Voitsdorf

hatte im Jahr 1900, 163 Häuser und 820 Einwohner, die im 13. Jahrhundert als Siedler aus Bayern und Franken aufgrund des Zinnerzfundes in Hinterzinnwald und in der Bergstadt Graupen nach Böhmen kamen und auch Voitsdorf nach dem Namen des Lokator „Voit“ gründeten. Wer nicht in den Bergwerken oder Erzpochmühlen arbeitete, war in der Forst- und Landwirtschaft, als Handwerker oder Geschäftsmann tätig. Als sich der Zinnabbau nicht mehr lohnte, erbaute man im Jahr 1880 eine Strohhutfabrik, der noch zwei kleinere folgten und die bald als „Vereinigte Stroh- und Filzhutfabriken“ ihre Hüte von 1880 - 1932 bis nach Voitsdorf im Erzgebirge, Bez Teplitz-Schönau
Übersee exportierten. Aus jeder Familie im Ort und Um­gebung war zumindest einer, in den 3 Firmen tätig. Außerdem gab es noch eine Kartonagenfabrik, die von Familienangehörigen bis 1945 geführt wurde. Der nächste Bahnhof war Mariaschein und Lauenstein.
Ab 1932 musste jedoch fast ein jeder Handwerker oder Fabrikarbeiter in einer Stadt im Tal eine Beschäftigung suchen. Dazu wurde erst 1938 ein Busverkehr nach Teplitz und einer nach Lauenstein in Sachsen hergestellt.
Zuerst führte die Salzstraße, die als Handelsweg über das Erzgebirge gedacht war von Prag nach Halle, sie ging durch Teplitz und auf der alten Poststraße über den Geiersberg, vorbei am „Goldammerkreuz“ nach Ebersdorf und von dort zum „Schwarzen Kreuz“ (beide vor 1785 errichtet), nach Müglitz und weiter nach Sachsen.
Erst 1836 wurde die Graupenbergstraße über den Mückenberg (806m) und durch Voitsdorf nach Müglitz gebaut, die nach Dresden führte. Im Jahr 1883 errichtete man im Ort eine Schule und begann erst 1912 mit dem Bau einer Kirche, die jedoch erst 1933 fertig gestellt und zur „Peter und Paulskirche“ eingeweiht wurde, jedoch 1958 von den Tschechen gesprengt wurde.
Im Jahr 1935 bekam die Feuerwehr eine Motorspritze und das Trafohaus wurde mit einem Hochspannungskabel von dem NEW Werk aus Türmitz mit Strom versorgt. Voitsdorf wurde südlich vom Mückenberg und westlich vom Kahlenberg umgeben. Die Grenzbach von Vorderzinnwald fließt in die Müglitz. Beide Bäche bilden die Staatsgrenze zwischen Voitsdorf-Müglitz in Böhmen und Fürstenau in Sachsen.
Voitsdorf hatte ein eigenes Postamt mit Fernsprechanschluss nach Teplitz, eine Bank, ein Bürgermeisteramt. Außerdem gab
es im Ort 6 Gasthäuser, 5 Kaufläden, 3 Fleischer, 2 Bäcker, 2 Textilgeschäfte, 1 Schmiede, 4 Wasserradmühlen und 20 Brücken über die Müglitzbach.

Hans Kühnel aus Ottobrunn, geb. in Voitsdorf im Erzgebirge

Dieser Bericht wurde von der Heimatbetreuerin Frau Sigrid Hickl, Niedernhausen zur Verfügung gestellt.

Voitsdorf liegt im Bezirk Teplitz-Schönau,  unmittelbar an der Grenze zum Bezirk Aussig a. E.
Ortsverzeichnis