Prödlitz,

seit 1939 nach Aussig eingemeindet, liegt westlich der alten Stadt Aussig am Sernitzbach südlich vom Strißowitzer Berg an der Straße Aussig - Karbitz und ist von Aussig aus mit der Elektrischen Straßenbahn zu erreichen. Im Jahre 1939 zählte der Ort 418 Häuser und 4271 Einwohner. Man unterscheidet jetzt den alten Ortsteil Ober- oder Alt-Prödlitz vom neueren Unter- oder Neu-Prödlitz. Während Alt-Prödlitz mit seinen zumeist einstöckigen Häusern noch den Dorfcharakter bewahrt hat, erweckt Neu-Prödlitz mit seinen Gassenanlagen bereits den Eintruck einer städtischen Siedlung. Das alte Dorf Prödlitz ist ein Reihendorf mit einem Herrenhof und stammt etwa aus dem 12. Jahrhundert. Von 1169 bis 1418 bildete Prödlitz einen Teil des Johanniterbesitzes in unserer Gegend. Ansichtskarte von Predlitz, Stadtteil von Aussig an der Elbe
Als weitere Herren auf Prödlitz werden Angehörige der Familien Kolditz auf Graupen, der Wrzesowitz auf Geiersburg und der Kölbel von Geysing genannt, deren bedeutendster Vertreter Adam Kölbel war. Er starb 1591 als Vater von 7 Söhnen, die sich in den Besitz ihres Vaters teilten, so daß das Gut in ein Ober-Prödlitz und Unter-Prödlitz geteilt wurde. Zur Ober-Prödlitz gehörte der jetzt der Stadtgemeinde Aussig gehörige Meierhof, zu Unter-Prödlitz das Schlößchen mit dem dabei befindlichen Meierhof. Zu Ober-Prödlitz gehörten im Jahre 1654 10 Anwesen im Orte, zu Unter-Prödlitz 19 Häuser. Hiervon waren 9 Bauern, 6 Kleinbauern, 10 Gartengütel und 5 Häusel; dazu kam das sogenannte Schlechgut, das 1678 als wüst und öd bezeichnet wird. Graf Rudolf Wenzel von Schönfeld vereinigte wieder beide Güter, die 1704 in den Besitz der Grafenfamilie Wratislaw von Mitrowitz kamen. Diese erbaute im Jahre 1766 das Schlößchen. 1794 kaufte Graf Friedrich Moritz von Nostitz, Besitzer der Herrschaft, das Gut Prödlitz, das bis 1918 im Besitze dieser Familie verblieb.
Prödlitz war in alter Zeit zur Laurenzikirche (siehe diese!) und mit ihr nach Kulm eingepfarrt, von 1789 bis 1910 nach Karbitz. Die in den Jahren 1905/06 erbaute Kirche in Prödlitz wurde 1909 Pfarrkirche. Die alte Ortskapelle stammt aus dem Jahre 1817. Die Johannesstatue an der Sernitzbrücke wurde 1722 errichtet. Bis 1897 war Prödlitz nach Türmitz eingeschult. Erst im diesem Jahre wurde das neue Schulhaus gebaut. Der neue Friedhof wurde 1906 eröffnet. Das Postamt besteht seit 1901. Die Wasenmeisterei zwischen Alt-Prödlitz und Herbitz ist seit 1910 in Betrieb. Bemerkenswert ist, daß mindestens seit dem Jahre 1486 der Aussiger Dechant im Nutzgenuß eines ansehnlichen Grundbesitzes in Prödlitz ist, um den wiederholt langwierige Prozesse geführt wurden
Westlich von Prödlitz liegt die Bihana, eine kleine Hochfläche, auf der am 16. Juni 1426 in der Hussitenzeit die "Schlacht bei Aussig" stattfand. Über die Bihane führte in alter Zeit der Teplitzer Weg.
Prödlitz war längere Zeit Sitz der gräflich Nostitzschen Bergdirektion. Der k.k. Bergrat Josef Neuber, der von 1878 bis 1908 hier wirkte, hat sich um die Gemeinde sehr verdient gemacht.

Schrifttum: O. Kamshoff, Prödlitz einst und jetzt 1912, ferner "Beiträge zur Heimatkunde des Aussig-Karbitzer Bezirkes" 14, S. 8, 13, 59, 162.

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