Heimatkunde aus dem Bezirk Aussig an der Elbe

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Die Besitzer von Kleische

Ausschnitte aus dem Heimatbuch 3. Teil, "Bilder aus der Geschichte des Stadtteiles Kleische" von Eduard Wagner. Erschienen 1927

Die genaueren Besitzverhältnisse im 14. Jahrhundert sind noch im unklaren.
Urkundlich gehörte Kleische den Johannitern. Ihr einst so großer Besitz war auffallend rasch zusammengeschmolzen. Im Elbetal unterhalb Aussigs gehörte ihnen kein Dorf mehr; der große Wald, den ihnen König Wladislaw 1169 bestätigt hatte, war in anderen Händen; auf Herbitz saß Heinrich von Mühlen, ein Lehensmann deren von Kolditz auf Bilin und Graupen, und auf Kleische.

a) Anna von Kolditz.
Wann sie das Gut Kleische übernommen hat, ist nicht festzustellen. Es ist nur eine Urkunde vorhanden, in der Heinrich von Neuhaus, der Grandprior des Ordens, am 17. Juni 1418 nachträglich bekennt, dass er der Anna von Kolditz die Dörfer Predlitz, Kleische u. a. auf Lebenszeit für 265 Schock überlassen habe.
Die Familie Kolditz stammte aus dem benachbarten Meißen und nannte sich nach der an der Zwickauer Mulde gelegenen Stadt Kolditz. Sie war nach Graupen gekommen, hatte dort den Bergbau zu hoher Blüte und sich zu großem Reichtum gebracht.
Timo der Erste war bereits im Jahre 1330 Herr der Lehensherrschaft Graupen.
Timo der Zweite wurde am 17. März 1368 öffentlich mit dem Meißnerischen Besitz (Stadt Kolditz und 52 Dörfer) belehnt. Zur Herrschaft Graupen gehörten 1380 außer Graupen die in unserer Gegend gelegenen Dörfer Karbitz, Türmitz, Dubitz, Ebersdorf, Schöbritz, Herbitz. Einzelne waren als Afterlehen an Edelleute vergeben, die im Dienste derer von Kolditz standen.
Anna von Kolditz, Witwe von Timo II. von Kolditz auf Graupen, übte 1418 und 1423 noch das Besetzungsrecht an der Predlitzer Pfarrkirche zu St. Laurenz aus, dann hören wir nichts mehr von ihr.
In den Wirren der Hussitenkriege, die Orte und Herrschaftsverhältnisse zerstörten, wurde das Gut Kleische, das gleich Aussig großen Schaden erlitt, herrenlos. Diesen Zeitpunkt benütze

b) Johann von Wartenberg
auf Blankenstein, dessen Besitz an einen Teil des Gutes Kleische grenzte, und bemächtigte sich seiner.
Er behielt es bis 1454. Am 7. Feber d. J. musste er dem Könige die sieben Johanniterdörfer herausgeben, weil er deren rechtmäßigen Besitz nicht nachweisen konnte. Aus der diesbezüglichen Urkunde erfahren wir auch die Namen der 7 Dörfer genau; es waren Lewina (Lieben), Rodysina (Gratschen), Kliše (Kleische), Předlice (Predlitz), Uzezd (Böhmisch Neudörfel, Habrovice (Johnsdorf) und Zbanov (Bohna).
C. Jahnel weist (Prag. Mitt. 1900, S. 58) besonders darauf hin, dass nach der erwähnten Urkunde bloß vier von den sieben Dörfern Zins zahlten - zu Galli 52 1/2 Schock Groschen, zu Ostern Eier, zu Weihnachten Hühner. Drei zinsten nicht; sie waren wahrscheinlich im Hussitenkrieg zerstört worden. E. Richter (Beiträge z. Heimatkunde d.A.K.B. 1921, S. 20) ist der Ansicht, dass drei Dörfer, die ihrer Zinspflicht nicht nachzukommen vermochten, Kleische, Predlitz und Böhm.-Neudörfel waren, die in unmittelbarer Nähe des Schlachtfeldes auf der Bihana lagen, niedergebrannt wurden und wohl für lange wüst geblieben sind.

Es hat den Anschein, dass König Ladislaus, bzw. Georg von Podebrad die den Wartenbergern entzogenen Güter nicht den rechtmäßigen Besitzern, d. i. den Johannitern, zurückgegeben hat, sondern sie als heimgefallenes königliches Lehen betrachtet und in Teilen weiter vergab.

Hierbei kam das Rittergut Kleische mit Lieben und Gratschen an Bernhard Glatz von Althof, aber jedenfalls nur als persönliches Lehen, das nach dem Tode des Inhabers wieder an den König zurückfiel.

