Spansdorf,

40 Häuser, 193 Einwohner, Eisenbahnstation Klein-Kahn, Post Böhmisch-Kahn, Filialkirche der Pfarre Leukersdorf, Schule im Orte. Spansdorf am Ausgang des Königsbachtales gelegen, ist ein altes Waldhufendorf mit 15 Hufen, von denen einige in neuerer Zeit zerteilt worden sind. Der Ort wurde wahrscheinlich von den Johannitern um das Jahr 1200 gegründet und geriet im 14. Jahrhunderte an die Herren von Wartenberg. Nach Erbauung der Burg Blankenstein gehörte er zu dieser Herrschaft, später zu Prießnitz (Schönpriesen). Zu den 15 Bauern hatten sich bis 1584  acht Häusler gesellt. Die Häuser "auf der Gemeinde" (dem Dorfanger) wurden nach dem 30-jährigen Kriege und in der Josefinischen Zeit (1780 -1790) erbaut.
Spansdorf bildete mit Schlabisch und Leißen bis 1395 einen eigenen Pfarrspiegel, wurde aber seit diesem Jahre mit Leukersdorf vereint. Die Kirche stammt aus dem Jahre 1692, die Altäre aus den Jahren 1713 und 1714.
Das Presbyterium zeigt noch gotische Formen, die Altäre sind barock. In dem neben der Kirche stehenden hölzernen Glockenhaus befanden sich alte Glocken, die größte aus dem Jahre 1522. Der Friedhof liegt noch um die Kirche herum. Bemerkenswerte Fachwerkbauten sind das Haus Nr. 11 (Paul) mit hübschen Giebel, Nr. 16 (Thiele) mit Blockhausbau im ersten Stockwerk, andere Nr. 1, 4, 6, 7, 9, 18, 38, 25, 31, 27, 28 haben im ersten Stock ebenfalls Fachwerk.
Ansichtskarte von Spansdorf, Bez Aussig an der Elbe

Die  älteste Linde im Dorfe bei Nr. 7 dürfte etwa 170 Jahre alt sein. Die alte Schule, jetzt Gemeindehaus Nr. 7, wurde 1784/85 erbaut, die neue 1879, aufgestockt 1900. Das Haus der "Volksbank Spansdorf", 1879 als Landwirtschaftlicher Spar- und Vorschußverein von Josef Umlauft gegründet, stammt aus dem Jahre 1906. Im Orte herrschte vor dem Kriege ein reges Vereinsleben. Ein Leseverein, der schon 1884 gegründet wurde, hat eine ansehnliche Bücherei geschaffen. Die Bewohner leben hauptsächlich von der Landwirtschaft. Unter den handwerklichen Betrieben ist eine zeitgemäß eingerichtete Fleischerei hervorzuheben. Die Flurnamen sind alle deutschen Ursprungs. Eine hübsche Rundsicht über die nähere Umgebung gewinnt man von dem benachbarten Schieferberg (508 m).

Schrifttum: Einzelne Aufsätze in den "Beiträgen". Eine ausführliche Ortsgeschichte von Dr. F. J. Umlauft sollte einmal gedruckt werden.

Dr. Franz Josef Umlauft, Studienrat, Aussig

Ortsverzeichnis
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  Mitglieder von Vereinen in Spansdorf
Wer kann Angaben zu nachfolgenden Fotos machen?
Um welche Vereine handelte es sich?
 
   
   
 

Zum Gedenken an Professor Dr. phil. Franz Josef Umlauft

Franz Josef Umlauft wurde am 11. Juli 1883 in Spansdorf, Bezirk Aussig an der Elbe geboren. Er besuchte das Aussiger Gymnasium und schloss es mit Auszeichnung ab. Nach dem Studium der Philologie (Deutsch, Latein und Griechisch) an der Prager Karl-Ferdinands-Universität kam er an das Gymnasium Budweis und  Prag-Weinberge, nach den Lehramtsprüfungen an das Albrecht-Gymnasium in Teschen und am 01. September 1913 an das Aussiger Gymnasium. Im Jahre 1915 dokumentierte er, ein begeisterter  Amateurphotograph, zusammen mit seinem Freund Rudolf Jenatschke (1879-1947) Ansichten aus seinem Heimatdorf. 1920 wurde er Stadtarchivar von Aussig und die Photos gelangten in das Archiv. Prof. Umlauft  ist Gründer des „Deutschen Verbandes für Heimatforschung und Heimatbildung in der Tschechoslowakischen Republik“; 1926 errichtete er die „Mittelstelle für Familienforschung“, seit 1928 „Zentralstelle für sudetendeutsche Familienforschung, Sitz Aussig“ und gab  bis 1939 die Zeitschrift „Sudetendeutsche Familienforschung“ heraus. Nach der Vertreibung bis 1950 in Bayreuth im Schuldienst, vollendete er bis 1957 sein Werk „Geschichte der deutschen Stadt Aussig“, mit dem er sich selbst ein Denkmal setzte. Die Gemeinde Spansdorf ernannte ihn zu seinem 50.Geburtstag zum Ehrenbürger. Der Nestor der sudetendeutschen Familienforschung starb am 23. Mai 1960 in Bayreuth.