Waltirsche,

mit 52 Häuser und 513 Einwohner, Haltestelle der Bahnstrecke Leitmeritz - Tetschen, Post Großpriesen, Pfarre und Schule Schwaden. Von Aussig aus verkehrt die Kraftpost nach Großpriesen, man kann aber auch die elektrische Straßenbahn bis Nestomitz benützen, nach Schwaden überfahren und erreicht in 15 Minuten Waltirsche. Der Ort liegt auf einem vom Berge Radischken auslaufenden und sich allmählich verflachenden Hang, der von der Elbe halbinselartig umflossen wird. Bis auf einige Landwirte sind die meisten Bewohner Arbeiter oder Angestellte der verschiedenen Betriebe in Großpriesen, Nestomitz und Schreckenstein.
Das Dörfchen hieß früher Waltersdorf (Walteri Villa) und ist seit 1352 als Kirchort bezeugt. Im Jahre 1654 gab es hier nut 4 Bauernhöfe, von denen damals noch einer wüst lag.
1722 zählte das Örtchen 28 Einwohner, 1895  64 Einwohner. Seine Berühmtheit verdankt es der kleinen, landwirtschaftlich hervorragend gelegenen und kunstgeschichtlich bedeutsamen Kirche, deren Besichtigung allen Wandersleuten sehr empfohlen wird.

 Sie zeigt in ihren Äußeren die Merkmale der Spätgotik und beherbergt in ihrem Inneren eine Menge schöner Grabdenkmäler aus dem Ende des 16. und dem Anfange des 17. Jahrhunderts. Wie man aus einer Inschrift auf der Kanzel entnehmen kann, wurde die Kirche in den Jahren 1573 und 1574 erbaut. Aus diesen Jahren stammen der Chor mit dem Altar, das Schiff und der Turm. Die jetzige Sakristei und dei herrschaftliche Empore die von außen zugänglich ist, stammen aus dem 18. Jahrhundert. Eine Gedenktafel oberhalb des Daches der Vorhalle mit dem Salhausen- und Bünauer Wappen nimmt auf die Erbauung der Kirche im Jahre 1574 Bezug. Das Innere der Kirche ist überraschend reich ausgestattet. Der steinerne, bemahlte Hochaltar ist eine Kunstleistung der Renaissance, desgleichen die Kanzel und das Taufbecken. Höchst bemerkenswert aber sind die in der Kirche befindlichen Grabdenkmäler, und zwar des Friedrich von Salhausen auf Taschow (gestorben 1581) über der Sakristei, des Joachim von Salhausen (gestorben 1583) links vom Hauptaltar, der Anna von Salhausen, einer geboren Bünau, Mutter von fünf Kindern (gestorben 1587) auf der rechten Seite des Altars, Heinrich Abraham von Salhausen auf Groß-Priesen (gestorben 1582), neben dem rechten Seitenaltar; Hans Heinrich von Salhausen, (gestorben 1588) neben der Kanzel; das größte Grabmal ist aber das der Familie Abraham Bock an der Nordwand im Kirchenschiff, das von dem Pirnaer Bildhauer David Schwenke im Jahre 1615 hergestellt wurde. Die Decke des Kirchenschiffes wird von einer vierkantigen Säule getragen. Dadurch zerfällt der Raum wölbetechnisch in vier Teile, deren jeder von einem Kreuzgewölbe (Sterngewölbe) überspannt ist. Von den beiden Turnierlanzen, die einst zum Gedächtnisse eines sagenhaften Zweikampfes zweier feindlicher Brüder von Salhausen an der Kirchenwand hingen, ist vor etwa 80 Jahren leider eine weggekommen. Die große Glocke aus dem Jahr 1533, gegossen vom Meister Thomas in Leitmeritz wurde im Jahre 1942 abgenommen.
Die Kirche wird von dem alten Friedhofe umgeben, auf dem sich noch einige ältere Grabdenkmäler erhalten haben. Von der Friedhofsmauer aus hat man auf die Elbe und die nächste Umgebung eine hübsche Aussicht. An der Nordseite des Friedhofes befindet sich die im Jahre 1869 im gotischen Stile als Rohbauziegelbau erbaute und mit buntfarbenen Glasfenstern geschmückte Begräbniskapelle der gräflichen Familie Chotek in Groß-Priesen.

Schrifttum: Anton Tscherney, Schwaden 1894 und 1900; Beiträge 1932. S.95 ff.; Dr. Luis Stumpfe, Nordböhmische Gotik unter den Bünauern, 1935 (Dissertation). Druck Triltsch und Hutter, Berlin.
 

Ortsverzeichnis