Schöbritz,

mit 144 Häusern, 820 Einwohnern, Eisenbahnstation Aussig, Haltestelle der Aussiger Straßenbahn: Hahn, Schöbritz, Johnsdorf. Post Aussig-Pockau, Filialkirche der Pfarre Gartitz, Schule im Orte. Meereshöhe bei der Kirche 249 m. Der alte Ortsteil liegt am nördlichen Abhange und am Fuße des Strisowitzer Berges, der neuere Ortsteil an der von Aussig nach Arbesau führenden Staatsstraße. Straßenverbindungen außerdem nach Gartitz, Strisowitz und Deutsch-Neudörfel. Der alte Ortsteil war ehemals im wesentlichen ein Herrschaftssitz, dessen Gründung etwa ins 12. Jahrhundert zu verlegen ist. Ansichtskarte von Schöbritz, Bez. Aussig an der Elbe
Als Herrensitz hatte der Ort auch eine Kirche, die 1352 urkundlich bezeugt ist (Schobrowitz), Der Name bedeutet soviel als Sitz der Nachkommen eines Wschebor. Der Anlage nach ist es unter die Runddörfer einzureihen.
1654 gab es hier nur einen Bauer und 13 Kleinbauern, deren Häuser östlich des groß angelegten Herrenhauses standen. Außer einen Garten besaßen sie hinter dem Hofe keinen Ackergrund.
1787 zählte das Dorf erst 22 Nummern. Nach dem Abverkauf der Meierhofsfelder in den Jahren 1794 und 1795 setzt eine rege Bautätigkeit ein, so daß sich der Ort bis 1833 auf 46 Häuser vergrößerte. Bei der ehemaligen Schäferei an der seit 1817 fertiggestellten Staatsstraße nach Arbesau entstand einer neuer Ortsteil.
Die Schule wurde 1871 zweiklassig errichtet. Vorher gingen die Kinder nach Gartitz in die Schule.
1887 hatte Schöbritz bereits 71 Häuser, deren Zahl sich bis in die Gegenwart verdoppelt hat. Die Bewohner sind nur zum geringen Teil Landwirte, sonst meist in Fabriken oder Betrieben in Aussig beschäftigt.
Schöbritz war anscheinend bereits vor 1248 im Besitze der   Riesenburger und galt nach 1426 als Lehen des Brüxer Schlosses. 1355 werden als Lehensinhaber Stephan, Slawata, Johann und Wanko (Wenzel) "de Wsseboricz" genannt. Zu Schöbritz gehörte auch Pockau, das aber schon vor 1363 abgetrennt wurde. Das Gut Schöbritz, das sich um 1400 bloß auf die Feste, den Meierhof und vier Bauerngütel im Orte beschränkte, vergrößerte sich seit 1401 durch Erwerbung von Troschik und Saara. 1429 kamen noch Anteile von Raudnei, Tillisch, Kamitz und Deutsch-Neudörfel dazu.
Um 1526 kaufte Johann von Lungwitz, vorher Eulau, die Güter Schöbritz und Groß-Kaudern. Seine Söhne teilten den Besitz, aber Wolf Soldau von Steinbach, der um 1579 die Margarethe von Lungwitz "auf Großkaudern" geheiratet hatte, vereinte ihn wieder und vermehrte ihn durch die Dörfer Kninitz, Schlabisch und Hintertellnitz (bis 1580 zu Graupen gehörig), ferner 1587 durch den Ankauf der Dörfer Streckenwald und Ebersdorf. So erlebte Schöbritz seine Glanzzeit, so daß sich um 1590 Wolf Soldan von Steinbach das noch stehende Schloß erbauen konnte. Mit seiner Frau zusammen stiftete er auch im Jahre 1604 eine Glocke, die erst 1942 für Kriegszwecke abgeliefert werden mußte. Als er und seine Gattin gestorben waren, widmete ihm sein Sohn Albrecht ein prächtiges Grabmahl in der Kirche von Schöbritz, von dem noch die beiden Hauptfiguren an der Außenseite des Presbyteriums der Kirche und Reste der Umrahmung am Giebel des Beinhauses auf dem Friedhof erhalten sind.
In der Folgezeit kamen die Herrschaft Schöbritz noch Johnsdorf und Bohna und Teile anderer Orte hinzu. Schließlich wurde auch das Gut Pockau mit seinen Zugehörungen vor 1654 wieder mit Schöbritz vereint. Grundherr war zu dieser Zeit der Freiherr Alexander Regnier von Bleileben auf Sobochleben. Das Schöbritzer Schloß wurde in der Folgezeit nur vorübergehend von seinen Besitzern bewohnt und verfiel allmählich. Seit 1908 ist die Brauerei und der Meierhof im Besitze der Familien Rudolf Kny und Dr. Karl Porsche, Brüx. Die Brauerei stammt aus dem 16. Jahrhundert und wurde 1935 aufgelassen.
Die Kirche wurde in den Jahren 1694, der Turm 1698, das Friedhofsportal 1702 gebaut, das Beinhaus 1717 vom Burggrafen Mathes Franz Sieche, der sich auf der Rückseite des Beinhauses durch eine gehaltvolle Inschrift verewigt hat. Außer dem schon erwähnten Grabmale des Wolf Soldan Steinbach und seiner Frau ist noch das Grabmahl seines Sohnes Albrecht an der Ostseite des Presbyteriums zu erwähnen. Die "Weiße Marter", eine vierkantige Säule mit vier Bildern in den Nischen des Kapitäls, stand 1676 an der Straßenkreuzung nach Gartitz. Beim Hause Nr. 37 am "Hohlen Wege" nach Pockau befindet sich eine Statue des Brunnenheiligen Prokop.
Beachtenswert sind zwei Steinkreuze (wahrscheinlich Arbeiten des Karbitzer Bildhauers Jennatsch) beim Friedhofseingang und beim Gasthofe "Eiche" (an der Abzweigung der Straße nach Deutsch-Neudörfel). Auf dem Dorfplatze und beim Bräuhauskeller stehen Linden im Alter von 100 bis 300 Jahren. Die größte ist die bei Nr. 7, eine Zwieselbildung: ihr Umfang beträgt 6 1/2 m. An der Straße, die zur sogenannten "neuen Welt" (Haus Nr. 25) führt, steht eine Pappel von 90 Jahren. Seit 1800 wurde in und bei Schöbritz auch nach Braunkohle gegraben. Schöbritz war um die Mitte des vorigen Jahrhunderts Sitz einer Bergdirektion.
auf die Umgebung von Schöbritz genießt man oberhalb des alten Dorfes von der nach Strisowitz führenden Straße. Bei schönen Wetter kann man über 50 Ortschaften kann man über 50 Ortschaften erblicken.

Franz Drescher, Oberlehrer in Schöbritz

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