Heimatfreunde Aussig

 

eine frühere Seite vom  Hilfsverein Aussig e.V. München  
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Veröffentlichungen der deutsch-tschechischen und deutsch-slowakischen Historikerkommission.
(Auszug aus der Broschüre "Erzwungene Trennung" von Detlef Brandes, Edita Ivanicková und Jirí Pešek) 

nach freundlicher Genehmigung von Herrn Dr. Vladimír Kaiser.    (Erklärungen und Quellennachweise am Ende diese Seite.)

Tschechische Sonderzeichen konnten leider nicht vollständig wiedergegeben werden.
 

Das Ende des Krieges und die Vertreibung der Deutschen aus dem Aussiger Gebiet. Von Vladimír Kaiser.

Zu Beginn des Jahres 1945 begannen sich die Verhältnisse in der Industriestadt Aussig an der Elbe [Ústí nad Labem] deutlich zu verschlechtern. Aufgrund der Kriegslage war bereits im Jahr 1944 das städtische Theater >1<geschlossen und die Herausgabe der letzten Titel der örtlichen Zeitungen eingestellt worden.>2< Eine verhältnismäßig bunt gemischte Bevölkerung bewohnte damals die Stadt: Zu den Alteingesessenen -annähernd 60.000 Deutsche und 3.000 Tschechen, die hier nach der NS- Okkupation geblieben waren -kamen im Laufe des Krieges sowjetische und französische Kriegsgefangene, aus Polen und der UdSSR verschleppte "Ostarbeiteter", im Zuge des totalen Krieges zur Arbeit eingesetzte Tschechen aus dem Protektorat, Slowaken, die sich freiwillig zur Landarbeit im "Reichsgau Sudetenland" gemeldet hatten, und ausgebombte Deutsche insbesondere aus Harnburg und Bremen. Zu diesen Gruppen gesellten sich am Anfang des Jahres 1945 einige Tausend Flüchtlinge vor allem aus Schlesien, die vor der Ostfront geflohen waren. Die Kommunalverwaltung konnte für diese " Volksgäste" >3< nur unter Schwierigkeiten ein Dach über dem Kopf sicherstellen; den meisten Aussiger Familien wurden zwei bis drei Familien zur Aufnahme in ihre Wohnungen zugewiesen.

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Die Luftangriffe auf Aussig am 17. und 19. April 1945

Die Überfüllung der Aussiger Wohnungen gegen Kriegsende, verbunden mit der unzureichenden Kapazität an Luftschutzräumen, forderte bei den Luftangriffen auf die Stadt am 17. und 19. April 1945 eine beträchtliche Zahl von Opfern gerade unter den deutschen Flüchtlingen aus Schlesien. Anglo-amerikanische Bomberverbände 1 versuchten damals, den strategisch wichtigen Aussiger Eisenbahnknotenpunkt außer Betrieb zu setzen. Weitere Ziele waren Gebäude der NS-Behörden und SS-Kasernen. Bis auf die Vernichtung des Gebäudes Ressource, in dem die NSDAP und die Gestapo residierten, erreichten die Luftangriffe nicht ihre Ziele. Die Eisenbahnverbindung wurde bei beiden Angriffen schon nach wenigen Stunden erneut angegriffen, herabstürzende Bomben vernichteten die gesamte Aussiger Vorstadt Oster [Ostrov] und  mehr als ein Fünftel der Wohnhäuser im Stadtzentrum. Die Verluste an Menschenleben waren beträchtlich. Bis vor kurzem schätzten wissenschaftliche Arbeiten und die  Publizistik die Zahl der Opfer der Angriffe auf 1.000 bis 2.500.>4<
Den Opfern der Angriffe wurde 1995 am 50. Jahrestag der Ereignisse eine ökumenische Messe in der Kirche Mariä Himmelfahrt unter Teilnahme des Leitmeritzer Bischofs Dr. Josef Koukly gewidmet. Zu diesem Anlass führte ich eine wissenschaftliche Untersuchung der Aussiger Matrikel durch>5<, stellte die Kontinuität ihrer Eintragungen fest wie auch die Tatsache, dass die Funde menschlicher Überreste sehr genau bis zum April 1946 registriert wurden, als die Aufräumarbeiten in den ausgebombten Objekten in der Stadt beendet wurden. In den Matrikel-Verzeichnissen sind die Angaben über die Zahl der Opfer der Luftangriffe viel niedriger 513. Ich gestehe zu, dass diese Zahl um eine kleine Anzahl einzelner Personen erhöht werden kann, die einen Volltreffer abbekamen und deren Überreste niemals gefunden wurden.>6<
409 Opfer sind mit Personendaten zu belegen. Von ihnen stammten 324 aus Aussig und Umgebung. Nach den Angaben lässt sich eine deutsche oder tschechische Nationalität schwer unterscheiden. Von den "Fremden", die identifiziert werden konnten, stellten die schlesischen Flüchtlinge die größte Zahl, und zwar 46. Der Rest entfiel auf Opfer, die aus der UdSSR (24) >7<, Frankreich (7), Litauen (2), der Slowakei (2), Kroatien (1) und Italien (1) stammten.

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Das Kriegsende in Aussig.

