DIE VORGESCHICHTLICHE ZEIT.

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Aus dem Buch "Geschichte der deutschen Stadt Aussig", geschrieben von Dr. Franz Josef Umlauft  .

Herausgegeben vom Hilfsverein Aussig e. V. Muenchen. - Bearbeitet von K. H. Kralowetz.

 Das Buch ist  leider vergriffen.

Bearbeitet von K. H. Kralowetz.

Die eigentliche Geschichte der Stadt Aussig beginnt mit der Gruendung oder besser gesagt mit der Erhebung des Marktfleckens Aussig zur Stadt um die Mitte des 13. Jahrhunderts, wenn gleich die erste urkundliche Erwaehnung der Siedlung mit ihrem slawischen Namen "Vsty" als eine Zollstaette an der Elbe ("super Albiam") schon aus dem Jahre 993 stammt. Den Zeitraum bis zum Einsetzen der urkundlichen Nachrichten, die sich auf die Gruendung der Stadt beziehen, koennen wir fuer unsere Gegend als die fruehgeschichtliche Zeit bezeichnen.

Auf die vorgeschichtliche Zeit kann im Rahmen dieser Darstellung nur kurz eingegangen werden, da auch darueber viel zu berichten waere. Eine "Vorgeschichte des Aussig-Karbitzer Bezirkes" schrieb Ernst Simbriger, die im Sudetendeutschen Verlag Franz Kraus in Reichenberg 1934 erschien.

Um uns eine Vorstellung vom Aussehen unserer Heimat in vorgeschichtlicher Zeit zu machen, muessen wir uns alles wegdenken, was in geschichtlicher Zeit durch die Hand des Menschen veraendert und neu geschaffen wurde. Nur die Berge und Taeler sind wie in Urzeiten stehen geblieben, auch Fluesse und Baeche haben ihren Lauf im wesendlichen beibehalten, so ferne wir nicht in ganz ferne erdgeschichtliche Zeiten zurueckdenken. So moegen wir uns in das von Menschenhand noch unberuehrte Elbetal versetzen, und zwar an jene Stelle, wo ein Flueßchen einmuendet, das man Biela - die "Weiße" - genannt hat, wie auch die Elbe mit ihrem Namen "Albis" etwas Gleiches bedeutet. Boehmen war in vorgeschichtlicher Zeit von einem maechtigen Grenzwalde umgeben, der auch die Elbe eine natuerliche Einfallstraße, auf der die Schiffe von Menschen oder Tieren gezogen wurden, so daß an einem Ufer, es war anscheinend meist das linke, ein" Trappelweg" gebahnt wurde.

Die Stelle, wo die Biela in die Elbe muendet, bot den Menschen eine Moeglichkeit, in das Hinterland einzudringen, wo man laengs der Biela und der in sie einmuendenden Baeche wieder in Taeler oder auch in ebene Gegenden gelangte. Wie die vorgeschichtlichen Funde beweisen, lagen die fruehesten menschlichen Siedelungen in den Talweitungen der Elbe, so in unserem Bezirke in Wesseln, Mosern, Nestomitz, Schoenpriesen, Waltirsche, Schwaden, Schreckenstein, in Aussig, Tuermitz, Groß-Tschochau, Hlinai, Schoenfeld, Modlan, Karbitz und Mariaschein.

Die vorgeschichtlichen Sammlungen des Aussiger Stadtmuseums, die im Jahre 1931 von Ingenieur Ernst Simbriger nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten geordnet und neu aufgestellt wurden, zeigten Funde aus der aelteren und juengeren Steinzeit, als die Menschen Werkzeuge und Waffen aus Stein herstellten und das Metall noch unbekannt war. Um das Jahr 3000 vor Christus laeßt die Wissenschaft die juengere Steinzeit beginnen, aus der schon reichlichere Funde stammen. Um das Jahr 2000 v. Chr. beginnt die Bronzezeit, die man bis zum Jahre 1000 v. Chr. rechnet. An diesen Zeitabschnitt schließt sich die aeltere Eisenzeit an (1000 bis 500 v. Chr.) Dann setzt die Zeit der Kelten ein, deren Zweig der Bojer sich in Boehmen um 400 v. Chr. ansiedelte und hier bis um die Mitte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts verblieb. Ihre Kultur bezeichnete man nach einem ersten bedeutenden Fundorte Latenèkultur, bei der man wieder drei Stufen als Frueh-, Mittel- und Spaetlatènekultur unterscheidet. Noch in der Mittellatènezeit, hauptsaechlich aber in der Spaetlatènezeit schoben sich Germanen von Norden her in unser Gebiet herein. Um das Jahr 8 vor Christus wanderten unter Koenig Marbod die Markomannen nach Boehmen ein und verblieben hier bis in die Mitte des 5. Jahrhunderts. Die letzte vorgeschichtliche Kulturstufe, die aber bereits in die geschichtliche Zeit hereinreicht, ist die Burgwallkultur, eine slawische Zeit.

Im Stadtgebiet von Aussig wurden, von der Jungsteinzeit angefangen, fast fuer alle Kulturen Funde festgestellt. In der Fundzusammenstellung, die Ernst Simbriger durchfuehrte, werden 42 Orte des Kreises Aussig genannt, die in fruehgeschichtlicher Zeit besiedelt waren. In einigen Berg- und Flußnamen haben die Sprachwissenschaftler noch Spuren der germanischen Vorzeit erkannt, doch ist nicht zu leugnen, daß ein großer Teil von Flurnamen der an der Elbe liegenden Orte aus der Zeit der slawischen Besiedelung herruehrt, die freilich nicht so dicht war wie die im spaeten Mittelalter erfolgte Besiedelung durch die Deutschen.