Wannow,

mit 123 Häusern, 964 Einwohnern, Eisenbahnstation, Endstation der elektrischen Straßenbahn von Aussig, Post und Schule im Orte, Pfarre Aussig, Kirche und Friedhof im Orte liegt 142 m über den Meer. Wannow, dessen Häuser sich vom Elbufer ansteigend ausbreiten, hat eine hübsche Lage, welche durch die mit Laub- und Nadelwälder bedeckten steil emporragenden Berge im Hintergrund noch reizender wird. 200 m breit fließt die Elbe vorbei und ein Blick von der alten Straße oberhalb der Bahn täuscht uns stromaufwärts einen Alpensee vor, während uns stromabwärts der Schreckenstein und die bewaldeten Berge fesseln. Die Bewohner gehen Erwerb als Handwerker oder Fabrikarbeiter nach,

Postkarte von Wannow an der Elbe, 1939

nur zu einem geringen Teil sind sie Landwirte. Wannow war ursprünglich ein Runddorf, dessen Mitte um die alte Linde bei der Bahnhaltestelle zu suchen ist, aber durch den Bahnbau in den Jahren 1847 - 1850 wurde das Ortsbild völlig umgestaltet. Wannow ist mit Rücksicht auf seine Lage an der Elbe eine uralte Siedlung., wohl aus dem 9. oder 10. Jahrhunderte. Es war schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Seit 1350 gehörte es bis 1848 der Stadt Aussig als  Obrigkeit.

1654 hatte es 14 Häuser (13 Kleinbauern, 1 Gärtner), 1787 31 Nummern, 1887 48 Häuser mit 258 Einwohnern. 1821 wurden 88 Häuser mit 722 Einwohner gezählt. Seitdem ist der Ort wieder bedeutend gewachsen. Seit Jahren ist er der  Mittelpunkt des Wassersports (Bootshäuser). Der Verkehr nach Wannow hat auch seit der Eröffnung des gegenüberliegenden Warmbades Schreckenstein (1931) zugenommen.

Die alten Häuselbauten sind bis auf das Bauernhaus Nr. 26 und zwei alte Häuser in der so genannten Wenzelgasse verschwunden.
Seit 1939 besitzt Wannow auch ein hübsches Kirchlein. Das so genannte Löbelkreuz am Eichlerweg wurde errichtet, weil ein Bauer infolge einer Verwechslung seinen eigenen Sohn erschossen hat.

Als Besonderheit aus der Pflanzenwelt ist die alte Linde bei der Bahnstation zu nennen. Die größte geologische Sehenswürdigkeit ist der Workotsch, ein Basaltgang. Wie eine Mauer fällt er gegen die Bahn ab; von seiner Mittellinie laufen zopfartig nach rechts und links Basaltsäulen aus. An der Nordseite des Workotsch vorbei führt ein Weg zum Wasserfall des Schemeibaches, der im Winter einen schönen Eisvorhang bildet.

Im Jahre 1649 war Wannow von den Schweden besetzt. General Axel Lilie übernachtete hier. 1813 hielten sich russische Truppen auf. Sie verursachten großen Schaden.

1757 zogen die Preußen "auf der gewöhnlichen Poststraße" Elbe aufwärts. 1866 kam es zum einzigen Geplänkel in unsrer Gegend. Von der Schreckensteiner Seite wurde auf preußische Soldaten geschossen. Darauf antworteten die Preußen mit einigen Kanonenschüssen

Vom ansteigenden Eichlerweg hat man einen schönen Ausblick ins Elbetal. Durch die Wenzelgasse geht man am Finkenstein vorbei zur Workotschausicht. Man erreicht sie auch auf dem Wege zum Wasserfall. Empfehlenswert ist die Aussicht vom Abhange des Staudenberges (Weg zum Hegergrab). Von Wannow führt der schöne Niederdorfer Waldweg am idyllischen Friedhof vorbei nach Salesel.

Rudolf Geyer, Oberlehrer in Wannow

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