In Aussig kam es bei Kriegsende nicht zu Kampfhandlungen. Ende April verminte die deutsche Armee beide Elbebrücken und die Masaryk-Schleuse. Deutsche Antifaschisten- Sozialdemokraten aus der Widerstandsgruppe von Leopold PÖLZL unterbrachen am 17. Mai die Kabel, die zur Sprengladung führten, und beseitigten sie einen Tag später.
Am 7. Mai 1945 hatten ortsansässige Tschechen und einige Deutsche einen Nationalausschuss gebildet>9<, der allmählich begann, von der deutschen Verwaltung die Macht in der Stadt zu übernehmen. Der Nationalausschuss bemühte sich energisch vorzugehen, um die Initiative gegenüber einer Gruppe deutscher Sozialdemokraten zu gewinnen, mit der er seine Tätigkeit nicht koordinierte. Zu einem überraschenden Ereignis kam es am 8. Mai um 3 Uhr morgens. Die deutsche Polizei stellte sich dem Nationalausschuss völlig zur Verfügung. Vormittags erschienen Mitglieder des Nationalausschusses, um mit Oberbürgermeister Franz Czermak zu verhandeln. Czermak war bei der Verhandlung entgegenkommend, verzichtete auf die Leitung der Stadt und übergab dem Nationalausschuss das einzige funktionierende Kommunikationsmittel - den Mittelwellensender in einem Bunker im Marienfels. Um 14 Uhr erklang die erste zweisprachige Meldung, die über die Übernahme der Macht in der, Stadt durch den Nationalausschuss informierte und die Deutschen aufforderte, als Zeichen ihres Entgegenkommens weiße Bettücher aus den Fenstern zu hängen. Viel komplizierter gestaltete sich die Verhandlung mit dem NSDAP-Kreisleiter Rudolf Schittenhelm. Dieser weigerte sich prinzipiell, mit irgendwelchen Tschechen zu verhandeln und kapitulierte erst nach zweistündiger Unterredung. Kurz darauf erschoss er auf dem Berg Horka bei Kulm [Chlumec] seine Familie und sich selbst. Am 8. Mai übergaben auch Stadtkommandant Major Uhl und der Leiter der Eisenbahnverwaltung Dr. Bertsch dem Nationalausschuss die Macht.
Obwohl dieser im Laufe des 8. Mai die Kontrolle über die Verwaltung der Stadt gewann, gelang es ihm nur schwer, das wachsende Chaos in den Griff bekommen. In panischer Flucht vor den Russen durchfuhren Kolonnen der deutschen Armee und SS-Truppen die Stadt. Es kam zu Verkehrsunfällen, beschädigte Fahrzeuge verstopften die Durchfahrtsstraßen. Ein Teil der deutschen Soldaten warf seine Waffen weg. Patrouillen, die in aller Eile aus Tschechen, deutschen Sozialdemokraten und Kommunisten gebildet wurden, hatten die Lage nicht unter Kontrolle. Als die Plünderung des Bahnhofsdepots einsetzte, ersuchte der Nationalausschuss sogar den ehemaligen Stadtkommandanten Major Uhl um Hilfe, der dieser Bitte entsprach. 
Am 8. Mai durchfuhren um 14 Uhr die ersten drei sowjetischen Panzer die Stadt. Es handelte sich offensichtlich um eine Aufklärungseinheit, die nicht einmal anhielt und ihren Weg Richtung Teplitz [Teplice] fortsetzte.
Zu den ersten ernsten Exzessen kam es um gegen Mitternacht vom 8. auf den 9. Mai. Einige SS-Kolonnen durchfuhren die Stadt, deren Angehörige mit Maschinenpistolen in Fenster mit weißen Fahnen feuerten. Dabei wurden eine deutsche Frau und ein Mädchen in Herbitz [Hrbovice] schwer verletzt.>10< Am 9. Mai ließ man die sowjetischen Kriegsgefangenen aus den Lagern frei.
In der Fabrikstraße [Tovarní ulice] befand sich gegenüber der Glashütte das sowjetische Gefangenenlager "Fünfhaus". Die Insassen bewaffneten sich am Morgen des 9. Mai und besetzten ein nahegelegenes Lager mit Lebensmitteln und Militäruniformen. Sie legten die zerrissenen Reste ihrer sowjetischen Uniformen ab und zogen funkelnagelneue deutschen Marineuniformen an.>11< Seit dem Morgen kontrollierten sie durchfahrende deutsche Militärfahrzeuge und entwaffneten deren Besatzungen. Die ausgehungerten Wehrmachtssoldaten übergaben den sowjetischen Gefangenenwachen bereitwillig die Waffen. Die Gefangenen schnitten ihnen mit Rasiermessern die Hakenkreuze aus den Uniformen und schenkten ihnen Proviant.
Gegen elf Uhr durchfuhr eines der letzten Fahrzeuge der SS-Einheiten die Fabrikstraße. In der Annahme, es handele sich um ein Wehrmachtsfahrzeug, versuchte die sowjetische Wache den Wagen anzuhalten. Eine Maschinengewehrsalve war die Antwort. Die sowjetischen Gefangenen Zozulin und Pedajev waren auf der Stelle tot, der 27-jährige Ivan Fomin starb schwer verletzt in einem Aussiger Krankenhaus. Das SS-Fahrzeug beschleunigte, seine Besatzung schoß nach allen Seiten. Vor der Gaststätte Ecke Breite- und Fabrikstraße ["Na Zastavce"] in Prödlitz [Předlice ] erschoß sie den Schlesier Albert Pietrek >l2<, der vor der Front nach Aussig geflohen war und seine bescheidene Habe in einem Kinderwagen mit sich führte, sowie eine zweiköpfige tschechische Wache, die aus Antonin Janouch aus Prödlitz und Stanislav V. Krause aus Libochowitz [Libochovice] bestand.
Am 9. Mai gegen 14 Uhr erreichten weitere sowjetische Panzer die Stadt, deren Kolonne bei der Apotheke an der Kreuzung Adolf-Hitler- und Dr. Weiss-Straße (Masarykova und Londynska ulice) von Vertretern des Nationalausschusses empfangen wurde. Am späten Nachmittag trafen weitere Abteilungen der Roten Armee ein, die in der Stadt eine Kommandantur einrichteten. Diese gewährleistete die äußere Sicherheit der Stadt und respektierte völlig die Tätigkeit des Nationalausschusses.
Die Tatsache, dass die taktische Befreiung der Stadt dem bewundernswerten Einsatz und den Heldenmut einer Handvoll Aussiger Tschechen, einiger deutscher Antifaschisten sowie sowjetischer Kriegsgefangenen zu verdanken war, passte den alten Ideologen des kommunistischen Regimes nicht. Sie bemühten sich, die Befreiung Aussigs als Folge des heldenhaften Kampfes der Roten Armee mit deutschen Einheiten darzustellen und die Zahl der gefallenen sowjetischen Soldaten zu erhöhen. Im Mai 1945 war es nämlich unter sowjetischen Soldaten und Kriegsgefangenen zu mehreren Todesfällen gekommen. In Wirklichkeit handelte es sich aber um Verletzungen durch Methylalkohol, Verletzungen beim Fischfang mit Granaten, Todesfälle infolge von Tuberkuloseerkrankungen und vorherige Kriegsverletzungen sowie Erschießungen bei Plünderungen.>13<
Die sowjetische Armee blieb bis zum Oktober 1945 in Aussig. In dieser Zeit kam es zu den verschiedensten Exzessen gegenüber deutschen Zivilisten, aber auch gegenüber der tschechischen Bevölkerung. Die sowjetischen Soldaten stahlen häufig Ringe, Schmuck und Uhren. Größere und kleinere Fälle von Plünderungen und weitere Straftaten, sogar Mordüberfälle und Gewalttaten an Frauen nahmen zu und entzogen sich jeglichem Zugriff. Es handelte sich durchwegs um gewaltsames Eindringen in Wohnungen und Häuser mit Waffeneinsatz. Wenn der Besitzer sein Haus freiwillig öffnete, begründeten die Soldaten ihr Eindringen mit der Durchführung einer Kontrolle oder der Suche nach Spionen.
Meistens konzentrierten sich die Soldaten auf Gehöfte am Stadtrand und auf Einzelhöfe. Häufig zögerten die Geschädigten, einen Diebstahl zu melden. Anfangs fürchteten sie, dass die Täler zurückkehren und sie für die "Denunziation" bestrafen könnten. Erst später, als die "Russen". nicht zurückkamen, meldeten sie die Verluste und entstandenen Schäden. Die Diebe stahlen buchstäblich alles, was ihnen passte:
Kleidung und Wäsche, Bettzeug, Schmuck, Geld, Lebensmittel- und Alkoholvorräte; sie trieben Vieh fort. In Schönwald [Krasny Les] blieb im Juli 1945 von 300 Kühen nur eine übrig. Bei gründlicheren Durchsuchungen beschlagnahmten sie auch persönliche Unterlagen. Sie ließen sich auch bewaffnete Angriffe auf die Hausbesitzer zuschulden kommen, würgten und schlugen die Betroffenen und vergewaltigten Frauen. Gestohlene Sachen nutzten sie entweder selbst oder für weitere Tauschgeschäfte. Im Laufe des Sommers wurde deutlich, dass sich russische Soldaten der Überführung von deutschen Familien und ihres beweglichen Besitzes nach Deutschland beteiligten.
Weitere Straftaten begingen sowjetische Offiziere, die aus Dresden anreisten und die Herausgabe großer Mengen von Textilballen verlangten. Sie wiesen Bescheinigungen eines Generalleutnants der sowjetischen Armee aus Dresden vor. Auf Einwände, dass es um Ausfuhr gehen könne, da Aussig und seine Verwaltung im Gebiet des Marschalls Konev lägen und jene doch zum Gebiet des Marschalls Zukov gehörten, antworteten sie, dass überall russische Soldaten ständen und dies maßgebend sei.
Soldaten, die bei Plünderungen festgenommen worden waren, wurden von den sowjetischen Militärorganen bestraft, doch die meisten Fälle blieben mangels konkreter Angaben über die Täter und wegen eines beträchtlichen zeitlichen Abstands zur Tat ungelöst. In den Schriften des Bezirksgerichtes in Aussig aus dem Jahr 1945 ist eine verhältnismäßig umfangreiche Dokumentation dieser Straftaten überliefert.>l4<.

