In Ústí nad Labem - Aussig an der Elbe - Hotel Vladimir

fand vom 26. bis 28. März 2004 eine Konferenz mit dem Thema

"Toleranz an Stelle Intoleranz"

Deutsche in den tschechischen Ländern, gestern, heute und morgen statt.

 

Die Konferenzteilnehmer waren Historiker und Politiker aus der Tschechien, Österreich und Deutschland.

 

Eröffnung der Konfrenz "Toleranz an Stelle von Intoleranz" Foto K.H. Kralowetz, März 2004

 

Am Freitagabend fand im Aussiger Stadttheater die Eröffnung durch den Primator der Stadt, Herrn Petr Gandalovič, dem ehemaliger stellvertretenden Außenminister Alexandr Vondra (als Ersatz für den erkrankten Vaclav Havel) und der Prorektorin Iva Ritschelová der UJEP statt. Anschließend wurde die Oper "Der Mantel" von Puccini" uraufgeführt.

  Konferenz "Toleranz an Stelle von Intoleranz" Foto K.H. Kralowetz, März 2004

 

Am Samstag , den 27. März 2004 stellten nachfolgende Persönlichkeiten verschiedene Themen zur Diskussion. Petr Brod als Vorsitzender und   die Verantwortlichen Zdeněk Beneš, Hans-Peter Haye, Hans Lemberg und Jürgen Serke 

"Ehemaliger Ruhm, Kolonialisierung, Industrialisierung und Zusammenleben",

 

 Konferenz "Toleranz an Stelle von Intoleranz" Foto K.H. Kralowetz, März 2004

 
Jiři Pešek als Vorsitzender und die  Verantwortlichen Peter Becher, Barbara Coudenhove-Kalergi, Edita Ivaničkova und Zdeněk Radvanovsky 

"Trennung und Exodus, Mythologie und Selbstreflektierung",

 
 

Konferenz "Toleranz an Stelle Intolleranz", März 2004, Foto K.H. Kralowetz

 

Alexandr Vondra als Vorsitzender und die Verantwortlichen Jan Křen, Rudolf Jindrák, Vladimir Laštuvka und Antje Vollmer (Bild) 

"Tschechen, Deutsche und Österreicher heute, gemeinsame Schulden und deren Ausgleich"

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Petr Gandalovič als Vorsitzender Kristina Kaiserová, TomᚠKraus, Christoph Stölzl und Herbert Werner

"Collegium Bohemicum als modernes Zentrum der Forschung, des Verständnisses und der Kommunikation".

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Zum Abschluß des Tages wurde ein Filmdokument von Johanna von Herzogenberg gezeigt.

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Am Sonntag, den 28. März 2004 wurde die Konferenz fortgesetzt.

 

 Konferenz "Toleranz an Stelle von Intoleranz" Foto K.H. Kralowetz, März 2004

 

 Otto Pick als Vorsitzender und Franz-Lothar Altmann, Miloslav Bedná,  Peter Mareš und Gert Weisskirchen mußten aus persönlichen Gründen absagen. Dafür kamen die Herren Miroslav Kunštát und Michael Libař.

"Im Namen Europas, worum es geht"

 

Der Abschluß der Konferenz war wie zu  Beginn, im Aussiger Stadttheater.

Die Einleitung sprach der Primator der Stadt, Herr Petr Gandalovič, der dann den Herrn Präsidenten das Mikrofon für die Abschlußrede übergab.

Eine Abschrift der  Rede folgt im Anhang dieser Seite.

 

 

 

Bürgermeister von Türmitz Oto Neubauer und Dr. v. Kaiser. Foto K.H. Kralowetz 2004

                            Antje Volmer spricht                                                                         Peter Barton, SKS                                 Bürgermeister v. Türmitz Oto Neubauer,  Dr. Vladimir Kaiser

 

 Dir. T. Wiesner, Dolmetscher, Primator Gandalovič, Praesident V. Klaus,Toleranz an Stelle Intoleranz, 2004, Foto K.H. Kralowetz        

Dir. Tomas Wiesner, Dolmetscher, Primator Gandalovič, Praesident Klaus, A. Vondra.        

