Nestomitz,

mit 289 Häusern und 2966 Einwohnern, Eisenbahnstation, Endstation der Aussiger "Elektrischen Straßenbahn", Post und Schule gehörte zur Pfarre Mosern. Nestomitz heute ein ansehnlicher Industrieort, war ehemals ein Bauerndorf mit 10 Bauernhöfen, die zu beiden Seiten der alten Dorfstraße lagen, die aus dem Reindlitztale und von Mörkau her zur Elbe führt. Die alten Bauernhöfe waren: Nr. 10, 14, 15, 16, 17, 28, 29, 32, 33 und 36. Die Gründung dieser Höfe geht wohl bis in die Zeiten der Johanniter zurück, denen schon 1188 Nestomitz (Neschemici, heute noch im Volksmund "Neschmitz") gehörte. Noch älter war vielleicht der Meierhof, der etwa seit 1720 aufgelassen ist. Die Häuser die auf seinem Platz stehen, heißen heute noch die "Teine". Postkarte von Nestomitz im Bezirk Aussig an der Elbe
Den selben Namen trägt auch noch eine Feldflur, die dazu gehörte. Der Name hängt mit dem slawischen "tyn" zusammen (vergleiche den "Teinhof" bei der Teineiche in Prag!) und dieses wieder mit dem germanischen Wort "tun", was soviel wie "Zaun" bedeutet. Zu den alten zehn Bauern hatten bis 1673, 26 Häuser gesellt. 1887 zählte Nestomitz 40 Häuser und 223 Einwohner, 1913 aber 192 Häuser und 3032 Einwohner. In dieses Jahr fiel der rasche Aufschwung des Ortes, der durch die Erbauung einer großen Zuckerraffinerie im Jahre 1890 veranlaßt war. Nach dem völligen Ausbau wurde 1893 die erste Kampagne eröffnet. Das Unternehmen, das mit einem Aktienkapital von 6.720.000 Kronen ö.W. arbeitete, beschäftigte in der Vorkriegszeit 800 Arbeiter und verarbeitete jährlich ungefähr 1.100.000 Zentner Rohzucker. Die fertige Ware wurde zum größten Teil nach Nordeuropa, aber auch nach Amerika, Afrika und Asien ausgeführt. Diese große fabrik stellte im Jahre 1935 ihren Betrieb ein.
Die Solvay-Werke, eine Zweigniederlassung der Aussiger Chemischen Fabrik, wurde 1906 erbaut und 1908 in Betrieb genommen. Die alte kleine Dorfkapelle stammt aus dem Jahre 1772. Von den beiden alten Linden, die bei einer im Jahre 1786 errichteten Johannes-Statue standen, hat sich nur eine erhalten. Sie steht an der Straße, die an den kleinen Park vor dem Gemeindehause vorbeiführt. Die erwähnte Statue wart eine Erinnerung an die große Wasserflut im Jahre 1784.

Bemerkenswert ist auch das alte Steinkreuz im Garten der Schule, das ebenso wie die allgemein bekannten "Drei Kreuze" am Wege von Reindlitz nach Schönpriesen ein Werk des Bauers Sieche aus Nestomitz Nr. 32.

Dr. Franz Josef Umlauft, Studienrat, Aussig.

Dieses Bild wurde uns von Nadine Specht zugeschickt

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