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Selbstmorde von Deutschen.

Die Niederlage des Nationalsozialismus und das Ende des Krieges bedeuteten für viele Deutsche ein schweres Trauma. Für einige verlor das Leben jeden Sinn; das Verhalten der Mitglieder der bewaffneten tschechoslowakischen Formationen und eines Teils der ersten tschechischen Siedler rief unter den Aussiger Deutschen eine massenhafte Angstpsychose vor " Vergeltung" hervor. Infolgedessen begingen Dutzende Deutsche in den ersten Tagen und Wochen nach Kriegsende Selbstmord.
Der erste Vorsitzende des Aussiger Revolutionären Nationalausschusses Frantisek Hajek schätzte die tägliche Zahl der Selbstmorde in der Stadt und der Umgebung auf zehn und mehr. Auf 267 Tote, die allein im katholischen Totenmatrikelbuch vom 9. Mai bis zum 31. Juli angegeben sind, entfielen 63 Selbstmorde von Deutschen. In die Zeit der " Wirkens" der Revolutionsgarden fallen die meisten Selbstmorde. Die Zahl war besonders in den ersten chaotischen Tagen nach der Befreiung so groß, dass die Polizei in der Stadt das Gas sperren ließ, um weitere zu verhindern.
Die Selbstmordrate unter alten und älteren Menschen stieg noch, als sich unter den Aussiger Deutschen Nachrichten über die Zustände in den Aussiedlerlagern in Deutschland verbreiteten, die von illegalen Rückkehrern verbreitet wurden. Die Gesamtzahl der Selbstmorde erreichte in Aussig die Zahl 300. In einigen fällen brachten Eltern ihre Kinder um.>15< Die eindeutige Mehrzahl der Selbstmorde von Deutschen ist nicht nur in den Martrikel-Eintragungen und Krematoriumsprotokollen genau dokumentiert >16<, sondern auch in den Akten des Bezirksgerichts aus dem Jahre 1945, wo sich als Anlagen Protokolle der Totenbeschau und zuweilen auch Abschiedsbriefe befinden.>17<

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Die Revolutionsgarden

Ein Spezifikum der Nachkriegsentwicklung im Grenzgebiet waren auch die Revolutionsgarden. In Aussig tauchten sie schon in den ersten Tagen nach der Befreiung auf. , Ein Teil ihrer Mitglieder begab sich offensichtlich mit der guten Absicht ins Grenzgebiet, um zu helfen, dessen Sicherheit zu gewährleisten. In allgemeiner Erinnerung blieben jedoch die Gardisten, die eine eigene Vorstellung von Gerechtigkeit hatten. Dies waren Abenteurer; Raub, Diebstahl und Mord an Deutschen kennzeichnen ihr, Treiben. Im Aussiger Gebiet wurden Gardisten aus Prag-Mitte aktiv, die von Mitgliedern der Widerstandsgruppe Zpravodajská brigada [Nachrichtenbrigade] geführt wurden. In Aussig entstand ein Regiment der Revolutionsgarden mit dem Namen Toledo unter dem Kommando von Oberleutnant Kás.

Etwa seit dem 13. Mai streiften bis heute nicht näher identifizierte Gruppen von Bewaffneten durch die Stadt. Viele Gardisten, die die tschechische und die deutsche r Sprache kannten und sich mit der Trikolore geschmückt hatten, führten im Namen der tschechischen Verwaltungsorgane Durchsuchungen der Haushalte und Verhöre ihrer Bewohner durch. Dabei versäumten sie nicht, nach eigenem Ermessen die Einrichtung und verschiedene kleinere Gegenstände der Eigentümer wegzuschaffen, ohne eine Bescheinigung über eine Beschlagnahme auszuhändigen. Gegen sie schritten  auch sowjetische Einheiten ein. Man wusste nicht, welche Mission diese Garden , eigentlich hatten.
Um den 19. Mai herum sendete der offizielle Prager Rundfunk einen Bericht für I die Prager Bevölkerung, dass sich Angehörige jener Familien, deren Mitglieder nach Aussig und anderen Städte abgefahren waren, am Abend am Bahnhof einfinden sollten, weil die Gardisten zurückkehrten und schwere Taschen hätten. Diese Aussage machte Alfred Piffl in seiner Chronik.>18< Erst die Ankunft von Einheiten der Tschechoslowakischen Armee aus Laun [Louny] machte dem Unwesen der Gardisten in Aussig ein Ende. Die Gardisten, dem Armeekommando unterstellt, begannen dann in Massen die Stadt zu verlassen und die Gemeinden der Umgebung zu plündern. Die letzte Aktion der Gardisten war ihre aktive Beteiligung am Massaker an den Deutschen in Aussig am 31. Juli 1945. Offensichtlich handelte es sich nicht um Angehörige des Regiments Toledo, sondern um eine nicht näher bestimmte Einheit, die kurz vor dem Ereignis mit dem Zug in Aussig eingetroffen war.      

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Das Internierungslager Aussig 1945-1947 :