Tatsächlich sind 20 Jahre nach Bernhards Tode die 7 Dörfer wiederum als königliches Lehen im Besitze der Johanniter. Sie beeilten sich, den ihnen von König Ferdinand zurückgegeben Besitz schnell in klingende Münze umzusetzen und verkauften ihn. Über diesen Verkauf ist eine Urkunde vorhanden. Sie wurde am 10. Oktober 1547 in die Landtafel eingelegt. Wir entnehmen ihr: Der Grandprior und der Konvent der Mutter Gottes auf der Kleinseite bei der Brücke verkaufen mit Bewilligung König Ferdinands ihr Lehensgut, die Dörfer Przedlicze, Klysse, Hawrowiecze, ?aniow, Augezdecz, Hradessin, Lowni mit dem Teil des Berges, der Barek heißt, mit dem Flusse bei Predlitz, der Mühle in Predlitz und der unter Bokau, welche die Markowische heißt, mit dem Patronat von St. Laurenz (bei Herbitz) dem

c) Jarosch Kölbel von Geysing
und seine Erben für 1750 Schock Groschen. König Ferdinand entließ das Gut aus der Lehenspflicht und machte es zu einem freierblichen.
Damit war der letzte Rest des ehemals so ausgedehnten Johanniterbesitzes in der Umgebung Aussigs aus den Händen des Ordens gekommen. Wie es nun zugegangen ist, dass Kleische neuerdings im Besitze der Familie Glatz von Althof erscheint, konnte bisher nicht festgestellt werden. Jahnel berichtet den auffallenden Umstand, dass die Eintragungen in den Aussiger Stadtbüchern von 1550-1565 den Johann Glatz nicht als Besitzer des Gutes "auf Kleische", sondern nur als "in Kleische" wohnhaft bezeichnen, während doch sein Sohn Adam erklärt, er habe das Gut von seinem Vater ererbt und auch am 9. April 1565 als "auf Kleische" sitzend bezeichnet wird.
Vielleicht hat auch Johann das Gut direkt für seien Sohn erworben. Übrigens muss Kleische ein Teildorf gewesen sein, denn Otto Kölbel auf Kulm besaß dort, zur Lebenszeit des Adam Glatz, bereits in den Jahren 1572 und 1574 Untertanen.
(Im Stadtbuch II, S. 184, ist unter dem 29. Oktober 1572 eingetragen: Eine Anzahl von Personen von Aussig, Bensen, Sandau i. a. O. bekennen, dass ihnen Otto von Kölbel als Erbherr Ihres verstorbenen Vetters und Ohms Gregor Hoch "zu Kleisch" auf Fürbitte aus dessen Nachlass 50 kleine Schock ausgezahlt hat. - In dem Vertragbuche 9 ist zu finden: 1574, 8. Oktober, Nicol Diele zu Kleische erscheint auf Nachlassung und im Beisein Kölbels in Aussig vor Gericht.)

d) Die Glatz von Althof

waren die einzigen Besitzer Kleisches, die im Orte selbst wohnten; deshalb soll diese Familie etwas eingehender betrachtet werden.
Woher sie stammte, ist nicht nachweisbar. Es sind darüber wohl mancherlei Ansichten ausgesprochen worden, doch reichen sie nicht über das Gebiet der Vermutungen hinaus. Zu Anfang des 15. Jahrhunderts finden wir die Glatz in Graupen ansässig, wo sie sich an dem Wiederaufbau der 1429 von den Hussiten zerstörten Stadt in hervorragender Weise beteiligten.
Der Vertreter der Familie war zu jener Zeit Hans Glatz, der in dem ältesten der vorhandenen Stadtbücher von Graupen oftmals genannt wird. Er muss ein tüchtiger Hauswirt und ein kluger Geschäftsmann gewesen sein, dem die allgemeine Not der Zeit nichts angetan hat; er erwarb wichtige Berggerechtigkeiten, kam zu Reichtum, machte sich von zeitweiligen Schulden rasch wieder frei und vermochte sich selbst, aber auch anderen zu helfen.
Wir finden ihn bald als Zeugen, bald als Schiedsrichter, bald als Vormund, bald als Schöppen der städtische Gerichtsbank.
In seinem Testamente, das 1444 in das Stadtbuch von Graupen eingetragen wurde, stiftete er ein "ewig Seelengerät", d. i. eine Seelenmesse, alljährlich zu lesen in der Pfarrkirche zu Graupen und setzte dafür ein Seifenwerk (Erzwerk) unterhalb der Stadt zum Pfand. Dem Spittal in Graupen überwies er die gewiss bedeutende Summe von 100 Schock Groschen gleichfalls zu einer Seelenmesse.
Zu seinem Besitzstande gehörten Mühlen und Hütten oberhalb und unterhalb Graupens, wie auch an der Müglitz dem kleinen Wasser, das vom Ebersdorf nach Sachsen fließt, woran die Graupner ihre Pochwerke und Schmelzhütten hatten. Als da, wo heute Altenberg steht, neue Zinnlager entdeckt wurden und der Bergbau großen Umfang gewann, beteiligte sich Hans Glatz neben anderen Graubner Familien eifrig an der Gründung des neuen Ortes; denn zu seinem Besitztum gehören nun auch "etliche Teile, Hütten und Mühlen auf dem Altenberg".