 
 
 Ing. V. Pátek, Dr. N. Hudíkova, Toleranz an Stelle Intoleranz, 2004, Foto K.H. Kralowetz

Primator P. Gandalovič, Toleranz an Stelle Intoleranz, 2004, Foto K.H. Kralowetz

Dr. V. Kaiser, Toleranz an Stelle Intoleranz, 2004, Foto K.H. Kralowetz

ehem.Primator Ing. M. Pátek -  Dr. N. Hudíkova

Primator Petr Gandalovič

Dr. Vladimir Kaiser

 

 

 Herr und Frau Adamec, Toleranz an Stelle Intoleranz, 2004, Foto K.H. Kralowetz

 

Herr und Frau Adamec

 

Besuch im Magistrat von Ústí nad Labem

Der Praesident Václav Klaus mit Gattin, besucht den Magistrat von Aussig und trägt sich in das Goldene Buch ein.

Herr Vizeprimator und jetzige Primator Mgr. Jan Kubata, Herr K.H. Kralowetz vom Hilfsverein Aussig e.V., München

Frau Dr. N. Hudíkova, K. H. Kralowetz

 

Rede des Präsidenten der Tschechischen Republik   
zu den deutsch-tschechischen Beziehungen: Versöhnen wir uns mit der Vergangenheit.