Seit Ende Mai 1945 waren im Aussiger Gebiet zwei Internierungslager erreichtet worden, Schöbritz [Vseborice] und Lerchenfeld [Skrivánek]. Das Schöbritzer Lager war seit Januar 1946 ein Sammellager für die Aussiedlung, nur Lerchenfeld fungierte noch bis Ende 1947 als Internierungslager.>19<
In der sudetendeutschen Publizistik werden die Nachkriegsinternierungslager in Böhmen oft mit den NS-Konzentrationslagern gleichgesetzt bzw. vor allem auf Grund der Interpretation von Zeitzeugenaussagen als Einrichtungen zur Durchführung nationaler Vergeltung gegenüber den Deutschen bewertet.       
Die NS-Konzentrationslager hatten entweder die Funktion der Vernichtung oder eines Kerkers für Menschen, die zu langen Freiheitsstrafen verurteilt waren. In den Internierungslagern wurden Beschuldigte festgehalten, deren Gerichtsverfahren noch
nicht begonnen hatte und die zur Arbeit verpflichtet waren. Internierte, die ein Gericht (in der Regel das Außerordentliche Volksgericht in Leitmeritz [Litomerice]) zu einer Freiheitsstrafe verurteilt hatte, kehrten nicht in das Lager zurück und wurden in der Regel in normale Gefängnisse eingewiesen. Internierte deutscher Nationalität, die das Gericht für unschuldig befand oder deren Schuld gering war, wurden bevorzugt in Abschiebungstransporte eingereiht. Die durchschnittliche Dauer der Internierung betrug in Aussig vier Monate.
Im Internierungslager wurden nicht nur verhaftete Deutsche, sondern auch Tschechen, Slowaken, Rumänen, Magyaren, Jugoslawen, Zigeuner, Polen und sogar Juden eingewiesen. Zum einen wurden sie der Tätigkeit in NS-Organisationen, - Behörden und -Einheiten während des Krieges, zum anderen auch nach dem Krieg begangener krimineller und wirtschaftskrimineller Delikte beschuldigt. Zu den Nachriegsvergehen gehörten: Verabreichung von Wasser oder Obst an Transporte deutscher Gefangener auf dem Bahnhof, Sprechen mit Internierten, Übergabe von Gegenständen und Päckchen an Internierte, Heil-Rufe in der Öffentlichkeit, Geschlechtsverkehr mit russischen Soldaten, Missachtung der allgemeinen Arbeitspflicht, illegales Überschreiten der tschechoslowakischen Grenze nach erfolgter Abschiebung, Teilnahme von Mädchen deutscher Nationalität an einem Tanzvergnügen, Besuch eines Kinos, lautes Benehmen nach der Polizeistunde ( um 22 Uhr), tschechischer Besuch in der Wohnung und Kollaboration mit den Deutschen, was vor allem Tschechen betraf; nicht selten ist der Haftgrund unbekannt. Zu den Wirschaftsdelikten zählten unerlaubter Handel mit Gegenständen, Schwarzhandel mit Lebensmitteln, Diebstahl in verlassenen deutschen Wohnungen, Ausrauben von Waggons auf dem Bahnhof (unter   anderem wurde Alkohol aus abgestellten Zisternen gestohlen und an russische Soldaten verkauft), Verheimlichung von Elektrogeräten, Radios, Nähmaschinen und in  einem Fall auch die Schwarzschlachtung eines Schweines. 
Die Verhaftungen und Eskorten zum Lager führten die verschiedensten uniformierten und nichtuniformierten Militär- und Polizeiverbände, oft auch Funktionäre des Nationalausschusses durch. Errichtet wurde das Internierungslager in Aussig von der Bezirksverwaltungskommission, und später wurde es vom Bezirksnationalausschuss [okresní narodní výbor - ONV] übernommen. In den Anfängen, das heißt bis zum Winter 1945, hatte der ONV nicht genügend finanzielle Mittel zur Sicherung des Lagerbetriebs, was sich in einem drohenden Mangel an Lebensmitteln für die Internierten äußerte. Bei der Untersuchung von Beschwerden über die Zustände im Lager stellte sich heraus, dass einige Internierte nur 30 kg wogen?>20< Der Kommandant des Lagers löste den Geldmangel oft auch in der Weise, dass die Internierten selbst den Betrieb des Lagers finanzieren mußten, indem sie Summen von ihren Mark-Konten bei Aussiger Geldinstituten abhoben.
Das Personal des Lagers bestand zum einen aus Freiwilligen, die sich selbst beim Lagerkommandanten als Aufseher beworben hatten; bei diesen handelte es sich oft um Personen, die sich im Lager an den Deutschen rächen wollten. Andere Aufseher teilte das Arbeitsamt im Rahmen der Arbeitspflicht zu. Der jüngste Aufseher war 16 Jahre alt.
Das Lagerpersonal beging oft Gewaltakte an Internierten und dies nicht nur im
Lager, sondern auch bei den Arbeitskommandos außerhalb des Lagers. Schriftlich belegt sind Fälle von Vergewaltigung internierter Frauen, Mißhandlung>21<, Erpressung und Beraubung. Schwer zu belegen ist die Ermordung von Internierten. Josef Duda, der kommunistische Leiter des Sicherheitsreferates des Revolutionären Nalionalausschusses in Aussig, wurde seines Postens enthoben, weil er sich in der Öffentlichkeit mit seiner Beteiligung an Morden im Internierungslager brüstete.>22< Aus den Reihen der Internierten wird die Erschlaffung des internierten Alfred Kunert bezeugt>23, weil er sich bei einer Untersuchungskommission des Roten Kreuzes beschwert hatte, die im Herbst die Lebensbedingungen im Lager untersucht hatte. Auf dem erhalten Totenschein ist jedoch als Todesursache "Herzkachexie", d.h. Herzschwäche, angeben.>24< 
Durch die Internierungslager Schöbritz und Lerchenfeld gingen während der gesamten Zeitraums ihrer Existenz insgesamt 5.532 Personen. Bis Ende 1945 kamen  im Lager insgesamt 286 Internierte um, darunter 160 an den Folgen einer Typhus und Ruhrepidemie in den Wintermonaten. Im Jahre 1946 starben insgesamt 241 Internierte; darunter waren im Januar weitere Todesfälle wegen Typhus. Die hohe Zahl von Todesfällen wegen ansteckender Krankheiten hat die Leitung des Aussiger Krankenhauses auf dem Gewissen, die für die Internierten nur einen Isolier-Pavillon mit einer ganz und gar unzureichenden Bettenkapazität und einem krassen Mangel an Medikamenten bereitstellte. Die Internierten lagen zu dritt in den Betten und infizierten sich gegenseitig.>25< Für 1947 ist kein Todesfall nachgewiesen; zu diesem Zeitpunkt befand sich das Internierungszentrum allerdings bereits in Liquidation.

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Vertreibung / Abschiebung der Deutschen.

