Lieben,

mit 17 Häuser, 72 Einwohner,  ist von Nestomitz, der nächsten Eisenbahnstation und Haltestelle der elektrischen Straßenbahn, zu erreichen. Post Aussig, Pfarre Seesitz, Schule Gratschen. Lieben ist ein echtes Runddorf dessen Form allerdings im Laufe der Zeit durch Umbauten und Häuselbauten auf Gemeindegrund verwischt wurde. Die alten Wege führten ehedem auch nicht durch das Dorf, sondern an ihm vorbei.

Urkundlich gehört es zu den ältesten Dörfern unseres Kreises. Es wird schon 1169 genannt. Der ehemalige Meierhof, der wohl erst im 16. Jahrhundert durch Zusammenlegung zweier Bauernwirtschaften entstanden sein dürfte, wurde 1657 wieder in zwei Teilen verkauft. Es sind die Häuser Nr. 1 (Gasthaus) und Nr. 2 (Watzke).
1654 hatte Lieben 11 Häuser (4 Bauern, 6 Kleinbauern, 2 Häusler), 1787 15 Nummern. Die Flurnamen sind im allgemeinen deutsch, doch kommen auch noch slawische Namen vor, zum Beispiel die "Nastrane" an der Grenze gegen Spansdorf und Blankenstein, die an die Zeit der slawischen Besiedelung erinnern. Lieben und das benachbarte Gratschen waren noch bis 1547 Johanniterbesitz, gehörten zu Gute Kleische und mit diesem zur Herrschaft Kulm bis 1848. Das Haus Nr. 4, ein altes Fachwerkhäusel, ist wahrscheinlich um 1670 erbaut worden und ist seit dieser Zeit ununterbrochen im Besitze der Familie Habel geblieben. Die Häusergeschichten siehe "Beiträge", 1934,  S. 73 ff.

Dr. Franz Umlauft, Studienrat, Aussig

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