Staditz,

mit 56 Häuser und 257 Einwohner liegt im Bielatal an der Einmündung des Potobaches (Radzeiner Baches) in die Biela an der Straße Türmitz -- Kosten -- Groß-Tschochau. Seehöhe 162 m. Eisenbahnstation im Orte, Post, Pfarre und Schule Groß-Tschochau.

An den Ort Staditz knüpft sich die tschechische Sage von der Herkunft seines Przemysl, dessen Nachkommen mehr als ein halbes Jahrtausend über Böhmen herrschten. Nach dieser Sage schickte die Herzogin Libuscha Boten jenseits der  Berge an den Fluss Belina (Biela), wo sie auf einem Felde einen Bauern treffen würden, der Przemysl heiße und mit zwei Ochsen ackere. Der solle ihr Gemahl und Herzog vom Böhmen werden. Przemysl sei ihrem Rufe gefolgt und habe seine Peitsche, eine Haselnußgerte, in die Erde gesteckt, die wieder grünte und Früchte getragen habe. Die Ochsen habe sein Knecht in einen Berg getrieben der heute noch Ochsenberg heißt. Um die Götter zu befragen, ob er der Berufung folgen solle,

Ansichtkarte von Staditz, Bez. Aussig an der Elbe. (Archiv HV. Aussig)

habe Przemysl mit seinem Stecken an einen Felsen geschlagen und verlangt, daß Wasser fließe. Da sei aus dem berge jener klare Quell entsprungen, der noch heute die Königsquelle heißt. In der nassen Jahreszeit stehen auf der Straße, die am Ochsenberg vorüberführt, große Pfützen braunen Wassers. Das sei die Sudel dieser Tiere, die aus dem Berge herausdringe. Der Knecht aber sei in ein Steinbild verwandelt worden, das bis zum Jahre 1716 zu sehen gewesen sei.

Die Sage von der Haselnussstaude, die aus der Peitsche des Przemysl entsprossen sei, lebte noch in der Zeit Kaiser Karls IV. (1347 - 1378). Um die Nussstaude zu erhalten, machte der Kaiser zwei Brüder und Einwohner von Staditz von ihrer Untertänigkeit frei und sprach sie auch von alles Abgaben los, unter der Bedingung, dass sie und ihre Nachkommen die Nussstaude fleißig besorgen und sämtliche Früchte zur königlichen Tafel abliefern. Dieses Vorrecht wurde von allem nachfolgenden Königen bestätigt bis auf Ferdinand III. (1637 - 1657). Bis auf das Jahr 1701 wurde die auferlegte Pflicht auch beobachtet.

Geschichtlich ist, dass Staditz ein Freidorf unter königlicher Hoheit war. König Wenzel I. (1230 - 1253) hatte die altansässige slawische Bevölkerung entfernt und die Gründe an deutsche Ansiedler gegeben, was ihm hundert Jahre später von einem tschechische Geschichtsschreiber sehr übel angerechnet wurde, weil er sich seiner Verwandtschaft mit den alten Bauerngeschlechtern des Ortes geschämt hatte. Trotz der überlieferungsgemäß gewährleisteten Freiheit war das Dorf zur Zeit Karls IV. doch in die Erbuntertänigkeit eines Heinrich von Lipa geraten. Da erhob Karl IV. drei Bauerngüter, welche aus dem Ackergute  des Przemysl entstanden waren, zu Freihöfen. Es waren die Höfe Nr. 21 (33 und 34), Nr. 22 und Nr. 26. Das sogenannte Königsfeld dürfte erst von Karl IV. geschaffen worden sein. Das Dorf Staditz gehörte in der Folgezeit zur Herrschaft Hlinai, die seit 1545 in den Händen der Brüder Christoph und Alexander von Sulewitz war. Der Letztgenannte wurde dann Alleinbesitzer und starb 1583. Seine Erben maßten sich auch die Oberhoheit über die drei Freisassengüter in Staditz an, was zu einem langen Rechtsstreite. Nach Heinrich Lipfers Grundbuchforschungen hatte Staditz vor dem Dreißigjährigen Kriege einschließlich der 3 Freibauern 17 Anwesen mit etwa 85 Einwohnern. Nach der Steuerrolle von 1654 gab es hier 9 Bauern, 2 Kleinbauern und 3 Häusler. 1787 wurden 29 Nummern gezählt.

Im Jahre 1841 ließ Graf Erwein von Nostitz als Gutsherr der Herrschaft Tschochau-Hlinai auf dem Königsfelde bei Staditz, wo nach der Sage Przemysl als Herzog von Böhmen und Gemahl der Libuscha abgeholt wurde, ein Denkmal errichten. Es besteht aus einem gusseisernen altertümlichen Pfluge, der auf einem steinernen Sockel steht, dessen Längsseiten Reliefdarstellungen aus der Przemyslsage enthalten. Sie sind vom Prager Bildhauer Josef Max entworfen und wurden in Gusseisen ausgeführt. Das Denkmal wurde am 3. September 1841 eingeweiht. Das dabei stehende Försterhaus wurde im selben Jahre fertig gestellt.

Graf Erwein Nostitz kaufte im Jahre 1842 auch den Platz um die sogenannte Königsquelle und ließ dort Linden setzen, die prächtig gediehen sind. Der Ort Staditz hat sich von 35 Häuser mit 174 Einwohner im Jahre 1833 auf den heutigen Stand (1944) von 56 Häusern mit 257 Einwohnern gehoben.

 
 
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