Sobochleben,

mit 109Häuser, 843 Einwohner, liegt an der Reichsstraße Arbesau - Teplitz. Eisenbahnstation und Post Mariaschein, Schule Sobochleben, Pfarre Mariaschein. Höhe 250 m. Sobochleben ist ein alter Edelsitz, der das erstemal im Jahre 1227 als im Besitze eines Ritters Kojeta und Landeswart bei Brüx erwähnt wird. Nach Erbauung der Geiersburg (1315) gehörte Sobochleben zu dieser Herrschaft und wurde  nach dem Brande der Burg (1526) Sitz der Herrschaft. 1579 kauften die Brüder  Ignaz und Albrecht Kekule von Stradonitz Sobochleben mit den Dörfern Hohenstein, Scheune (Mariaschein), Marschen und Modlan. Beide waren eifrige Protestanten. 1622 kam Sobochleben an Alexander Regnier Freiherr von Bleileben. Ansichtskarte von Sobochleben, Bez. Aussig an der Elbe
Im Dreißigjährigen Kriege hatte das Dorf viel zu leiden. Die Schweden brannten es am 31. 1. 1646 vollständig nieder und der Bevölkerung viele Unbilden zu.
Am 13. August 1648 wurde der einzige Sohn und Erbe der Herrschaft   Karl Maximilian von Bleileben durch mehrere Offiziere, die als Gäste in das Schloss (Meierhof) eingeladen waren, auf dem Wege zur Geiersburg mit seinem eigene Degen erstochen. Die Volksüberlieferung verlegt die Tat in den Garten hinter dem Meierhof neben der Reichsstraße. Der Vater Alexander Regnier starb am 27. Mai 1649 in Sobochleben. Infolge des Ablebens ihres einzigen Sohnes und des Gatten vermachte die Witwe Anna Maria von Bleileben ihren Besitz und damit auch den Ort Sobochleben der Mariascheiner Wallfahrtskirche zu Händen der Jesuiten, in deren Verwaltung er bis 1773 verblieb. Aus dieser  Mittelpunkt Zeit stammen der Meierhof, das Bräuhaus (Schloss), die Brettsäge, die Mühle und mehrere Teiche. Der Ort war nämlich früher ein der von den Jesuiten sehr geförderten Fischzucht (Füllensgartenteich, Schwarzer Teich, Rascheteich) Die Ortskapelle wurde 1795 erbaut und zum Andenken an den einstigen Besitzer von Sobochleben Regnier von Bleileben dem Heiligen Franziskus Regner geweiht.
In den Tagen der Schlacht bei Kulm (29. und 30. August 1813) vollzogen die Verbündeten von Sobochleben aus ihren Aufmarsch zur Umfassung der Franzosen bei Kulm. Nach der Schlacht wurden die Häuser Nr. 1 und 2 als Spitäler benützt. Gegenüber der Schule steht ein sehenswertes Steinkreuz, wahrscheinlich eine Arbeit des Karbitzer Steinbildhauers Jennatsch.
Die ältesten ansässigen Familien sind die Kliemann und Gierschick (Nr. 26). In Sobochleben wurde auch die Bienenzucht eifrig gepflegt.
Nach dem Dreißigjährigen Kriege waren von den 15 Häusern 4 unbewohnt. Es gab hier nur 1 Bauer und 14 Häusler. 1787 zählte der Ort 28 Nummern, 1887   61 Häuser mit 527 Einwohnern. Neben der Landwirtschaft bilden Bergbau und Industrie die Hauptbeschäftigung der Bewohner.. Nun ist der Ort und 109 Häuser mit 843 Bewohnern angewachsen. Die Schule wurde 1899 gebaut.

Josef Schütz, Katechet, Aussig

Erinnerung an Sobochleben
  Schon immer wollte ich wissen, woher der Name meines Heimatortes Sobochleben kommt. Daß er mit dem Geschlecht der Ritter von Bleileben in Verbindung stand, hatte sich überliefert, daß der Name aber schon so früh erwähnt wird, macht mich stolz.
  Vom Anfang meiner Schulzeit war ich Klosterschülerin. Schon da interessierte es mich, wie Sobochleben zu seinem Namen kam und in welcher Beziehung es zum Kloster in Mariaschein stand. Die "Domäne" von uns nur "Meierhof' genannt, gehörte zum Kloster in Mariaschein. Das war wohl den Wenigsten bekannt. Erst fern der Heimat wurde mir klar, welch Größe und Bedeutung unser "Meierhof' hatte: Große Stallungen, ein großes Gutshaus und früher sogar eine Brauerei. Das Gelände bestimmte den ganzen Ortskern. Um schneller in das Unterdorf zu kommen, gingen wir durch unseren "Meierhof' der oben und unten Tore hatte, die aber nie geschlossen waren. Der untere Ortsteil bestand aus Bauernhöfen. Dort stand auch unsere kleine Kapelle, von der aus die Prozessionen an jedem 3. Sonntag im Juni nach Mariaschein gingen.
  In guter Erinnerung ist mir ein Spaziergang mit meinem Vater durch das kleine Wäldchen zwischen Unter-Marschen und Sobochleben, von uns nur das "Büschel" genannt. In diesem steht eine Eiche (ob sie wohl noch steht?) an dieser war eine Tafel angebracht, die verkündete, daß unter diesem Baum der Sage nach der Leibknecht des Ritters v. Bleileben ermordet wurde.
  Eine besondere Erinnerung an mein Heimat-Dörfchen habe ich immer im Herbst. Wenn alles abgeerntet war, wurde das gedroschene Stroh zu einem haushohen Strohschober auf dem Gelände des Meierhofes aufgebaut, der aber jedes mal brannte. Unsere kleine Feuerwehr, der auch mein Vater angehörte, mußte sich auf die umliegenden Häuser beschränken. Mein Elternhaus stand ungefähr 300 Meter vom Brandherd entfernt. Schön war es für uns Kinder, wenn die Garben Luft bekamen und wie Raketen in die Luft schossen. Das Feuer konnte man in weitem Umkreis sehen. Tagelang rauchte und qualmte es noch. Die Ursache blieb im Dunkeln. Waren es Landstreicher, die dort nächtigten? Hat sich das dicht gestapelte Stroh selbst entzündet?
  Zum Geiersberg mit seiner Burg hatten wir Sobochlebener eine starke Beziehung, war er doch für uns Jungen und Mädchen vom Turnverein am 1. Mai immer unser Ziel, um dort die mitgebrachte "Brothucke" zu verzehren. Im Winter konnten wir von oben bis zum Erholungsheim rodeln.
  Wie schön es da oben war , konnte ich meinem Mann, der aus Stettin stammte und in der Polizeischule stationiert war, zeigen. Er ist 1946 in russischer Gefangenschaft gestorben, was ich erst 1967 durch das "Rote Kreuz" erfahren habe. Wie gerne wäre ich mit ihm nochmals zum Geiersberg gegangen.
  Am 27. Mai 1945 mußte ich als "Reichsdeutsche" die Heimat verlassen. Mich hat es nach vielen Umwegen in den Norden unserer Bundesrepublik verschlagen. Aber mein liebes Sobochleben werde ich nie vergessen.  

Josef Schütz, Katechet, Aussig

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