Nollendorf,

mit 84 Häuser, 310 Einwohner liegt auf dem Erzgebirge an dem Passe, der von dem Dorfe seien Namen hat. Bei Nollendorf endet das Erzgebirge mit seiner Granit- und Gneisformation und beginnt das Elbesandsteingebirge mit seiner Kreideformation. Die Reichstraße Teplitz - Pirna durchquert das Dorf, das am Keidlerberge beginnt und sich bis zum Fuße des Wagnerberges bei Königswald erstreckt. Die Meereshöhe beträgt bei der weit sichtbaren Kirche 674 m.

 

Nächste Eisenbahnstation Tellnitz, Post Königswald (über Bodenbach), Pfarre und Schule im Orte. Nollendorf wurde wie die anderen Erzgebirgsorte im 13. Jahrhunderte gegründet und hat seinen Namen ohne Zweifel von dem Siedlungsführer erhalten,

  der Nagler oder Nagel hieß, denn das Dorf wird in den ältesten Urkunden 1382 und 1405 Naklerzow und Nagleri villa, also Naglersdorf, 1551 Noildorf, 1594 Nolndorf, 1604 Nahlendorf genannt, und wird so noch auf alten Karten um 1800 geschrieben. Nollendorf ist ein echtes Waldhufendorf mit 35 Bauerngütern. Herren des Dorfes scheinen bereits seit etwa 1310 die Herren von Lungwitz gewesen zu sein, die vor dem Jahre 1382 das Kirchlein erneuert und vermutlich um 1404 ihr Gut an Wenzel von Wartenberg auf Blankenstein abtraten. Wie lange Nollendorf bei Blankenstein blieb, ist nicht bekannt. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts dürfte es wohl schon zu Graupen gehört haben (sicher aber 1537). Bei der Zerstückelung dieser Herrschaft im Jahre 1579 erwarb der sächsische Edelmann Tam von Sebottendorf auf Rottwerndorf Nollendorf mit Schönwald und Peterswald.

     Ansichtskarte von Nollendorf, Kar-Weis-Warte, (Archiv. HV.-Aussig)

 

 

                

In der Folgezeit blieb es bei der Herrschaft Schönwald. Der Meierhof wurde um das Jahr 1800 aufgelassen. Er umfasste 1786  94 Joch. Jetzt stehen auf dem ehemaligen Hofe die Häuser Nr. 27, 55, 76, 78 und 88.m  Dreißigjährigen Kriege erlebte Nollendorf viele Truppendurchzüge (Sachsen- und Schwedeneinfall) und erlitt dabei viel Schaden. Noch 1654 waren von den 35 Häusern nur 16 bewohnt und 19 unbewohnt. Im Jahre 1679 wurde das Kirchlein erbaut, am 9. 11. 1683 eingeweiht, der Turm kam aber 1805 hinzu. Am 13. September 1756 schlug der Prinz von Braunschweig, der mit 10 000 Mann über Berggießhübel nach Böhmen einfiel, die österreichischen Truppen bei Nollendorf. Auch 1757 fanden beim Einmarsch der Preußen die ersten Scharmützel bei Nollendorf statt. 1759 am 15. April (Ostersonntag) unternahm Prinz Heinrich abermals einen Einfall nach Böhmen über Peterswald und Nollendorf bis Aussig, Lobositz und Leitmeritz. Am 9. August 1778 besetzte die Vorhut des preußischen Generalleutnants von Platen Nollendorf und Kninitz. Und 1813 sah Nollendorf die unter dem General Vandamme nach Böhmen eindringenden Franzosen, die sich nach zweitägigem Ringen durch das rechtzeitige Eintreffen der Generals Kleist bei Nollendorf eingeschlossen sahen und den verzweifelten Durchbruch machten. Am 11. September 1813 kam Napoleon salbst nach Nollendorf und besah sich am 16. September von der Nollendorfer Kirche aus die Stellungen im Tale. In der Nacht vom 17. auf den 18. September standen einige Häuser von Kninitz und Nollendorf in Flammen. General Kleist, der in Anerkennung seiner Verdienste das Adelsprädikat von Nollendorf erhalten hatte, wurde 1913 von der Gemeinde Nollendorf durch einen Gedenkstein geehrt.

