Wicklitz,
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mit 218 Häuser, 1806 Einwohner, liegt südlich von Karbitz, Eisenbahnstation Karbitz, Post und Schule im Orte, Pfarre Raudnig-Türmitz, Seehöhe der auf Wicklitzer Grunde stehenden Station Karbitz, 170 m.
Wicklitz liegt auf uraltem Kulturboden, wie die Finde aus der jüngeren Steinzeit (etwa 3000 Jahre vor der Zeitrechnung) beweisen. Aus der keltischen Zeit (400 v. Chr. bis etwa 100 nach Chr.) stammt ein Eisenschmelzofen, der in der Ziegelei Mattausch gefunden wurde. Nach der markomannischen und slawischen Zeit setzte etwa im 12. Jahrhundert die deutsche Besiedelung ein. Wicklitz wird zum ersten Male 1239 als kleiner Herrensitz genannt. 1417 war es bereits ein Bestandteil der Herrschaft Graupen. 1579 erwarb es zusammen mit Hottowies,
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Lochtschitz und Haberschie Hans Hora  von Oczelowitz. 1623 kam es an den Freiherrn Heinrich von Strahlendorf auf Kulm und verblieb in der Folgezeit bei dieser Herrschaft. In den Hussitenkriegen (1426) dürfte auch Wicklitz niedergebrannt worden sein. Am 25. März 1643 wurde es durch kaiserliche Truppen angezündet.
Wicklitz hatte nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges 1654 28 Häuser, von denen 6 wüst lagen. (10 Bauern, 9 Kleinbauern, 9 Häusler.) Das Gütel, das 1636 der Freiherr von Strahlendorf auf Kulm dem Markus Wachtel von Eisfeld geschenkt hatte, kaufte 1714 Graf Norbert Leopold von Kolowrat Liebsteinsky für die Kulmer Herrschaft
zurück und machte daraus den Meierhof. Zu gleicher Zeit wurde das frühere Schlößchen (Nr. 19) in eine Schenke ("Zum Morgenstern") verwandelt.
Im Siebenjährigen Kriege hatte Wicklitz durch Truppendurchzüge zu leiden. 1860 brannte fast die ganze "Bauernseite" ab. Während der Schlacht bei Kulm war im Hause Nr. 1 Graf Colloredo Mansfeld einquartiert.
Um das Jahr 1820 wurde auch in Wicklitz nach Kohle gegraben. Von den späteren Schachtanlagen wurden geöffnet: Der "Neuhoffnungsschacht" (1854), "Juli-Schacht" (1864, 72 m tief), "Milada I-Schacht", (1882 m tief), "Milada II-Schacht" (1884, 105 m tief). Diese Schächte  gehörten den Grafen Westphalen in Kulm und wurden 1891 an die Brüxer Bergbau-Gesellschaft verkauft. Der 1892 neu errichtete "Neuhoffnungsschacht"  mit einer Sohlentiefe von 109 m wurde 1924 aufgelassen. Das vom Grafen Westphalen errichtete Direktionsgebäude und die Wohnhäuser für die Bergbeamten (Nr. 59 - 67) gingen ebenfalls in den Besitz der Gesellschaft über. Durch den Bergbau wurde Wicklitz aus Bauerndorfe ein Bergarbeiterdorf.
Die Ortskapelle wurde 1790 gebaut. Der Altar, die beiden Engel und die in der Kapelle befindliche Madonna sollen von dem Wicklitzer Bildhauer Daniel Urbansky (gest. 16. 1. 1759) aus dem Hause Nr. 17 hergestellt worden sein. Dieser verfertigte auch die Statue des dornengekrönten Christus, die an der Straße von Wicklitz nach Raudnig bei Nr. 16 steht.
In früheren Jahren war der Pflaumenbaum, die Bienenzucht und auch der Weinbau bedeutend, ging aber mit dem Zunehmen des Bergbaues zurück, wofür sich aber die Gewerbe mehrten. Nach der Errichtung der ersten Ziegelei durch den Grafen Westphalen im Jahre 1843 folgten die Ziegeleien Hübsch (1849), Parton (1869), Mattausch (1882). Alle diese Ziegeleien wurden in späteren Jahren von der Brüxer Bergbau-Gesellschaft erworben und nach Erschöpfung der Lehmlager aufgelassen. Die Karbitzer Stahlhütte, 1894 von Arnolds und Kreß errichtet, steht auf Wicklitzer Grunde.
Das Wachstum des Ortes ergibt sich aus folgenden Zahlen: 1654: 22 Häuser, 1787: 33 Häuser, 1833: 35 Häuser, 1887: 79 Häuser, 1900: 111 Häuser, 1937: 218 Häuser. Die Schule wurde 1883 erbaut.

Schrifttum: handschriftliche Geschichte von Wicklitz, verfaß von Josef Rehn 1939.

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