Von besonderer Bedeutung für den Namen des Geschlechts wurde die Erwerbung jenes Vorwerkes, das auf dem Wege von Graupen nach Mariaschein auf der "Blöße" lag und der "Alte Hof" oder "Althof" genannt wurde. Es war eine kleine Burg, die zur Befestigung gehörte und im Jahre 1429 den Hussiten zum Opfer fiel. Einige Jahre später ist der Althof im Besitze des Martin Hengst aus Graupen, der ihn von dem Herrn Graupens, Albrecht von Kolbitz, gegen einen jährlichen Grundzins erworben und einigermaßen wieder aufgebaut hat.
Als der alte Martin Hengst gestorben war, kam der Hof an dessen Söhne Lorenz und Peter; diese traten ihn an Hans Glatz ab. Im Stadtbuche (I, S. 585) ist unter dem 24. Juli 1452 eingetragen, dass Hans Glatz die beiden Brüder zur Gänze bezahlt hat.
Aus dem Mitgeteilten können wir ersehen, dass das Leben des Herrn Hans Glatz gesegnet war, wenngleich manchmal auch schlimme Zeiten mit den guten wechselten. Er hatte 5 Kinder.
Die erst Frau, deren Name bisher nicht zu ermitteln war, schenkte ihm einen Sohn, Georg, und zwei Töchter, Apollonia und Elsa; die zweite Frau, Katharina, gebar ihm die Söhne Hans und Lorenz. Der alte Glatz, starb im Jahre 1450. - Am 13. August des genannten Jahres erschien die Witwe Katharina und verglich sich vor der "gehegten Dingbank" mit dem Stiefsohne Georg und ordnete das Besitzverhältnis der anderen vier noch unmündigen Kinder. Georg Glatz trennte sich von der Familie, wohnte allein in einem Hause neben der Pfarrei, förderte fleißig Zinn in seinen Bergteilen, bestellte mit Vorliebe seinen Garten, saß im Schöppenstuhle der alten Bergstadt und machte sich seinen Nachbarn als Pate, Bürge, Zeuge, Vormund u.s.w., nützlich. Er hinterließ keine Nachkommen. Katharina, die Witwe blieb und weiterhin kurz die "alte Glatzin" genannt wurde, bewohnte den Althof und erzog ihre Kinder in der Furcht des Herrn.
Die älteste Apollonia, heiratete später den Herrn Buschek von Sullowitz, die jüngere Else, vermählte sich mit Siegmund Burgsdorf; der Erste war in Böhmen, der Zweite in Sachsen begütert. Beide Verbindungen brachten Unfrieden in die Familie Glatz. Im Jahre 1468 erscheint der Sohn Hans großjährig. Einige Zeit danach erhielt die Familie eine besondere Auszeichnung. Auf dem Reichstage in Regensburg - 1471 - fertigte Kaiser Friedrich III. für die Brüder Georg, Hans und Lorenz Glatz und der ehelichen Leibeserben einen Wappenbrief aus, mit dem die Genannten in den erblichen Adelsstand erhoben wurden. Sie erscheinen von da an mit dem Zusatze "von Althof" und zeigen sich als wohlachtbare Mitglieder des reichsdeutschen niederen Adels.

 Das Wappen (Hof- und Staats-Archiv Wien de annis 1471-73) selbst, das der kaiserliche Brief ausführlich beschreibt, ist außerordentlich merkwürdig: Auf einem weißen Schilde befindet sich ein grün-gelbes, bärtiges Gesicht mit geschlossenen Augen, um die Stirn eine weiße fliegende Binde; an jeder Seite von den Ohren auf je ein rot ausgetaner Flug. Der Helm ist mit einer roten und weißen Helmdecke geziert, aus ihr entspringt ein gelb-behartes Brustbild in Weiß gekleidet, mit grünem Angesicht, fliegenden Binden und Flugen. Es ist sehr zu bedauern, dass alle näheren Angaben über die Ursachen der Standeserhöhung, wie über die Bedeutung des Wappens abhanden gekommen sind. Die weiße Binde und das grün-gelbe Gesicht lassen die Vermutung zu, dass sich ein Vorfahr der Glatz in den Türkenkriegen besondere Verdienste erworben hat. Das Wappen ist auf der Grabplatte des Bernhard Glatz an der Außenseite der Stadtkirche erhalten.