Das Thema Vertreibung/Abschiebung der Deutschen aus der Aussiger Umgebung wurde nach dem Jahr 1990 in einigen Diplomarbeiten, die unter der Leitung von Zdenek Radvanovský an der Aussiger Philosophischen Fakultät entstanden, ausführlich behandelt.>26<  Die Ergebnisse dieser Forschungen wurden in zusammenfassender Form als selbständiges Kapitel der Ende des Jahres 1995 erschienenen Geschichte der Stadt Aussig publiziert und sind damit allgemein zugänglich.>27< Weder die Art der Durchführung noch die Phasen des Transfers der deutschen Bevölkerung aus dem Gebiet Aussig unterscheiden sich von anderen Gegenden, noch kam es dabei zu irgendwelchen außergewöhnlichen Exzessen. Ich beschränke mich deswegen auf die Charakteristika einiger weniger gewöhnlicher Erscheinungen.
Für die Durchführung der Abschiebung der Deutschen aus dem Aussiger Gebiet ist verhältnismäßig wertvolles Quellenmaterial in den Beständen des ONV Aussig und der Nationalausschüsse der einzelnen Gemeinden des Bezirks Aussig erhalten. Die ersten Abschiebungsverzeichnisse sind bereits aus dem Juni 1945 überliefert. Es gibt sogar eine Kartothek der von den regulären Abschiebungen im Jahre 1946 Betroffenen mit genauen Personenangaben, Datum, Nummer und Richtung des jeweiligen Transportes, so dass unser Archiv annähernd 90% der Anfragen beantworten kann.
Im Unterschied zum schriftlichen Material ist für das Aussiger  Gebiet nur ein Minimum an fotografischem Material erhalten. Die Fotosammlung des Museums der Stadt Aussig umfasst nur sechs Aufnahmen. Ein Foto stammt aus dem Sommer 1945 vor der Grenze in Peterswald [Petrovice) und zeigt einen Transport von Deutschen zu Fuß sowie Militärwachen, die deren Gepäck kontrollieren. Ein weiteres Foto wurde offenbar 1946 gemacht und hält den Einstieg der Aussiedler in Kohlenwaggons im Beisein von Soldaten der tschechoslowakischen Armee fest. Von den übrigen Aufnahmen, die im Museumsregister mit Abschub der Deutschen in den Jahren 1945- 1946 beschriftet sind, halten drei vom Dach eines Nachbarhauses fotografierte Bilder eine große Ansammlung von Personen vor dem Aussiger Hauptbahnhof fest. Die letzte Aufnahme zeigt die Abfahrt des Zuges in Richtung Sachsen. Bei der Beschaffung des Bildmaterials zur Geschichte der Stadt Aussig bekam ich die vom Aussiger Fotografen Josef Friedrich angefertigte Originalrolle des Filmnegativs in die Hände, dessen Analyse ein überraschendes Ergebnis brachte.
Auf der Rolle gibt es eine Aufnahme vom Brückenplatz mit weißen Fahnen in den Fenstern etwa vom 9. Mai. Darauf folgen die erwähnten Aufnahmen von der Menschenansammlung und schließlich von der Abfahrt des Zuges. Der Film endet mit einem weiteren Blick auf den Brückenplatz, die Fahnen sind schon aus den Fenstern zurückgezogen, doch ist die Straße voller Trümmer von Militärfahrzeugen. Der Fotograf Friedrich war im Jahr 1945 gut mit Filmmaterial versorgt und machte fast alle Dokumentaraufnahmen von den Ereignissen des Jahres 1945. Anzunehmen ist, dass er die Fotos kurz hintereinander schoss. Die Aussiger Deutschen fuhren in Güterzügen vom Hauptbahnhof ab, und zwar ohne irgendeine Militärwache, nur im Beisein von Sanitätern des Roten Kreuzes. Aus den Gepäckstücken auf den Aufnahmen ist zu schließen, dass es bis dahin keine Beschränkungen in Bezug auf deren Zusammensetzung und Gewicht gegeben hat. Aller Wahrscheinlichkeit nach zeigt Friedrichs Foto als einzige Quelle den freiwilligen Abzug von Deutschen aus Aussig nach Sachsen, der sich zwischen dem 10. und 20. Mai ereignete. Wahrscheinlich handelte es sich um Menschen, die vor der vorrückenden Front aus den deutschen Ostgebieten geflohen waren. >28< Schriftliche Unterlagen zu diesem Vorgang gibt es nicht.                                    
Ende Mai führten Revolutionsgarden die ersten Deportationen der deutschen Bevölkerung aus Aussig durch. Die Art der Deportation war laut Augenzeugen außerordentlich grausam. Wachen der Revolutionsgarden fuhren mit einem Lastwagen auf den Hof eines Wohnblocks, klingelten an verschiedenen Wohnungen und befahlen ihren Bewohnern (Frauen, Rentnern, Kindern), augenblicklich auf den Hof und auf die Ladefläche des Wagens zu steigen. Auf dem Hof spielende Kinder wurden einfach zu den Erwachsenen geladen, ohne Rücksicht darauf, ob sie zur Familie der
Erwachsenen gehörten oder nicht (in einem Fall wurde auf diese Art auch ein tschechisches Kind aufgeladen). Der Wagen fuhr auf dem kürzestem Weg zur Grenze. Dort lud man die Insassen aus und befahl ihnen den Abmarsch "Heim ins Reich". Die Deportierten durften weder Lebensmittel noch Kleidung mitnehmen >29<
Seit dem 4. Juni 1945 wurden regelmäßige Transporte nach Sachsen durchgeführt, zu denen es in der Regel Namensverzeichnisse gibt. Gemäß einer erhaltenen Instruktion durften die Deportierten 30 kg persönliche Sachen und Lebensmittel für drei Tage haben. Die Frist zum Verlassen der Wohnungen wurde auf höchstens 15 Minuten festgelegt. >30<! Trotz der Proteste sowjetischer Militärorgane wurden auf diese Weise bis Ende 1945 etwa 30.000 Aussiger Deutsche ausgesiedelt. >31<
Im Herbst 1945 fuhren die ersten Schiffe mit deutschen Antifaschisten die Elbe hinab. Diese hatten sich freiwillig zu den "ANTIFA-Transporten" gemeldet, mit der Absicht, in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands den Sozialismus aufzubauen. Sie konnten die gesamte Wohnungseinrichtung einschließlich z.B. ihrer Musikinstrumente mit sich führen.>32< In einigen Fällen versuchten deutsche Antifaschisten zurückzukehren. In den Protokollen über illegalen Grenzübergang sagten sie aus, dass sie in der sowjetischen Besatzungszone Angst um ihr Leben gehabt hätten, denn dort "herrschen unter den wohlwollenden Blicken der sowjetischen Offiziere die alten Nazis weiter">33<
Zu einer weiteren Welle von Transporten kam es erst im April 1946, als auch die amerikanische Zone die Vertriebenen aus Aussig annahm. Die Gesamtzahl der deutschen Einwohner, die aus dem Gebiet Aussig ihre Heimat verlassen muß1en oder freiwillig gingen, betrug nach den im Stadtarchiv Aussig erhaltenen Quellen ins gesamt 50.905 Personen.>34< .

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Die Explosion des Munitionsdepots in Schönpriesen [Krásne Bresno]
und das Massaker an der deutschen Bevölkerung am 31. Juli 1945 >35<