Der Ort ist seit dem Dreißigjährigen Kriege bis 1787 auf 72 Häuser gewachsen, 1880 wird ihre Zahl mit 96, 1900 mit 84 angegeben. Die Einwohnerzahl ist seit dem Jahre 1880 von 454 auf 310 in der Gegenwart gesunken. 1817 wurde ein ebenerdiges, 1854 ein einstöckiges Schulhaus erbaut. Im Jahre 1866 sah Nollendorf wieder große Durchmärsche von Sachsen und Preußen.
Die Bewohner sind Landwirte, doch viele Häusler sind Maurer, Zimmerleute und Fabrikarbeiter. Vor dem ersten Weltkriegen gab es hier auch einige Hopfenhändler. Seit der Errichtung des Aussichtsturmes auf dem Bäckenberge, genannt "Karl-Weiß-Warte" (nach dem verdienten Wanderwarte des Aussiger Gebirgsvereins) wurde Nollendorf auch das Ziel Vieler Ausflügler. Josef Nittner veröffentlichte eine dankenswerte Rundsicht von diesem Turme, von dem man selbst die Schneekoppe sehen konnte. Leider stürzte der Turm infolge eines Wintersturmes am 29. Jänner 1944 ein.     Karl Tietze, Gewerbeschuldirektor i. R., Aussig
 
   Das Kreuz bei Nr.24       (Hübner-Herzig)
   Daselbst stand, 1840 vom damaligen Besitzer Josef Klepsch errichtet, ein 7 Ellen hohes,
   rot angestrichenes Holzkreuz. Es hatte ein Heilandbild aus Blech. Es war eine Stiftung

   von 5 Gulden hinterlegt.

Im Jahre 1894 gab Karl Hübner, der nunmehrige Besitzer von Nr. 24 zu den auf 24 Gulden angewachsenen Stiftungsgelde noch 18 Gulden dazu und ließ an Stelle des verfal­lenen Holzkreuzes ein Steinkreuz aufstellen, das oben ein eisernen Heilandbild trägt. Mit dem Postament ist es 3 Meter hoch. Unter dem Corpus Christi ist ein Engel. Das Heilandbild und der Engel sind vergoldet. Am Sockel ist ein vergoldeter Kranz angebracht. Auf der Tafel am Kreuze steht: "Gelobt sei Jesus Christus!"

Unten steht geschrieben:

Im schönen Bilde der Natur, siehst Du des großen Gottes Spur. Doch willst Du ihn noch größer sehn, so bleib bei seinem Kreuze stehn!

Am 22. Sept. 1895 ist das Standbild geweiht worden. 

Dass Herr Karl Hübner dieses Standbild so teuer ausgestalten ließ, hat vermutlich folgenden Grund gehabt: 

Am 18. Mai 1859 starb das 4 Jahre und 2 Monate alte Mädchen „Anna“ des Bauern Anton Hübner (eine Schwester des Karl H. Nr. 24 ) den Flammentod. Es hatte unbemerkt ein Töpfchen genommen, um glühende Kohlen zum Anfachen eines Feuerchens aufs Feld hinaus zu tragen. 

In dem Töpfchen war aber Harz gewesen. Das Kind deckte sein Schürzchen über dasselbe, das Schürzchen fing Feuer und bald stand das Mädchen in Flammen. Der herbei geeilte Vater kam zum Retten zu spät. Nach einer Stunde schon erlag das Kind seinen Brandwunden. Vorher konnte es noch den Verlauf des grässlichen Unglückes mitteilen. 

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