachrichten des 14. Jahrhunderts keine Nachrichten darüber mehr vorfinden.
Gleichzeitig mit der Ansiedlung der "Gastbauern" wies König Wratislaw I. (1085 - 1092) deren Dezem dem Kollegiatstifte in Wyschehrad zu. Nach einer in Kojeditz noch lebendigen Überlieferung soll ehedem ein Bräuhaus beim dortigen Anwesen Nr. 13 bestanden haben, das die Domherren bis ins 14. Jahrhundert zugleich mit einem Meierhöflein daselbst innegehabt haben dürften. Im übrigen gehörte das Dorf - wohl ohne den bereits vergebenen Dezem - vor dem Jahre 1178 dem böhmischen Edelmanne Hrosnata, der es mit Schwaden und acht anderen benachtbarten Dörfern um diese Zeit den Johanniterorden schenkte. Diese Schenkung geriet nachher an das herzogliche Haus und wurde zum Krongute Schwaden, bei dem sie -- auch nach späterer Vergabe an lehentäfliche Besitzer -- bis zum Jahre 1848 verblieb.

1654 zählte Kojeditz 11 Häuser (5 Bauern, 6 Kleinbauern), 1787 22 Nummern. --  Ein beachtenswertes Altertum des Ortes bildet der malerische Dorfbrunnen am Fuße des sogenannten "Affensteines". -- Naher Aussichtspunkt die "Hohe Wostrei"                                                     

Emil Richter, Oberlehrer i. R., Aussig-Schreckenstein.

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