Priesten,

mit 84 Häuser und 564 Einwohnern, liegt an der Straße Teplitz - Arbesau, 2 km westlich von Kulm, Eisenbahnstation, Post und Schule Karbitz, Kraftwagenverkehr von Karbitz nach Teplitz.
Priesten ist ein Reihendorf und hat eine ähnliche Anlage wie Straden und Kulm. Es dürfte wie diese Orte im 12. Jahrhundert angelegt worden sein. Zu Anfang des 14. Jahrhunderts waren Priesten und Straden ein zur Burg Brüx gehöriges Lehen. Im Jahre 1348 wurde der Gutshof in Priesten von den Aussiger Bürgern zerstört, weil sein Besitzer ebenso wie der Inhaber der Höfe in Straden und Eulau anscheinend Wegelagerei getrieben hatte.
Um 1543 erwarben die Brüder Bernhard und Leutold Kölbel von Geising das Gut, das 1603 in den Alleinbesitz des Peter Kölbel auf Kulm überging und seit dieser Zeit bei der Herrschaft Kulm verblieb. Außer dem Meierhofe hatte Priesten im Jahre 1654  3 Bauern, 13 Kleinbauern, 1 Gärtner und ein Häusler, zusammen also 19 Anwesen.
1787 hatte der Ort 21 Nummern, 1833 31 Häuser mit 173 Einwohner, 1921  51 Häuser. Die Bewohner sind Bauern, Arbeiter und Angestellte.
In der Schlacht bei Kulm wurde am 29. August 1813 erbittert um Priesten gekämpft. Die russische Garde verlor auf einem Kilometer Länge rund 4000 Mann. Die heftigsten Kämpfe spielten sich bei der Klöckermühle im Priester Grund ab, die in den Kriegsberichten auch "Eggenmühle" genannt wird. Es war eine Sägemühle, die an Stelle der jetzt zum Dorfe Priesten gehörenden und von Wald umgebenen "Mühlhäuseln" (Nr. 43 und 44) stand und nach dem Brande im Jahre 1813 wohl nicht mehr aufgebaut wurde.
Auch bei der etwas südlicher davon gelegenen Juchtenkapelle an der Kreuzung der Wege Straden - Hohenstein und Priesten - Klöckermühle wurde heiß gekämpft. Hier hat die Gemeinde Priesten ein Denkmal errichtet. Das Dorf Priesten brannte am 29. und 30. August nieder, nur das Haus Nr. 29 blieb stehen.(Näheres über die Kämpfe bei Priesten siehe in dem Aufsatze von Franz Puckler "Kulm und Arbesau 1813" im 2. Hefte der "Beiträge" 1943!) Kanonenkugeln stecken noch an einzelnen Hausgiebeln.
Das russische Denkmal an der Reichsstraße bei Priesten wurde am 29. August 1837 enthüllt. Die feierliche Grundsteinlegung am 29. September 1835 war ein bedeutendes Ereignis jener Zeit, da die drei Monarchen Kaiser Ferdinand von Österreich, Zar Nikolaus von Rußland und König Friedrich Wilhelm von Preußen daran teilnahmen. Hinter dem russischen Denkmal befindet sich ein kleines Wäldchen mit dem sogenannten Massengrab. Hier ließ nämlich im Jahre 1835 Graf Josef von Westphalen durch hunderte von Arbeitern die Gebeine und Schädel der in der Schlacht von Kulm Gefallenen sammeln feierlich beerdigen.
Von Priesten führt ein schöner Weg durch den Priestner Grund nach Ebersdorf,. Priesten besaß auch schon ein Flugfeld, von dem die ersten Aufstiege in unseren Kreise erfolgten.

Anton Schreinert, Studienrat, Teplitz-Schönau

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