Obwohl das Aussiger Massaker am 31. Juli 1945 in seiner Dimension nicht zu den größten Gewalttaten gehört, die auf unserem Gebiet nach dem Krieg begangen wurden, ist es offensichtlich das medienwirksamste. >36< Ich versuche eine kurze Rekapitulation der Ereignisse:
Dienstag, 31. Juli um 15:30 Uhr: Explosion des Munitionsdepots in Schönpriesen. Die Serie der Detonationen dauerte mindestens 20 Minuten. Unmittelbar bei der Explosion kamen in Schönpriesen mindestens 27 Personen ums Leben, einige Dutzend wurden verwundet. In der Umgebung der Explosion entstanden sehr große Materialschäden, im benachbarten Kabelwerk zerstörte die Explosion dort deponierte Flugzeugmotoren.
Dienstag, 31. Juli um 15:30 Uhr: Einige Sekunden nach der ersten Explosion begann parallel im Raum vor dem Hauptbahnhof, auf dem Platz der SA [Mirove námesti bzw.námesti Dr. Benese], auf dem Brückenplatz und auf der Edvard-Benes-Brücke ein Massaker an der deutschen Bevölkerung. Auf der Brücke kamen mindestens 18 Personen deutscher Nationalität, vor dem Bahnhof, auf dem Brückenplatz und auf dem Marktplatz mindestens 24 Personen um, deren Leichen am 1. August im Theresienstädter Krematorium eingeäschert wurden; in Schreckenstein [Strekov] wurde eine Person deutscher Nationalität erschossen. Die Gesamtzahl der Opfer des Massakers an deutschen Bewohnern Aussigs ist nicht niedriger als 43, wird aber in Wirklichkeit auf 80 bis 100 Personen geschätzt. Sie sind nicht alle in den Aussiger Matrikeln bzw. im Melderegister erfasst. Ihre Zahl präzisiert die Eintragung in das Buch des Theresienstädter Krematoriums >37< und ein Namensverzeichnis, das im Firmenarchiv der SETUZA a.s. hinterlegt ist >38<                                                                                  
Mittwoch, I. Oktober 10:00 Uhr: Ankunft der Untersuchungskommission der Regierung, geführt von General Ludvik Svoboda und Innenminister Václav Nosek. Die } Kommission war nicht in der Lage, die Ursache der Detonation zu ermitteln. Dennoch interpretierte General Svoboda die Explosion einseitig als Werk des "Werwolfs". Auf einer Pressekonferenz im Hotel Palace erklärte Minister Nosek. zum Massaker an den deutschen Einwohnern:
"Wir müssen hart sein, aber Unschuldige dürfen nicht leiden! Wir dulden nicht, dass die Straße wütet, sondern wir bemühen uns darum, dass alles seinen planmäßigen Gang unter Mitwirkung unserer Sicherheitsorgane im Interesse unseres Volkes und der Republik nimmt.            
General Svoboda drückte seine Zustimmung zum Massaker an deutschen Einwohnern aus:
Es ist notwendig, ein- für allemal mit der fünften Kolonne abzurechnen und wir können; uns dabei die Sowjetunion zum Vorbild nehmen, die die einzige war, die dies in diesem  Krieg klar machte: Als Beispiel führe ich den Fall der deutschten Wolga-Republik an, wo  eines Nachts einige Dutzend deutsche Fallschirmjäger abgeworfen wurden. Als alle von den dortigen Deutschen versteckt und auf eindringliche Aufrufe der Roten Armee nicht ausgeliefert worden waren, kam es dahin, dass diese deutsche Wolga-Republik 48 Stunden nach der letzten Aufforderung aufhörte zu existieren und niemals mehr  existieren wird. >39<
Das bisher neu aufgefundene tschechische Archivmaterial und die Aussagen tschechischer Augenzeugen>40< erlauben es, die einseitige Interpretation des Aussiger Massakers durch das sudetendeutsche Schrifttum einige Maßen zu entmythologisieren. Zum einen beweisen sie, dass zufällig anwesende Aussiger Tschechen sich bemühten, den Opfern der Gewalt zu helfen, die übrigen deutschen Mitbürger warnten und versuchten, soweit es ihnen möglich war, mit den Behörden eine Verbesserung der Lage auszuhandeln. Der einzige uniformierte Verband, der sich bemühte, in der Stadt Ruhe und Ordnung herzustellen, war die tschechoslowakische Polizei aus den gerade entstandenen Abteilungen des°Korps der Nationalen Sicherheit°. Die Täter des Massakers waren nachweislich keine Aussiger Tschechen, vielmehr handelte es sich um Angehörige der Revolulionsgarden, Soldaten der Svoboda-Armee, Rotarmisten und eine Menge vor dem Massaker nach Aussig gekommener Zivilisten, die nach den beim Feuerwehrbecken auf dem Platz skandierten Losungen eine ziemlich hasserfüllte Haltung gegenüber den Aussiger Tschechen einnahmen. >41<J
  Dann ist es vor allem nötig, die Zahl der Opfer des Massakers wesentlich zu reduzieren.>42< Die Toten, die am Bahnhof erschlagen wurden, auf dem Brückenplatz oder im Feuerwehrbehälter ertränkt wurden, wurden beim Eisenbahnviadukt am Brückenplatz auf einen Haufen zusammengelegt und am frühen Abend mit einem Lastwagen zum Theresienstädter Krematorium abtransportiert, Ihre Zahl überstieg nicht 24. 17 Angestellte der Schichtwerke ereilte der Tod auf dem Weg zur Arbeit über die Benes-Brücke. Einen weiteren toten Deutschen aus Schreckenstein geben die Schreckensteiner Toten-Matrikel an. Das Protokoll einer außerordentlichen Tagung des Stadtnationalausschusses am 31 . Juli enthält einen Vermerk über die Erschießung eines Deutschen am Brückenbogen, der nach der Explosion das Dritte Reich hochleben ließ.>43<
  Außer ihnen kam dort eine nicht näher festgestellte Zahl anderer Personen deutscher Nationalität ums Leben. Nach den Naturgesetzen tauchten die Ertrunkenen aus Aussig nach drei Tagen ungefähr in der Gegend von Pirna an der Wasseroberfläche auf. Bei der Durchsicht der Toten-Matrikel der Ufergemeinden und Städte auf der sächsischen Seite wurden in dem kritischen Zeitraum etwa 80 nicht näher identifizierte Tote festgestellt, die von der Elbe angeschwemmt worden waren. >44< Dabei musste es sich jedoch nicht um Opfer des Aussiger Massakers handeln, sondern unter ihnen können auch Opfer der Todesmärsche am Ende des Krieges und weitere Personen sein, die im Mai J 945 umgekommen waren. >45< Die Zahl der Opfer des Aussiger Massakers beträgt also nach den angeführten Tatsachen zwischen 43 und 100 Personen.         
 Im Falle des Aussiger Massakers ist jedoch nicht die Zahl der Opfer entscheidend. Auch wenn jedes Kriegsende zu einer Radikalisierung des militanten Nationalismus führt, der von Gewalttätigkeiten begleitet wird, ist es ein unbestreitbares Faktum, dass das Massaker, das sich in der demokratischen Tschechoslowakei ereignete, eine grobe Verletzung der Demokratie darstellte.
  Die Entmythologisierung des Aussiger Massakers in Bezug auf die Zahl der Opfer brachte jedoch eine viel unangenehmere Feststellung. Der Verlauf des Massakers vor dem Aussiger Bahnhof, wo das Morden einige Sekunden nach der ersten Detonation begann, ohne dass die Täter feststellen konnten, was überhaupt geschehen war>46<, kann belegen, dass die Explosion des Munitionslagers in Schönpriesen das Signal zur Durchführung des Massakers darstellen konnte, welches unabhängig an drei Orten einsetzte - beim Bahnhof, auf der Benes-Brücke und auf dem Friedensplatz [Mirove námesti]. Die von der zeitgenössischen tschechoslowakischen Propaganda angeführten "erregten Geschädigten", denen die Explosion ihre Gewerbe und ihren gerade zurückerstatteten Besitz zerstört hatte und die es den "Deutschen heimzahlten, konnten zur Zeit des Massakers weder den Umfang der Schäden feststellen noch ermessen, was überhaupt geschehen war. Darüber hinaus ist nirgendwo belegt, dass sich Tschechen Schönpriesens an dem Massaker beteiligt hätten.
