Tschersing - Čeřeniště

Der folgende Ausschnitt wurde aus einem Mitteilungsplatt von www.severnipolabi.cz übernommen.

Zugesandt von Dipl. Ing. Vladimír Horák, Ústí n. L., 2011

TSCHERSING (Čeřeniště) - Ursprünglich eine eigenständige Gemeinde mit freier, am Bergfuß liegender, stellenweise die Hänge mehrer Bergmassive erklimmender Bebauung, durch die der obere Strom des Baches Ritina (auch Tschersinger Bach) fliesst, ist Tschersing heute ein Gemeindeteil von Malschen (Malečov) im Bezirk Aussig an der Elbe (Ústí nad Labem). Der ungewöhnliche Name lässt sich von „Fischbär" (tschechisch čeřen [Tscherschen]), einem Wurfnetz zum Fang von Wildgeflügel, ableiten. Erstmals 1407 als Czerzenitz beurkundet, gehörte sie zum Besitz der Königskrone, dann im 16. Jahrhundert von Hynek Krabice von Veitmühle, eine bestimmte Zeit zum Klosterbesitz, um dann wieder von Leitmeritz (Litoměřice) abgekauft zu werden. Anfang des 19. Jahrhunderts lebten in Tschersing 300 Einwohner in 52 Häusern, 1880 gibt es hier sogar 65 Häusern mit 324 Einwohnern. Nach dieser Blüte folgt aber nur noch eine allmähliche Senkung der Einwohnerzahl. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebt das Dorf von Obstausfuhr (Äpfel, Birnen, Stachelbeeren), das, speziell verpackt, durch das Ritinatal (Rytina soutěska) und weiter auf der Elbe nach Deutschland verfrachtet wurde. Eine weitere Quelle der Ernährung waren Rindzucht und Wiesenbau. Das Angebot an Arbeit war knapp, sodass man auch anderswo suchen musste. Wegen rauem Klima konnte man sich nicht dem Getreideanbau widmen. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die deutsche Schule vor Ort gegründet. Nach der Zerstörung des ursprünglichen Schulhauses hat die Stadt Leitmeritz 1874 ein neues errichten lassen. Das 1936 erbaute Tschersinger Kirchlein Mariä Hilf (Panny Marie Pomocnice křesťanů) gehört zu den jüngsten Sakralbauten im Böhmischen Mittelgebirge (České středohoří). Es fällt vor allem durch das nach Süden ausgerichtete Giebelportal mit vielen Verzierungen im Stil des Pseudorokoko und einem Türmchen mit dem Pyramidendach auf. In der weiteren Bebauung findet man noch hier und da Dorfhäuschen aus Holz- und Mauerwerk (teilweise Blockbohlen- oder Fachwerkhäuser) mit erhaltenen Elementen der Volksarchitektur. Die Umgebung von Tschersing ist sowohl aus naturwissenschaftlicher wie landschaftlicher Sicht interessant. Der nordwestliche Rand der Dorfbebauung tritt bis in die Verengung einer tiefen, durch den Bach gebildeten Schlucht, der nach seiner dreikilometerlangen Reise zur Elbe schnell 350 Höhenmeter verliert. Etwa 500 Meter südwestlich des Dorfes führt die Straße nach Kundratitz (Kundratice) durch den oberen Teil einer tief angelegten Erdverschiebung, wobei es durch die Rutschung der Erdmassen zur Entstehung einer hohen Felswand (Matinswand [Martinská stěna]) gekommen ist, die nach Nordwesten ins Elbtal ausgerichtet ist. Das eigentliche Erdrutschgebiet ist 1 km lang und reicht bis auf den Grund der Ritina-Schlucht. Im Ort wachsen mehrere gewaltige Linden, die als Denkbäumegeschützt sind. -

Jiří Kinský, Vitalij Marek, Petr Prášil, Jitka Volková - Leitmeritz und Umgebung auf alten Ansichtskarten - Verl. Baron (vydavatelstvi-baron.cz), Hostivice, 2005

 
 

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