Praesident Klaus, Toleranz an Stelle Intoleranz, 2004, Foto K.H. Kralowetz

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich freue mich wirklich sehr, dass ich am ersten Tag meines offiziellen Besuchs der Region Ústí zumindest am Schluss an Ihrer Konferenz teilnehmen kann. Sie findet in einer Zeit statt, in der sich mit der Erweiterung der Europäischen Union um weitere zehn zweifellos und authentisch europäische Staaten neue Formen des Zusammenlebens  und der Zusammenarbeit der Nationen unseres nicht einfachen und keinesfalls konfliktfreien Kontinents eröffnen. Deshalb glaube ich, dass diese Konferenz sehr wichtig ist und bin überzeugt, dass sie auch eine gute Botschaft senden wird. Dabei gehe ich vom Bewusstsein aus, dass das Leben von Tschechen und Deutschen auf dem Gebiet unseres Staates eine tausendjährige Geschichte hat, an die wir anknüpfen müssen. Gerade die Stadt Ústí nad Labem symbolisiert ja auf prägnante  Weise sowohl die erfolgreichen und freundschaftlichen, aber auch die bedeutend weniger erfolgreichen  und weniger freundschaftlichen Abschnitte unserer gegenseitigen Beziehungen. Deshalb ist es gut, dass die Konferenz gerade hier stattfindet. Heute orientieren wir uns ganz logisch vor allem auf die Gegenwart und die Zukunft der deutsch-tschechischen Beziehungen. Ich bin überzeugt, dass dies unsere erste Pflicht ist.
Dennoch dürfen wir uns nicht den Luxus erlauben, die Vergangenheit zu vergessen.
Wir müssen versuchen, sie gut kennen zu lernen. Versuchen, sie in ihrer ganzen Komplexität zu verstehen. Wir -und das heißt alle, die davon betroffen sind -dürfen keinen einseitigen Auslegungen unterliegen, die unsere gegenseitigen  Beziehungen vor allem wegen der tragischen Entwicklung im letzten Jahrhundert unvorteilhaft belasteten und die Betrachtung der deutsch-tschechischen Beziehungen für lange Zeit schwierig gestalteten. Aus all diesen Gründen sehe ich, dass Ihre Konferenz notwendig ist. Es ist nicht gut, wenn Diskussionen dieser Art überwiegend außerhalb des Gebietes unseres Landes, ohne unsere Beteiligung oder nur mit einer wenig sichtbaren oder nicht repräsentativen Beteiligung stattfinden. Ich habe Ihre Einladung auch angenommen, um eventuell das Spektrum der Ansichten zu dieser Problematik zu erweitern und hier ein paar Worte zum gewählten Thema zu sagen.
Ich kann jedoch nicht verschweigen, dass ich das Spektrum der zur heutigen Konferenz geladenen Gäste für nicht ganz ausgewogen halte. So vermisse ich zum Beispiel Vertreter des Tschechischen Verbandes der Freiheitskämpfer, der Tschechoslowakischen Legionärsgemeinde, des Verbandes der im 2. Weltkrieg in Deutschland zwangseingesetzten tschechoslowakischen Bürger, des Klubs des tschechischen Grenzgebietes usw.
Gleich zu Beginn möchte ich betonen, dass - aus historischer Sicht - die Zeiten des friedlichen deutsch-tschechischen Zusammenlebens und der gegenseitigen Bereicherung viel länger sind als die Zeit der gegenseitigen Entfremdung und vor allem viel länger als die Ära der so offenen Feindschaft,
die die Entwicklung der dreißiger Jahre des 20. Th. mit sich gebracht hat. Auf beiden  Seiten der Grenze wäre es deshalb angehalten, so weit wie möglich daran anzuknüpfen, was in Jahrhunderten überwiegte. Das ist eine friedliche und gegenseitig förderliche Koexistenz, die mit zum Entstehen dieses einzigartigen mitteleuropäischen Kulturraums beigetragen hat, wozu auch die Stadt Ústí nad Labem und diese
gesamte Region gehören. Sicherlich hat niemand von uns die Absicht, die gegenseitigen Beziehungen zu  idealisieren.
Das deutsch-tschechische Zusammenleben war in der Vergangenheit so unruhig, wie das Leben  von Nationen und Einzelnen ist.
Viele Kriege, Zwiste und Zusammenstöße sind über die Grenzen gebrodelt, aber dennoch glaube ich sagen zu können,
dass die tiefsten Spuren von deutscher Seite in unserem Lande von jenen stammen, die in Frieden kamen.
Sei es auf Einladung der böhmischen Herrscher zur Besiedlung der Urwälder an den Landesgrenzen, seien es Künstler, Baumeister, Handwerker und Unternehmer gewesen, die bis heute bewunderte Kulturdenkmäler mit geschaffen haben, oder seien es auch jene, die sich an der Umwandlung der böhmischen Kronländer in ein modernes Industrieland beteiligt haben.
Wir sollten an ihr Erbe anknüpfen. In gewissem Maße kann auch gesagt werden, dass die deutsche Kultur über Jahrhunderte eine Brücke darstellte, die uns die Gegenwart des europäischen Kulturgeschehens vermittelte. Viele Male war sie Inspiration und Motivation für
die tschechische Kultur. Vielleicht war es gerade diese besondere Symbiose, die Persönlichkeiten oder Werke ans Licht der Welt gebracht hat, auf die wir stolz sind, ohne uns dabei mit der Nationalität ihrer Schöpfer zu befassen.
Peter Parler, Matthias Braun, die Dientzenhofers, Rilke, Kafka, Werfel, Husserl, Schumpeter, Freud. Diese Namen, die einem ohne großes Nachdenken in den Sinn kommen, sind Namen hervorragender -deutscher oder deutsch sprechender -Persönlichkeiten, die eindeutig zu unserem Lande gehören.
Die böhmischen Kronländer waren oft eine Geburtsstätte für Prozesse, die in ihren Folgen nicht nur das Schicksal unserer Nationen, sondern das von ganz Europa entschieden.