  Die Explosion des Munitionsdepots erklärte die zeitgenössische Propaganda als einen eindeutigen Beweis dafür, dass die Deutschen die Tschechoslowakische Re- publik immer und ewig mit Sabotageaktionen schädigen würden, falls sie nicht aus der Tschechoslowakei abgeschoben würden. Das Aussiger Massaker schadete zugleich dem Ansehen der demokratischen Tschechoslowakei im Ausland beträchtlich. Es zeigte der Welt jedoch auch überzeugend, dass Tschechen und Deutsche niemals dazu fähig wären, in Frieden zusammenzuleben, und dass es, wenn sie nicht voneinander getrennt würden, weiterhin zu ähnlichen unmenschlichen Taten kommen würde. Das Aussiger Massaker konnte, falls es inszeniert wurde, den Politikern als zusätzliches Argument für die Durchsetzung eines baldigen Termins für einen Transfer der Deutschen aus der Tschechoslowakei auf der gerade laufenden Potsdamer Konferenz dienen.
  Im letzten Absatz bin ich auf das sehr dünne Eis historischer Hypothesen geraten. Als Archivar sollte ich mich rigoros an die historischen Quellen halten und nicht einen Schritt weitergehen. Dennoch erlaube ich mir, auf eine weitere logische Konstruktion hinzuweisen, eher als Anregung zur Orientierung der Forschung von  Kollegen, die andere Möglichkeiten zum Quellenstudium zur Verfügung haben als ein Regionalarchivar .
  In den Jahren 1990 bis 1995 reagierten auf meine Auftritte in den Medien über die Aussiger Ereignisse vom 31. Juli 1945 brieflich verschiedene, oft auch nicht professionelle Forscher aus dem Gebiet der Luftfahrtgeschichte. Immer wiesen sie mich auf die Talsache hin, dass die Explosion des Munitionsdepots in Schönpriesen in der benachbarten Kabelfabrik ein Lager mit etwa hundert Motoren des Typs DB 605 der Firma Daimler-Benz für Jagdflugzeuge des Typs Messerschmitt BF 109 G-14, die auf dem Gebiet des Protektorats fertig gestellt worden waren, vernichtet hat.
Diese Flugzeuge, die nach dem Krieg Bestandteil der Ausrüstung der Tschechoslowakischen Armee wurden, wurden im Herbst 1946 provisorisch mit völlig ungeeigneten Motoren des Typs Jumo 211 F und Luftschrauben des Typs Jumo VS II ausgestattet, die ursprünglich für die He III -Bomber bestimmt gewesen waren und von denen nach dem Krieg auf unserem Gebiet genügend übriggeblieben waren. Die Messerschmitts Bf 109 mit den Jumo 211 F-Motoren, von der tschechoslowakischen Armee als S-199 (C-210) bezeichnet, hatten schlechte Flugeigenschaften vor allem beim Start und bei der Landung, waren bei den Piloten sehr unbeliebt und wurden von ihnen inoffiziell als "Mezek (Maulesel). beschimpft. I m Jahre 1948 wurden sie an den Staat Israel verkauft.>47<
  Unter Berücksichtigung dieses Hintergrundes stelle ich zum Schluss eine ziemlich ketzerische, aber nicht ganz unlogische Frage in den Raum. Standen nicht in erster Linie hinter der Explosion des Munitionsdepots in Schönpriesen und dem folgenden, mit größter Wahrscheinlichkeit in Aussig am 31. Juli 1945 inszenierten Massaker an der deutschen Bevölkerung, die Interessen britischer oder amerikanischer Flugzeugproduzenten, die ihre Überproduktion auch in der Tschechoslowakei absetzen wollten, die im Krieg ihren Flugzeugpark verloren hatte, und wollten sie der Tschechoslowakischen Armee die Verwendung des im Land gebliebenen deutschen "Trophäen"-Materials erschweren? Nach dem Ende eines jeden Krieges pflegt nämlich die Rüstungsproduktion in der Regel schwer verkäuflich zu sein.
Erklärungen und Quellennachweise.
>1< Am letzten Tag, dem 9.Juli 1944, wurde die Operette "Schön ist die Welt" von Franz Lehar gespielt.
>2< Die Elbetalzeitung, das Presseorgan der NSDAP für die Kreise Aussig und Leitmeritz  (Litomesice ), wurde Ende Dezember 1944 eingestellt.
>3< Eine im Protektorat inoffiziell gebräuchliche Bezeichnung für die deutschen Flüchtlinge vor der herannahenden Front.
>4< So z.B. R. Lencová (Zivot pod nacistickou nadvládou [Ein Leben unter NS-Herrschaft]. In: Cestou k socialismu; Ústí nad Labem, 60) spricht von schätzungsweise 1.500 Opfern. F. Toman    (Nalety nad Ústí nad Labem, Chlumec a Telnici za drohé svetove války [Luftangriffe auf Aussig, Kulm und Tellnitz im Zweiten Weltkrieg]. In: Ústecký sbornik historicky 1983, 399-410]  erwähnt die zeitgenössische Schätzung von 1.000 -1.200 Opfern. F.J. Umlauft (Geschichte der deutschen Stadt Aussig. Bayreuth 1960, 727-732) nennt keine Zahl. Eine Namensliste der Opfer wurde anläßlich des 50. Jahrestags der Bombardierung veröffentlicht. Siehe Zpráva o leteckych ná1etech na Ústí nad Labem a okoli v letech [Bericht über die Luftangriffe auf Aussig und Umgebung in den Jahren] 1944-1945 Ústí nad Labem 1995.
>5< Amt des Stadtbezirks Nr. 1 Aussig-Stadt, Matrikel-Abteilung, Totenbücher des Standesamtes 1945, Totenbücher der römisch-katholischen und der evangelischen Kirche 1945-1946.
>6< Beispielsweise mündliche Zeugenaussage von Vladimir Kaiser sen. (1922-1985), der beim Angriff am 19. April 1945 nach einem Volltreffer im Raum vetruse [Ferdinandshöhe] einen Mitschüler verlor.
>7< Zu dieser Zahl müssen weitere 44 unbekannte Russen hinzugefügt werden. Andere nicht  identifizierte Opfer unterscheiden die Matrikel nicht nach Nationen. ~ .
>9<  Ein vorläufiges Resümee der Erkenntnisse zum Verlauf des Kriegsendes in Aussig bietet- KAISEROVÁ, Kristina und Vladirnír KAISER: Dejiny rnesta Ústí nad Labern [Geschichte der Stadt Aussig. Ústí nad Labem 1995, 215f (Die komplette Geschichte Aussigs steht auch im Internet zur Verfügung: http://mag-ul.cz).
>8<  TOMAN, Frantisek: Odbojová skupina Bohumil Bachury ÚVOD-Krusnohori v Ústí nad Labem (Die Widerstandsgruppe von Bohumil Bachura OVOD-Erzgebirge in Aussig an der Elbe). In: Ústecky sborník historický [Aussiger historische Sammlung] 1983, 365-398, bes. 386f. Archiv der Stadt Aussig, Sammlung Zeitgenössische Dokumentation, Protokoll über die Aktion zur Rettung beider Elbebrücken in Aussig.
>10< Ein Protokoll dieser Ereignisse in: Intolerance. Cesi, Nemci a Zidé na Ústecku 1938-1948 (Intoleranz. Tschechen, Deutsche und Juden im Aussiger Gebiet 1938-1948). Ústí nad Labem  1998, 60-63.
>11< Bei der Exhumierung der Gräber von I. Fomin, V. Zozulin und A. J. Pedajev im Jahre 1980  wurden auf ihren Gebeinen Überreste deutscher schwarz-blauer Marineuniformen gefunden. Siehe Dejiny mesta Ústí nad Labern 219.
>12< Das Protokoll über die Erschießung von Albert Pietrek ist ebenfalls in der Edition Intolerance enthalten.     
>13< Vgl. die Übersicht über sowjetische Soldaten und Kriegsgefangene, die von Anfang Mai bis  Ende 1945 in Aussig starben, in Dejiny rnesta Ústí nad Labern 219-221 .