Als Lorenz, der jüngste Spross der Familie, mündig geworden war, schloss er mit seinem älteren Bruder Hans am 29. Juli 1474 einen Vertrag, nach welchem sich beide gegenseitig ihr Hab und Gut verschrieben für den Fall, dass einer oder der andere sterben sollte; Frau Katherina, deren Besitz bisher mit dem der Söhne vereinigt war, erhielt ihren Teil in eigener Verwaltung, die Töchter hatten ihre Mitgift erhalten, somit schienen die Verhältnisse auf beste geordnet. Trotzdem kam es in der Folge zu allerlei langen Streitigkeiten.

Georg Glatz, nunmehr von Althof,

hatte mit seinem Nachbar, dem Stadtpfarrer, wegen verschiedener Bauveränderungen mancherlei böse Auftritte; schließlich verkaufte er das Haus, ein paar Monate vor dem großen Stadtbrande vom 11. September 1479, baute sich ein neues, verkaufte es 1485 ebenfalls, ging dann auf eine Romfahrt, kehrte wohlbehalten zurück, saß 1487 noch einmal im Graupner Ratsstuhle, muss aber bald danach gestorben sein, weil sein Name nicht mehr genannt erscheint. In dem Testamente vom Jahre 1485 setzte er seine einzige Tochter namens Rosa zur Erbin des Vermögens ein.

Apollonia, die Schwester Georgs, starb frühzeitig und ihr Anteil an dem Glatzischen Vermögen überging an ihren Mann Buschek von Sullowitz und dessen Bruder und Vetter. Diese hatten aber für den Bergbau kein Verständnis und beeilten sich, den Besitz zu veräußern. Dagegen erhoben die anderen Mitglieder der Familie Glatz selbstverständlich Einspruch; es kam zu Streitigkeiten, die erst 1483 ihren Abschluss gefunden haben.

Elsa, die zweite Schwester Georgs, verlor ihren Mann Sigmund Burgsdorf bereits 1472, verheiratete sich zwei Jahre später mit Siegmund Küchenmeister, schenkte ihm einen Sohn Johann und schied 1480 aus dem Leben. Auch dieser Zweig der Familie spielte keine Rolle mehr.

 
Hans und Lorenz Glatz von Althof teilten 1483 die elterlichen Güter innerhalb des Graupner Gerichtes so, dass jeder die Hälfte vom Althofe und die Hälfte von den Bergwerken als sein Eigentum gebrauchen sollte; dann suchte jeder für sich sein Glück, was auch bald erreicht war.
Die Erträgnisse der Zinnwerke müssen sehr bedeutend gewesen sein, denn schon anfangs 1485 ist Lorenz Herr auf Rothenhaus im Erzgebirge und Hans ist 1487 an Lehensträger der Burg Schreckenstein samt Zubehör. Er vermählte sich mit Katharina von Mühlen (Melyn), der Tochter eines der Teilbesitzer von Türmitz.
Auch Lorenz war verheiratet, doch lässt sich der Name seiner Gattin nicht mit Sicherheit feststellen. Hans, soll weiterhin als Hans II. bezeichnet werden, erwarb am 5. Feber 1499 das Haus (Nr. 103) des Nickel Meißner am Ring in Aussig, an der Ecke der Kirchengasse gelegen, und ließ es für den Fall seines Todes seiner Frau Katherina verschreiben. (Urkundlich der Stadt Aussig Nr. 354, S. 167.) Tatsächlich blieb dieses Haus bis 1622 im Besitze der Familie Glatz von Althof und ihren Erben der Kölbel von Geysing.

Im Jahre 1490 finden sich die Brüder Hans II. und Lorenz in Aussig ein und zwar als Zeugen in einem Sühnevergleich vor dem Aussiger Gerichte. Hänsel Richter, des Hans Diener, hatte einen Mann aus Dux namens Andreas Hanzmann erschlagen. Nach dem Sühnevertrage musste Hänsel Richter 5 Schock Schwertgroschen zahlen - wofür Hans Glatz die Bürgschaft übernahm - Seelenmesse lesen und ein Steinkreuz vor dem Teplitzer Tote setzen lassen. (Urkundenbuch Aussig Nr. 324, S. 153.) Außer dem Hause erwarb Hans II. noch andern Besitz in Aussig.

1501 wurde ihm der Besitz der Bielamühle, die er um 300 Schock vom Bäcker Benesch gekauft hatte, verbüchert. Im Kaufvertrage wird er noch als Herr "von Schreckenstein" benannt. 1505 erscheint Hans II. als Bürge für zwei Aussiger, da heißt er aber bloß "von Althof", der Schreckenstein war um diese Zeit wahrscheinlich schon im Besitze eines anderen.

