Tillisch,

mit 29 Häusern, 166 Einwohnern, Eisenbahnstation Tellnitz, Haltestelle der elektrischen Straßenbahn Aussig - Tellnitz, am Straßenzug Deutsch-Neudörfel - Tillisch - Kamitz, Post Aussig Pockau, Pfarre Gartitz, Schule Johnsdorf, liegt am Südfuße des 374 m hohen basaltenen Tannichberges, am Rande eines sich südlich gegen Gartitz erweiternden Beckens, das - auf oligozänen Kreidemerkeln ruhend - zuerst einen Süßwassersee bildete, sich dann aber zu einem Torfmoor umgestaltete. Dieses Moor wurde von Sanden und Letten überlagert und Bildete sich nach Senkung im Miozän zu jenen Braunkohlenlager aus, die sich bald mehr, bald weniger tief unter der Bodenfläche des Dorfes befinden (Fund einer fossilen , 30 cm langem  Sumpfschildkröte im Kohlenbergbau bei Tillisch). In der Ausweitung des Beckens gegen Ober-Arbesau wurden die

  Ansichtskarte von Tillisch

überlagernden Letten durch Gluthitze lang andauernder Brände von bloßliegenden Kohlenflözen zu harten, ziegelroten Scherben gebrannt ("Erdbrand"). Der Ort - wohl eine ursprünglich slawische Siedlung - dürfte bei Neuvermessung seiner Fluren (Umlegen nach deutschen rechte) von den umwohnenden tschechischen Nachbarn kurzweg als das Dorf des Landmessers (tschechisch Délous) bezeichnet worden sein. Von tschechischen Flurnamen tritt nur die Pudehorschke ("Unterm Berg"), Tscherkei ("Breitfeld") und Raude (tschechisch rudy = "roter Erdbrand") auf. Bemerkenswerte deutsche Flurennamen: Huben, Hubentännich, Eisengruben (Abbau von Rasen- oder Sumpfeisenerz), Glöckelfeld (der Verkaufserlös diente zur Erwerbung eines Dorfglöckleins), im Weingarten. - Die Hofreihung des Ortes bildete nach deutscher Besitznahme eine einreihige Langzeile, die sich erst nach Häuslersiedlungen seit Mitte des 17. Jahrhunderts auf der Ostseite zum zweizeiligen Straßendorfe umwandelte. Tillisch war seit alters ein Teildorf zwischen den Gütern Pockau und Schöbritz (1640 vereinigt zur Herrschaft Schöbritz), zwischen jenen von Prödlitz und Schönwald (1781 vereinigt zur Herrschaft Türmitz) sowie des Gutes Kulm. 10 Nummern gehörten zu Schöbritz, 8 zu Türmitz, 5 zu Kulm. Es war 1569 bis 1653 evangelisch und hat im dreißigjährigen wie im siebenjährigen und im Befreiungskriege 1813 durch Brände und Verwüstungen schwer gelitten. Das reiche Kohlenvorkommen in der Ortslage wurde im Jahre 1762 aufgedeckt und führte infolge anfänglichen Raubbaues zum Einsturze von Wohnhäusern. Die noch während des Weltkrieges 1914 - 1918 bewirkte Ausschöpfung der restlichen Kohlenflöze im Tief- und Tagebau führte zu Erdeinbrüchen mit schwelenden Halden.

Die Kapelle des Ortes wurde 1871 errichtet. Die Bewohner treiben Landwirtschaft, viele sind auswärts beschäftigt. Alte Fachwerkhäuser sind NR. 6, 7, 13, 14 und 16. Der den Ort überragende Tannichberg (374 m) bietet einen entzückenden Rundblick über das Mittelgebirge, über den Langzug des des Erzgebirges und ins Teplitzer Becken.

Schrifttum: AB. XVII -- 142, XVIII - 26, 54, 167. Emil Richter, Oberlehrer i. R., Aussig - Schreckenstein

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