>14< vgl. eine Zusammenfassung der Straftaten von Soldaten der Roten Armee im Aussiger Gebiet in: Intolerance 64-70.

>15< Vgl. Protokolle über einige dieser Morde und Selbstmorde intolerance 107 -110
>16< Totenbücher der Standesämter, die bürgerlichen sowie solche einzelner Kirchen aus den Jahren J 945-1946 sind in der Matrikel-Abteilung der Behörde des Stadtbezirks 1 Aussig-Stadt hinterlegt, für andere Matrikel-Bezirke des Aussiger Bezirks in den zuständigen Matrikel-Abteilungen städtischer Behörden oder Gemeindeämter Krematoriumsbücher aus den Jahren 1945-1946 sind in der Verwaltung des Krematoriums Schreckenstein (Strekov) deponiert.
>17<Archiv der Stadt Aussig, Bestand Kreisgericht in Aussig 1924-1949, Inv.-Nr. 208, Angaben über Verbrechen und Delikte (Tv), Kanons 78-82
>18< PIFFI, Alfred Kronika mesta Ústi nad Labem (Chronik der Stadt Aussig] (1938-1945) Das Original-Manuskript liegt im Archiv der Hauptstadt Prag.
>19< Archiv der Stadt Aussig, Bestand ONV Aussig 1945-1986, Internierungslager 1945-1947. Im Jahre 1994 bearbeitete diesen Bestand im Rahmen seiner Diplomarbeit HRAZDIRA, Jifi Intemacni tábor Ústí nad Labem 1945-1947 [Das Internierungslager in Aussig 1945-1947 ], vervielfältigt. Ústí nad Labem 1994 (deponiert auch in der Bibliothek des Stadtarchivs Aussig) Eine Zusammenfassung wurde publiziert in HRAZDIRA, Jirí  und Vladimir KAISER: Internierungslager in Aussig In Odsun: Die Vertreibung der Sudetendeutschen.Begleitband zur Ausstellung. München 1995, 193-202.
>20< Siehe intolerance 99-106
>21< Vgl. Protokolle zu diesen Fällen cbd
>22< dejiny mesta Ústí  nad Labem 224
>23<Persönliche Mitteilung von Kunerts Verwandter Gertrud Jirausch aus Aussig                                                                                    
>24> Stadtarchiv Aussig, Bestand ONV-Aussig 1945-1986, Karton 491.
>25< persönliche Mitteilung von Dr Edith Offermann, geb. Nitsch aus München, die 1945-1946 im Interniertenpavillon als Krankenschwester arbeitete.
>26< Zu den bibliographischen Angaben und ihrer Zusammenfassung RADVANOVSKY. Zdenek: Zur Vertreibung und Aussiedlung der Sudetendeutschen aus dem Grenzgebiet Nordwestböhmens in die sowjetische Besatzungszone Deutschlands in den Jahren 1945-1946. Slavogermanica I. Acta Universitatis Purkynianae. Ústí nad Labem 1993.
>27< Dejiny mesta Ústí nad Labem 229-234.
>28< Die Fotografie ist abgebildet in Dejiny mesta Ústí nad Labem 231 f. und in RADVANOVSKÝ: Vertreibung und Aussiedlung
>29<Persönliche Mitteilung von Sonja Cvancarová
>30< Die Weisung ist publiziert in: Intolerance
>31< Siehe Dejiny mesta Ústí nad Labem 232
>32< Persönliche Mitteilung von Walter Novak aus Dresden und Emil Werner aus Stockdorf bei München.
>33< Stadtarchiv Aussig, Bestand OVN Aussig 1945 - 1946, Karton 7. 351-356
>34< Siehe Dejiny mesta Ústí nad Labem 234
>35< Die bisherigen Erkenntnisse zu diesem Ereignis sind zusammengefaßt in KAISER, Vladimir Nove pohledy na udlilosti v Ústí nad Labern 31. cervence 1945 ( Neue Sicht auf die Ereignisse in Aussig am 31.7.1945) In: Cesi a Nemci -historicka tabu Tschechen und Deutsche - historische Tabus. Sbornik pripevkü konference Jihlava III (Sammlung der Beiträge zur Konferenz in Iglau III) Hrsg. von der Bernard Bolzano-Stiftung und der Ackermann-Gemeinde Praha 1995, 224-229 (deutsche Version 230-236) und vor allem in Dejiny mesta Ústí nad Labem  227-229
>36< In den Jahren 1991 bis 1997 wurden im Stadtarchiv Aussig zum Thema des Massakers Dokumentationsreihen von etwa zehn tschechischen und ausländischen Fernsehgesellschaften gedreht. Über die Art der verschiedenen Arbeiten siehe KAISER, Vladimir Nekolik poznámek k filmu Pavla Schnabela "Die Brücke von Aussig". -(ZDF, 16. 1. 1996, 22 15 Uhr) (Einige Anmerkungen zu Paul Schneiders Film "Die Brücke von Aussig) in: Cesi a Nemci -cestou dialogu (Tschechen und Deutsche -Wege des Dialogs) Sbornik prispevku konference Jihlava V, 1996 (Sammlung der Beiträge zur Konferenz in Iglau, Mai 1996] Hrsg. von Bernard Bolzano-Stiftung und der Ackermann-Gemeinde. Praha 1996, 158-162 (deutsche V~rsion 162- 168)
>37< Deren Edition siehe Intolerance 81
>38< Deren Edition siehe Intolerance 77f
>39< Stadtarchiv Aussig, Sammlung der Regionalzeitungen, predvoj (Vorhut vom 4. 8. 1945
>40< Die wichtigsten tschechischen Zeitzeugenaussagen sind abgedruckt in Dejiny mesta Ústí nad Labem 2281". Aus der historischen Bewertung der Aussagen deutscher Augenzeugen (die publizierten in:  Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ostmitteleuropa ( Bd. IV 1957) und die nicht veröffentlichten in Sudetendeutsches Archiv München - Sammlung Tusch) ergibt sich,  bis auf eine Ausnahme (Aussage von Alois Ullmann in PAUL, Ernst: Lidice- Bmo - Ústí nad Labem.  Mista ceského a nemceckeho utrpeni (Orte tschechischen und deutschen Leides) Praha1990, 6-9 Hier wird aber irrtümlich der 30. Juli als Datum des Massakers genannt) um subjektiv  tragische Aussagen, aber in der Regel nicht um solche von Augenzeugen handelt. Diese Aussagen sprechen von den Ereignissen des Massakers aus zweiter Hand" Die Urheber des Massakers hatten nämlich mit der Frage: "Bist du Tscheche oder Deutscher?'" die Nationalität zufälliger Zeugen kontrolliert. Falls ein Zeuge  nicht schlagfertig genug auf die Frage in tschechischer Sprache reagierte. Wurde auch er ein Opfer.
>41< Nach der schriftlichen Zeugenaussage von Marie B (1924) forderte die skandierende Menge beim Feuerwehrbecken die Vertreibung aller Tschechen, die während des Krieges in Aussig gelebt hatten, innerhalb von 24 Stunden. Siehe Dejiny mesta Ústí nad Labem 228
>42< Sudetendeutsche Publizisten geben 800 bis 8000 Opfer an. 
>43< Siehe, lntolorance.
>44< Laut einer persönlichen Mitteilung des Leiters des Stadtmuseums in Pirna, Dr. Manfred Hickmann.
>45< Angeblich besetzten Einheiten der Revolulionsgarden im Mai 1945 Schönau, wo sie genesende deutsche Kriegsverletzte massakrierten, die sich in den örtlichen Erholungsheim  befanden .Dabei sollen die Leichen einiger der Opfer in die Elbe geworfen worden sein. Die Revolutionsgarden sollen einen Teil Schönau bis Dezember 1945 gehalten haben, bis sie von der Roten Armee vertrieben wurden. Zu diesem Ereignis sind keine schriftlichen Quellen bekannt.
>46< Von zwei Brennpunkten des Massakers, vor dem Hauptbahnhof und auf dem Platz  nimmt der mächtige Marienfelsen den Blick auf den Ort der Explosion. Die Urheber des Massakers konnten also nicht genau feststellen, was überhaupt passiert war,  Sie hörten nur eine Serie von Detonationen und fühlten die Folgen der Druckwelle. die im Stadtzentrum Fenster zerstörte. Von der Brücke, auf der ebenfalls ein Massaker stattfand gab es einen direkten Blick auf den Ort  der Explosion.
>47< HELLEBRAND, K.. und V. RADINA: Chel ha avir. Jzraelské letektvo [Die israelische Luftwaffe) Cheb 1994, 21-23.

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