1506 vergleicht er sich mit seinem Sohne Albrecht und dessen Frau Marianne in einem Vertrage, nach welchen er beiden Anteile an der Bielamühle zusichert. (Aussiger Stadtbuch I., 211.)

1510 wird bei einer Gerichtsverhandlung ein Zeuge angeführt: Heinrich, ein Schäfer des Hans Glatz; daraus läßt sich entnehmen, dass Hans II. Landwirtschaft betrieben hat.

Das letzte Schriftstück, das den Namen Hans II. trägt, ist eine Vollmacht für seinen Bruder Lorenz vom 7. Jänner 1512. Im selben Jahre ist er verstorben. Außer dem bereits genannten Sohne Albrecht hinterließ er noch einen Sohn namens Bernhard.

Diese beiden bilden die neue Geschlechtsfolge derer von Althof, denn Lorenz von Althof, der seinen älteren Bruder Hans II. überlebte, hatte bloß eine Tochter Anna, welche er in dem Testamente vom Jahre 1516 zur Erbin von Rothenhaus einsetzte. Durch sie kam dieser Besitz dann an die Herren von Weitmühl. Von ihm wird lobend berichtet, dass er den Bürgern von Görkau das Ausschenken von Weißbier bewilligte, sie von der Verpflichtung des Heuhebens und Getreideschneidens befreite, die Bewilligung eines Jahrmarktes vermittelte und schließlich die Erlaubnis zur Befestigung der Stadt herbeiführte. (Bernau, Rothenhaus. Erzgeb. Ztg. 1891.)

Zur Zeit der Brüder Albrecht und Bernhard war die Familie Glatz noch immer im Aufstiege.

Wenn auch die beiden wertvollen Besitzungen Schreckenstein und Rothenhaus in andere Hände gekommen waren, so dürfen wir keinesfalls an eine Verarmung der Familie denken, weil sie schon 1522 ein noch bedeutenderes Gebiet erwarb, die Herrschaft Geiersberg. Der neues Besitzer, Bernhard Glatz von Althof auf Geiersberg, zog sich aus Graupen mehr und mehr zurück. Er scheint an dem Bergbau keine besondere Freude gefunden zu Haben, denn er verkaufte einen Teil des Graupener Besitzes um den anderen. Dafür erwarb er ein Rittergut in der Nähe Aussigs, Kleische mit dem Dörfern Lieben und Gratschen dann ein Haus in Rosental bei Graupen, das er für den Fall seines Todes seiner Frau Anna von Sullowitz verschrieb. Aus seinem Leben ist nichts Näheres bekannt geworden er verschied schon 1524 und hinterließ vier Kinder Magdalena, Burghard, Hans und Siegmund. Sein Grabstein in Aussig gibt als Sterbezeit das Jahr 1542 an, doch es muss hier irrtümlich Versetzung der beiden letzten Ziffern vorliegen, denn nach dem Stadtbuche von Graupen (I. S. 412) war er 1525 bestimmt schon tot.

