Raudnig,
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mit 80 Häusern, 717 Einwohnern, liegt an der Straße Modlan - Hottowies - Schönfeld^, am Fuße des Welscher Berges in und an der durch den Modlaner Bach gebildeten Talmulde. Die Bezirksstraße Schönfeld - Raudnig führt am nördlichen Dorfende  vorbei. Eisenbahnstation Karbitz, Post Wicklitz, Schule im Ort, Pfarre Türmitz, Höhe 270 m. Ansichtskarte von Raudnig, Bez. Aussig an der Elbe
Der Name  deutet auf ein Erzvorkommen in frühgeschichtlicher Zeit (slaw.rudný = erzhaltig, rot). Im Hinblick auf die Lage des Ortes am alten Wege, der von Aussig nach Prödlitz, die Bihana, Wicklitz und Modlan nach Teplitz führte, ist es jedenfalls schon eine sehr alte Siedlung.   Der Anlage nach ist es ein gelockerter Rundling.
1352 hatte es schon eine eigene Pfarrkirche (jetzt Filiale von Türmitz).  Im Jahre 1416 saß auf Raudnig ein Lehensmann der Kollegialkirche St. Apollinar in Prag.
1420 verpfändete König Siegmund Raudnig und Weschen an Peter von Skala und dessen Bruder auf Sullowitz.
1437 besaß Jokoubek von Wrzesowitz auf Teplitz Raudnig und Weschen. Ein Urbar von 1561 zählt Raudnig mit 12 Anwesen unter den Zugehörungen von Neuschloß auf. Im Jahre 1654 gab es hier außer dem Meierhofe 3 Bauern und 8 Kleinbauern. 1666 kam es zur Herrschaft Türmitz.
Die Kirche verleiht mit ihrer weithin sichtbaren Turmspitze dem Landschaftsbild einen freundlichen Anblick. Der zweijochige Priesterraum rührt aus dem 15. Jahrhundert her. Das Wappen der Kolditze auf Graupen an der gotischen Decke deutet auf die Erbauung um 1480. Das Schiff stammt aus dem Anfang des 17. Jahrhunderts (1607). Von der sehr kostbaren getäfelten Decke, die wohl aus der Zeit stammte, sind nur zwei als Türfüllungen verwendete Reste übrig.
Das Kleinod der Kirche ist aber der sehenswerte Sandsteinaltar, der im Jahre 1607 durch Heinrich von Bünau zum Gedächtnis seines Schwiegervaters Nikolaus Otto von Mühlen durch den Pirnaer Bildhauer Laurenzius Hornig aus Apolda errichtet wurde. Das Kunstwerk ist leider im Jahre 1914 durch den Ölfarbenanstrich verunstaltet worden. Auf dem linken Seitenaltar steht eine gotische Muttergottesstatue, die Arbeit eines Landkünstlers; in der Sakristei der als Ausguß eingebaute alte Taufstein.
An der nördlichen Kirchhofmauerecke ist eine alte Statue des Hl Johannes eingemauert. Südlich der Kirche steht die alte Schule (jetzt Küsterwohnung, Nr. 7). Der letzte protestantische Pfarrer von Raudnig hieß Paul Rüdiger. Er mußte 1624 mit Weib und Kind auswandern.
Um 1650 hatte Raudnig noch eine eigene Pfarrei und Modlan zur Filiale. Die Herrschaft hatte zu jener Zeit zur Schafzucht in Raudnig einen Schafmeister und zwei Schafknechte. 1787 war der Ort auf 27 Nummern angewachsen.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts setzte der Kohlenbergbau ein. 1851 gab es es in der Gemeinde Raudnig 9 Kohlengruben. Der Maria-Theresia-Schacht ist seit 1883, der Maria-Antonia-Schacht sei 1884 im Betrieb. Der Bergbau brachte das Absterben der Landwirtschaft und die Zuwanderung der tschechischen Bergarbeiter mit sich. Das älteste Haus in Raudnig ist die ehemalige Schmiede Nr. 6.

Josef Schütz, Katechet, Aussig

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