Pschüra (auch Pschira),

mit 9 Häuser und 28 Einwohnern, Dorfanteil der Gemeinde Klein-Priesen, Haltestelle Pschüra und Eisenbahnstation Tischlowitz der NW-Bahn, Post Groß-Priesen, Pfarre Tischlowitz, am Straßenzug Klein-Priesen - Pschüra - Tischlowitz, liegt am rechten Elbufer am Ausgange des zwischen den Lechenberg und Ziegenrücken abstürzenden Kohlbachgrabens, dessen Bächlein die Grenze zwischen den zwei Dorfteilen bildet (der eine zum Aussiger, der andere zum Tetschner Bezirke gehörig). Landwirtschaft, Obstbau.
Slawische Siedlung aus der Zeit des 9. oder 10. Jahrhunderts, Name soviel wie "vor dem Graben". Der Flurname "Astschiele" (ostrilo) bezeichnet eine in den Elbstrom vorspringende Landzunge (sogen. "Hörnel"), das vielleicht der Standort des eingegangenen Dorfes Ostrow war; die "Mühlhabe" (aus tschechischen mlhove  = "Nebelloch") deutet die hier charakteristischen Nebenbildungen an.
Pschüra scheint erst im 15. Jahrhundert durch nachträgliche Siedlungen jenseits des Grenzbächleins (also auf Gut Tischlowitzer, später Herrschaft Tetschner Gebiete) ein Teildorf geworden zu sein. Im Jahre 1397 tritt es, da der Sperlingsteiner Anteil offenbar noch nicht bestand, noch als villa integra, sonach als ungeteilter Dorfbesitz zum Gute Warta auf. Der Tetschner Anteil an Pschüra wird urkundlich erst im Jahre 1515 genannt. Seither machte das Halbdorf Pschüra alle Besitzübergänge mit, die Klein-Priesen betrafen, und überging nach dem Jahre 1603 mit diesem Kauf an die Herrschaft Teplitz, bis das Gut Groß-Priesen beide im Jahre 1843 zurückkaufte.
Mitte der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts tat sich hier eine verwegene Räuberbande auf, deren Mitglieder im Jahre 1838 ausgehoben werden konnten.

Schrifttum: Verstreute Notizen bei Tscherney "Schwaden".    Emil Richter, Oberlehrer i.R., Aussig-Schreckenstein

Ortsverzeichnis