Albrecht Glatz, der Bruder des Bernhard, war mit einer Marianne (von Nedwidkow) vermählt und scheint in Aussig gelebt zu haben. Sein Name wird 1510 genannt, da zahlt er an Siegmund von Maxen eine Schuld ab; im selben Jahr pfändete er wegen Schulden den dem Bielamüller Wagen, Pferde und Betten. 1511 verfasste er sein Testament, in dem er sein Haus bei der Gasse, die zur Kirche führt, seiner Frau Marianne und seinen Kindern zu gleichen Teilen, jeder außerdem seinen Wein- und Hopfengarten bestimmt. (Aussiger Stadtbuch I 250, 253, 255.) Er scheint noch länger gelebt zu haben, doch ist weder ihn noch über seine Nachkommen irgend eine Nachricht zu finden.
Mit dem Nachnamen Bernhards beginnt der Abstieg der Familie. Es waren drei Söhne da: Burghard, Hans III. und Siegmund sowie eine Tochter Magdalena, welche sich mit einem Kapler von Sullowitz vermählte. Die Söhne führten den Namen "auf Geiersberg", Hans III. außerdem noch den Zusatz "und Kleische". Sie Hatten nicht viel Glück. Dem Jüngsten, dem Ritter Siegmund Glatz von Althof, stieß das Unglück zu, durch einen unvorsichtigen Büchsenschuss die Burg Geiersberg in Brand zu setzen, dass sie in Feuer aufging.
 Weitere Ausschnitte aus "Ein Heimatbuch" Eduard Wagner
1803 wurde Kaplan Michael Ferdinand Illing  Dechant in Aussig
1803 fand man auf den Grundstücken von Josef Ritschel und Josef Alter in dem benachbarten Predlitz Braunkohlen.
1803 brachte wiederum eine böse Teuerung. Die Landesregierung musste, um die Bewohner vor Ausbeutung zu schützen, den Getreidepreis festsetzen.
1806 lies Wenzel Petschenke an dem Wege nach Aussig ein steinernes Kreuz errichten.
1810 verstarb Kaplan Michael Ferdinand Illing in Aussig
1813 wurde Kleische von den Franzosen mit Plünderungen heimgesucht, wobei der Meierhof in Flammen aufging
1815 begann man mit dem Baue der sogenannten Kaiserstraße von Aussig nach Arbesau und legte sie im Kleischbachtale, also über Kleische Gewerbegebiet nach Bokau, Schöbritz u. s. w. an
1826  ließ die Herrschaft die Straße von der Patzenschenke nach Kleische anlegen.
1827 wurden in Predlitz neue Kohlenflöße aufgefunden.
1830 am 25. Mai und in der Nacht vom 18. zum 19. Dezember
1833 wüteten in der Gegend fürchterliche Stürme, durch die an den Häusern und in den Wäldern viel Schaden geschah.
1834 wurde der herrschaftliche Meierhof an List verpachtet. - Das Jahr war sehr warm und trocken; es gab wenig Obst und wenig Futter. Dafür gedieh der Wein gut. Da trat plötzlich eine Menge Raupen auf, die waren von der "Waldstroh-Nachteule" und schädigten das Erträgnis.
1835 ließ Graf Josef von Westphalen, der Besitzer Kleisches, an der Kunststraße nach Arbesau, dort wo der Kleischer Weg einmündet, eine Ziegelei erbauen. Das dazu benötigte Wasser entnahm er dem Kleischbach durch einen neuangelegten Kanal. Die Aussiger sahen sich durch die Verminderung des Wassers in ihrer eigenen Wasserleitung geschädigt und erhoben Einspruch dagegen. Sie richteten aber nichts aus, weil der Plan des Herrschaftsbesitzers "hochortig" bestätigt wurde.
1836 Der sehr trockene Sommer des Jahres 1835 und der sehr strenge Winter verursachten im Jänner und Feber 1836 eine große Mahlnot. Die Leute mussten ihr Getreide auswärts - bis in Tetschen - mahlen lassen. Die Kälte dauerte bis in den Mai hinein, dass Obst- und Weinblüten erfroren.
  In den 40er Jahren verbreitete sich auch im Kleischer Gebiete der Anbau des Luzerner Klees; die Dreifelderwirtschaft hörte nach und nach auf.
1848/49 wurde das Untertan-Verhältnis aufgehoben, Kleische wurde eine freie, selbstständig verwaltete Gemeinde.
1850  wurde der erste aus 8 Personen bestehende Gemeindeausschuss gewählt, aus dessen Mitte Herr Anton Schmidt aus Nr. 3 als erster Gemeindevorsteher hervorging. Im selbe Jahre lagen Teile des 35. Infanterei-Regiments (Keverhüller) und Feldjäger als Grenzschutz in Kleische.
1857 wurde die chemische Fabrik des Österreichischen Vereins für chem. und met. Produktion an der Gemeindegrenze errichtet.
1858 brannte infolge eines Wetterschlages die Wirtschaft Nr. 5 ab. - Der Anbau der Zuckerrüben wurde eingeführt und bald auf das Eifrigste betrieben.