Die Hussitenbewegung war ein Vorzeichen der Reformation, die gerade Deutschland so stark beeinflusst hat. Der für beide Völker fatale dreißigjährige Krieg begann mit dem Prager Fenstersturz aus der Burg, dem heutigen Sitz der tschechischen Präsidenten.
Wir können nur ahnen, welchen Weg die Weltgeschichte ohne die dramatische Entwicklung des deutsch-tschechischen Problems
in der Tschechoslowakischen Republik zwischen den Weltkriegen genommen hätte-
Somit komme ich zu dem schwierigsten Augenblick. Die Zeit des zweiten Weltkriegs hatte für unser gegenseitiges Zusammenleben die fatalsten Folgen.
Seine Vorbereitung, die Entfachung, der Verlauf, aber auch seine Folgen in der unmittelbaren Nachkriegsentwicklung, in damaliger Zeit des bizarren, aber doch schon Friedens gehören  zu den tragischen Momenten der europäischen Zivilisation, aber es sind Ereignisse, die wir, die heute Lebenden, nicht mehr rückgängig machen können. Wir können sie nicht auf andere Weise ablaufen lassen.
Wir haben keine Mittel, um sie auf eine Art geschehen zu lassen, die wir mit unseren Erfahrungen und Weltansichten heute als richtig erachten würden. Davon müssen wir ausgehen.
Die Überwindung jener Zeit wurde dadurch erschwert, dass im Februar 1948 der eiserne Vorhang viel, der die Tschechen, aber auch einen Teil der Deutschen für vierzig lange Jahre von der freien Welt isolierte.
Auch in jener schweren Zeit finden wir jedoch positive Beispiele, auf denen wir für die Zukunft aufbauen können.
Dabei denke ich an die Rolle, die die demokratische Tschechoslowakei noch vor dem Münchner Abkommen für die deutsche antifaschistische Emigration gespielt hat, aber auch an die Bedeutung der demokratischen Bundesrepublik Deutschland in der Zeit des Kommunismus für die tschechische Emigration.
Heute bleibt uns die Aufgabe, die in jenen schlimmen Augenblicken des  20. Jahrhunderts entstandenen Vorurteile aus unseren gegenseitigen Beziehungen zu entfernen.
Suchen wir deshalb neue Impulse und neue Initiativen, verbleiben wir dabei jedoch nicht bei gefälligen Phrasen oder Schlagworte. Ihre Konferenz haben Sie "Toleranz statt Intoleranz" genannt. Ich glaube nicht, dass diese Bezeichnung genau und korrekt ist.
Ich glaube nicht, dass wir über die Vergangenheit und vor allem über die Ereignisse der dreißiger und vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in den Kategorien der heutigen Toleranz oder Intoleranz oder in den  Kategorien einer heutigen gegenseitigen Versöhnung oder Nichtversöhnung denken sollten. Das sind Worte in eine andere Richtung.
Die menschliche Toleranz ist für uns, die wir heute in diesem Saal sind, sicherlich einer der höchsten Werte. In demokratischen Ländern kenne ich niemanden, der das Gegenteil, also Intoleranz verkünden würde.
Die überwiegende Mehrheit von uns hat oder kennt ja sogar Niemanden, mit dem sie nicht versöhnt wäre. So Unversöhnte gibt es nur sehr wenig unter uns.
Aus diesen Gründen ist eine solche Benennung des deutsch-tschechischen Themas meiner Meinung nach ungeeignet. Hoch klingende Worte über die Notwendigkeit von Toleranz und Versöhnung werden außerdem von Einigen als Maske verwendet, mit der sie ihre
augenfälligen Bemühungen verdecken wollen, die Vergangenheit zu ändern oder ihr eine ganz neue Interpretation zu verleihen.
Das betrachte ich als inakzeptabel und bin nicht bereit, mich daran zu beteiligen.
Suchen wir doch ein anderes Ausgangs-Paradigma, einen anderen Leitgedanken.
Bauen wir die Zukunft der deutsch-tschechischen Beziehungen nicht auf der ständigen Belebung der tragischen Seiten der Geschichte, auf Versuchen, die Schuld der einen oder anderen zu vergleichen oder das Versagen der einen oder anderen Generation unserer Vorfahren zu rechtfertigen.
Suchen wir sie auch  nicht in Versuchen, die Geschichte umzuschreiben oder zu verbessern.
Ich würde mir sehr wünschen, in unserer Stellung zur Vergangenheit Demut zu finden, ebenso wie die Fähigkeit - im Einklang mit der Sichtweise des großen  deutschen Philosophen Karl Jaspers - das Gefühl einer abstrakten Schuld zu akzeptieren und daraus einen  einfachen und allen verständlichen moralischen Imperativ abzuleiten: niemals die Wiederholung von Tragödien der Vergangenheit zuzulassen.
Ich rufe deshalb zur Versöhnung mit der Vergangenheit auf. Nur sie schafft die Voraussetzung für  gute nachbarschaftliche Beziehungen, die wir so sehr brauchen.
In der heutigen Zeit haben wir dazu außerordentlich günstige Voraussetzungen. Unsere gegenseitigen Beziehungen sind sehr gut.
Unsere politischen Vertretungen sind bereit - im Einklang mit dem Text der Gemeinsamen deutsch-tschechischen Erklärung, die ich vor sieben Jahren mit Bundeskanzler Kohl unterzeichnet habe - unsere Beziehungen nicht mit der Problematik der Vergangenheit zu belasten. Die Zukunft ist unsere Priorität.
 
Nutzen wir die Vergangenheit als Inspiration und seien wir uns, Deutsche und Tschechen, gegenüber großmütig.
Nur so wird uns eine gute Zukunft erwarten.
              

 Ein Bericht von K. H. Kralowetz

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