Mörkau,

mit 35 Häuser, 112 Einwohner, Eisenbahnstation und Post in Nestomitz, Pfarre Mosern und Schule im Orte. Das Dorf gehört unter jene Gruppe der deutschen Waldhufendörfer, deren Gründung etwa in die Zeit von 1150 bis 1200 zu verlegen ist. Der Flureinteilung nach ist es wohl am ehesten mit Seesitz zu vergleichen, das zu den ältesten deutschen Waldhufendörfern gehört. Die Anlage des Dorfes ist so, daß je fünf Bauernhöfe zu beiden Seiten des Dorfangers liegen. Die Veranlassung zur Anlage des Dorfes an dieser Stelle haben die Grundwasserverhältnisse gegeben.

Ansichtskarte von Mörkau, Bez. Aussig an der Elbe
Von besonderer Wichtigkeit ist eine starke Quelle, die im oberen Teil des Dorfes entspringt und den Dorfteich mit Wasser versorgt. 1654 hatte Mörkau 19 Häuser (11 Bauern, 1 Kleinbauer, 7 Häusler). Die beim Teiche stehende Dorfkapelle hatte ein Glöcklein aus dem Jahr 1728. Zu Mörkau gehört der Ortsteil Tittelsbach. Näheres unter Tittelsbach! Die sogenannte Mörkauer Kapelle liegt aber abseits vom Dorfe am südlichen Abhange des Gerichtsberges an einer Stelle, von der man hübsche Aussicht ins Tal genießt. Diese Kapelle wurde im Jahre 1858 in der gegenwärtigen Gestalt erbaut und 1859 unter überaus großer Beteiligung der Bevölkerung aus der ganzen Umgebung eingeweiht. Der Altarraum ist ganz aus dem Sandsteinfelsen herausgehauen.
1864/65 wurde der Felsen rechts vom Kapelleneingang beseitigt, so daß ein kleiner Platz entstand, auf dem sich am "Mörkauer Feste" (am Sonntag nach Maria Heimsuchung, 2. Juli) ein reges Festtreiben entfaltet. Die von einem gewissen Erasmus Rösler um das Jahr 1800 auf dem Berge Schuwenze aus Schiefersteinen erbaute Höhle, in der er eine im Hause Nr. 20 in Mosern gefundene Marienstatue aufgestellt hatte, lag auf der Grundparzelle 278. Da aber der Ort zu unheimlich gewesen sei, habe er in Einvernehmen mit der Besitzerin der Wirtschaft Nr. 14 (Patzelt) in Mörkau an dem jetzigen Standorte der Kapelle eine Nische in den Felsen (oligozäner Sand) eingehauen, die er zu einer Grotte erweitert und mit einer Tür verschlossen habe.
Aus den Spenden der vielen Wallfahrer, die hierher kamen, wurde seit 1811 ein Kapellenfond geschaffen, der den Grundstock für die Baukosten der neuen Kapelle aus dem Jahre 1858 bildete.

Dr. Franz Josef Umlauft, Studienrat, Aussig

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