1859 nahm der einst so bedeutende Weinbau in Kleische ein Ende. Die Weingärten hatten sehr gute Lagen, teils am Abhang des Kleischer Berges, teils an der Holomirsche. Wie verbreitet der Weinbau war, geht auch daraus hervor, dass im 1. Grundbuche nicht weniger als 39 Käufe, bzw. Verkäufe von Weingärten eingetragen sind. Die Weinbauern hatten das Recht, den erzeugten Wein selbst auszuschenken. Sie einigten sich dahin, dass einer für alle dieses Geschäft besorge, das in der Hauptsache als "Mostausschank" von der Weinlese an bis zu Neujahr ausgeübt wurde.
1861 vorgenommenen Gemeindewahl wurde Franz Melzer aus Nr. 16 Vorsteher und blieb bis 1867.
1865 brannten die Wirtschaften Nr. 27 und 29 ab.
1866 lagerten Teile des 36. Inf.-Reg. (Würtemberg) in Kleische. Später gab es Durchmärsche des preußischen Militärs. Die Entschädigungen für die geleisteten Lieferungen wurden zur Herrichtung der Kapelle verwendet.
  Von 1867 - 1873 bekleidete Franz Wunsch aus Nr. 18 das Amt des Vorstehers.
1868 zerstörte ein Sturm die Scheuer von Nr. 8.
1870 wurde die Camphor-Fabrik Buschbek errichtet.
1872 brannte die Wirtschaft Nr. 2 ab, im Jahre
1873 ging die Wirtschaft Nr. 1 in Flammen auf, wobei der Besitzer Vinzenz Schmidt verbrannte und auch die benachbarte Scheuer von Nr. 3 vernichtet wurde.
1873 begann der Bau der Glasfabrik. In den folgenden Jahren wurde eine größere Anzahl neuer Fabrikanlagen geschaffen. Siehe Aussig I u. II
1873  trat Anton Haftstein Aus Nr. 4 das Amt des Vorstehers an und behielt es bis
1876 dann wurde Anton Grohmann aus Nr. 2 gewählt.
1880 wurde Kleische in den Aussiger Postbestellbezirk einbezogen. Der Briefkasten erhielt an dem Hause Nr. 2 seinen Platz
1882 übernahm Josef Wunsch das Vorsteheramt.
1884 erfolgte der Ausbau der Straße nach Aussig. Die Wirtschaft Nr. 13 und die Scheuer von Nr. 14 fielen einem Brande zum Opfer.
1885 erfolgte die Wahl des Josef Schmidt Nr. 21 zu Vorsteher. - Der Weg  gegen Predlitz wurde ausgebaut. - Die Bautätigkeit nahm zu; in den folgenden Jahren wurden viele Neubauten im Kleischbachtale, in der Flur gegen Prödlitz und an anderen Orten errichtet. Die Ortsteile wurden auch daraufhin mit Namen bezeichnet, z. B. Aussiger Straße, Pockauer Straße, Mühlstraße.
1888 überging die Würde des Vorstehers an Wenzel Mattausch Nr. 20.
1889 wurde zur Gewinnung des benötigten Trinkwassern bei der Kapelle ein Brunnen angelegt. Im selben Jahre kaufte die Stadtgemeinde Aussig von A. Haftstein (Nr. 4) 12 Joch Grundstücke um 17.000 fl. zur Anlage eines neuen Friedhofes. Der Plan der Stadt konnte nicht zur Ausführung gebracht werden. Dafür erwarb Aussig im folgenden Jahre,
1890 von Amalia Schwarz, geb. Walke, die ganze Wirtschaft Nr. 5 um 20.000 fl. Die Gebäude verkaufte sie an den Meierhofsbesitzer Graf von Westphalen; von den Grundstücken benützte sie die auf dem Schäferberg gelegenen zur Errichtung des Kommunalfriedhofes, der der im Jahre
1892 vollendet und der Benützung übergeben wurde. Er dient auch für die Kleischer als Beerdigungsstätte. Die Gemeinde Kleische übernahm für die neue Anlage keinerlei Verantwortung. Aussig hatte die Polizeiaufsicht im Friedhofsgebiet selbst zu besorgen und die Zufahrtsstraße herzustellen. Die auf dem Friedhofe erbauten Häuser wurden zu Aussig nummeriert .
1890 erwarb der Graf von Westphalen die Wirtschaft Nr. 14, verkaufte sie aber 1898 mit dem Meierhof an die Stadt Aussig.
  Diese errichtete 1903 auf den günstig gelegenen Feldern die Stadtgärtnerei, die sich anfangs mit der Blumen- und Baumzucht beschäftigte, dann aber, 1908, die Obstanlage am Kleischer Berg und in der Prödlitzer Flur schuf. Während der Kriegszeit, 1916, kam der Gemüsebau in Aufnahme, der bis 1921 im großen betrieben, dann aber infolge der besseren Verhältnisse, wie auch der schwierigen Wasserbeschaffung wegen wieder aufgelassen wurde. Bis zum Jahe
1891  fand die Gemeindewahl in der Weise statt, dass von einem Wahlkörper 8 Ausschussmitglieder gewählt wurden. Bei der am
17.2.1892 vorgenommenen Wahl wurden von 3 Wahlkörpern 12 Ausschussmitglieder gewählt; die Zahl ging an Josef Wunsch als Vorsteher hervor, der das Amt aber nur bis gegen Ende desselben Jahres bekleidete, worauf ihm von
1892-1895 Anton Haftstein (Nr. 4) folgte. Das Jahr 1892 brachte eine Missernte; die Futterpreise stiegen sehr hoch, die Viehpreise sanken derart, dass man für 20 - 30 fl. eine Kuh kaufen konnte. - Durch Strohschoberbrände wurde der Ort bedroht. Auch das Jahr
1893  zeigte eine geringe Ernte. Unter dem Vieh brachen Krankheiten aus. Der Viehbestand des Meierhofes wurde für verseucht erklärt und verfiel nach den gesetzlichen Bestimmungen der Abschlachtung. Der im Jahr
1893 durchgeführte Bau des Aussiger Krankenhauses auf Kleischer Gemeindegrund verwickelte  die Gemeinde in einen Rechtstreit mit Aussig, weil dieses die Grundstücke von Kleische ausgemeinden und zu Aussig schlagen wollte. Dadurch hätte Kleische an Steuern und Gemeindeumlagen verloren.
1895 wurde Heinrich Kügler (Nr.19) zum Vorsteher berufen. Er richtete sein Augenmerk auf die Gründung einer Feuerwehr. Es gelang ihm, die Bevölkerung dafür zu interessieren und hatte in kurzer Zeit 36 Mann gewonnen. Als Gründer erschienen außer Heinrich Kügler, Josef Pech, Karl Fiedler, Eduard Fügner, Josef Jackel, Hermann Jeschke, Josef Jeschke, Franz Grohmann, Franz Fischer, Franz Martin, Karl Czerweny, Heinrich Kratkey, Hermann Flemmich, Anton Hübel, Josef Schmidt, Franz Schmidt, Anton Schröder, Ferdinand Schneider und Franz Hoffmann. Im Feber
1896 wurde die um 420 Gulden angeschaffte Spritze übernommen, die schon am 1. Juli bei dem Brande der Häuser Nr. 11, 12 und 15 in Tätigkeit gesetzt wurden. Kommandant der Feuerwehr wurde Hermann Kügler, der sein Amt bis zu seinem Tode (11. Feber1925) versah. Die Wehr ernannte den Grafen von Westphalen, den Bürgermeister Dr. Franz Ohnsorg und den Stadtrat Robert Ostermann zu Ehrenmitgliedern. Heinrich Kügler war der letze in der Reihe der Vorsteher und hatte die umfangreichen Verhandlungen betreffs des Zusammenschlusses von Aussig und Kleische zu führen. Kleische hatte damals eine Steuerkraft von 4800 Gulden.
1896 wurde der Bau des Gemeindehauses vollendet. Das alte Gemeindehaus war 1812 um 140 Gulden verkauft worden. Schon von 1848 an sammelten die Bewohner Geld für ein neues Gemeindehaus. 1895 war der Bausfond hauptsächlich infolge der Getränkeumlage auf annähernd 4000 Gulden angewachsen. Leider war keine Einigkeit über den Platz zu erzielen, bis endlich der Vorsteher Heinrich Kügler eine Stelle an dem Wege zum Kleischbachtale - der heutigen Westphalenstraße - fand, an der fast alle Bewohner vorüber zu gehen hatten. Dort wurde denn auch der Bau 1895 in Angriff genommen; der Herrschaftsbesitzer, Graf Westphalen, versprach, den Grund und das Bauholz zu schenken. Dieses günstige Versprechen gingen die Kleischer aber verlustig. In der Sitzung wurde der Graf durch unüberlegte Äußerungen eines Gemeindevertreters derartig beleidigt, dass er seine Zusicherungen rückgängig machte. Die Kleischer mussten den Grund bezahlen und Holz bekamen sie auch keins. - Von dem sogenannten Melzerbrunnen wurde der Schwenkenstraße das Wasser zugeführt. Der Anschluss wurde vorbereitet durch den
1898 vollzogenen Ankauf des Meierhofes seitens der Stadt Aussig, die für den Preis von 825.000 Kronen einen Grundbesitz von 147 Hektar erwarb und dadurch in die Lage versetzt wurde, der lebhaften Bautätigkeit auch Baugründe zur Verfügung zu stellen. Die westlich des Schäferberges gelegenen, schon längst von der Industrie besetzten Gebiete erhielten durch die Industriebahn nicht nur den Anschluss an die A.T.-Eisenbahn und das Kohlegebiet, sondern auch die Verbindung mit dem Weltverkehrslinien im Elbetale. In den folgenden Jahren entstanden denn auch hier viele Fabrikanlagen, denen günstiges Bauland, Leuchtgas und elektrische Energie, Wasserleitung und Kanalisation, Eisenbahn und Straßenbahn zu Gebote stehen.
Auch für die private Bautätigkeit waren günstige Bedingungen geschaffen worden. Es entstand kurze Zeit darauf die Kottage-Anlage, später die Straßenzüge neben dem Stadtpark und in letzter Zeit die großen Siedlungen am Fuße des Kleischer >Berges, die zur Zeit noch in weiterer Entwicklung stehen. Unter solchen Verhältnissen musste der Zusammenschluss der Gemeinden zur Notwendigkeit werden, er vollzog sich
1899 und seitdem gehört Kleische unter der Bezeichnung "Stadtteil Kleische" der Gemeinde Aussig an und teilt deren Schicksal.

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