Heimatfreunde Aussig

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  Erinnerungen an die Aussiger „Ressource“            

Ein Bericht von Dr.Wa., aus dem Besitz von Lore Schretzenmayr

Dass die „Ressource“ zu den ältesten Aussiger Geselligkeitsvereinen zählte, ist uns Aussigern ebenso bekannt wie das schöne Haus des Vereins in der Maternigasse. Aber nur wenige Aussiger kennen noch die Frühgeschichte des Vereins, der im gesellschaftlichen und Gemeinschaftsleben unserer Stadt eine nicht unbedeutende Rolle gespielt hat.

 

Der Verein „Ressource“ ist aus einem Stammtisch hervorgegangen, der sich Anfang der Fünfzigerjahre des 19. Jahrhunderts um Carl Georg Wolfrum und seine Freunde gebildet hatte. Man kam in der „Teplitzer Gasse“ beim „Turnvinz“ in einem recht engen Raum zusammen, der seiner Form wegen den Spitznamen „Omnibus“ bekam. Aus diesem losen Stammtisch wurde im Jahre 1856 über Anregung Wolfrums eine geschlossene Gesellschaft gebildet und so der Grundstock zu dem späteren Verein Ressource gelegt. In Wolfrums Geburtsstadt Hof in Bayern bestand ein Geselligkeitsverein namens „Bürgerressource-Gesellschaft“, der seit 1804 an der Nailer Straße ein eigenes Haus mit Vereinsräumen und Tanzsaal besaß. Name und Haus sind Wolfrum Vorbild gewesen.

 

Wer beim Turnvinz verkehrte und den „Omnibus“ bevölkerte, wurde Omnibusonkel genannt und diese Omnibusonkel besaßen seit dem 17. November 1883 ein Gedenkbuch, das die Namen der Mitglieder und Gäste handschriftlich enthielt. Dieses Buch enthielt aber auch Gedenkworte, die ein klares Licht auf die rechtschaffene Denkungsweise des damaligen Aussiger Bürgertums werfen. So mancher in der Zeit berühmte Gast hat sich gleichfalls eingetragen, beispielsweise der seinerzeit weltbekannte Wiener Pianist Alfred Grünfeld, der seine Kunst vor allem Schubert, Schumann und Liszt gewidmet hatte. – Allmählich reichte der „Omnibus“ für das Vereinsleben in keiner Weise mehr aus, auch die Aussiger „Säle“ im „Goldenen Engel“ am oberen Marktplatz, in der „Krone“ Marktplatz Nr.2 und im Schützenhaus genügten nicht mehr. So fasste man in der Hauptversammlung des Vereins „Ressource“ am 22. Oktober 1885 den kühnen Entschluss, den lang gehegten  Wunsch nach einem eigenen Haus zu verwirklichen. Man beschloss einen groß-zügigen Bau mit Sälen, Vereinszimmern und Gastwirtschaft, wie er uns noch in Erinnerung ist. Als Standort bot sich der alte Apothekergarten der Walter´schen Löwen-Apotheke gegenüber dem Maternikirchlein an, der erworben wurde. Die Planung übernahm der bekannte Wiener Architekt H. Miksch, die Leitung der Aussiger Baumeister Alwin Köhler. Das Unternehmen wurde durch Anteilscheine finanziert, die verzinst und verlost wurden, die Baukosten betrugen rund 88 000 Gulden österreichischer Währung, für die damalige Zeit ein recht erheblicher Betrag. Der erste Spatenstich erfolgte 1886, 1887 waren die Gasträume beziehbar, am 23. Oktober 1887 das ganze Haus fertig gestellt. Im „Gedenkbuch der Omnibus-Onkel“ finden wir folgende Eintragung: „Am 28. März des Jahres 1887 übersiedelte die „Ressource“ in ihr neuerbautes Haus. Um 7 Uhr abends versammelten wir uns zum letzten Male im Omnibus … nahmen von unserm wackern Onkel Turnvinz Abschied und kamen ¼ 8 Uhr in der Schänke des neuen Hauses an.  Baumeister Köhler übergab den Schlüssel der Schänkstube dem Vorstand (C. Wolfrum und C. Schöppe) und dieser eröffnete namens der Gesellschaft die Schänke der Ressource.“ Durch einen glücklichen Zufall ist uns eine der ersten Aufnahmen des neuerbauten Hauses erhalten geblieben, die der damalige „k.u.k. Hof-Photograph“ Carl Pietzner gemacht hat.

 

Da auch Umlauft nur ein späteres schlechtes Bild für seine „Geschichte der deutschen Stadt Aussig“ zur Verfügung stand, wollen wir sie hier veröffentlichen. Sie zeigt links neben dem Vereinshaus auch das 1890 dazu erworbene einstöckige kleine Haus, spöttisch „die kleine Ressource“ genannt, dessen Keller für das Weinlager des Vereins gebraucht wurden, rechts einen Teil des Maresch´schen Hauses mit dem Laden des „Richard Blaha, Lager chemischer und technischer Bedarfsartikel“, eines Maresch-Schwiegersohns, wo sich später das den alten Aussigern noch wohlbekannte „Kaiser-Panorama“ befand. Viele von uns werden sich noch des „Großen Saales“ in der „Ressource“ erinnern, in der Generationen von Aussigern anläßlich des alljährlich im Jänner stattfindenden Balles das Tanzbein schwangen und in dem anlässlich des sogenannten Katharina-Kränzchen das im Spätherbst vorher in die „Gesellschaft“ neu eingeführten jungen Damen mit gemischten Gefühlen zu dem Halbrund an der Südseite des Saales blickten, wo an Stelle eines Vortragenden die diversen Tanten und Anverwandten von diesem „Drachenfels“ aus die Anwesenden musterten. Viele werden sich an die schöne Kegelbahn erinnern, die sich unterhalb der Gartenveranda hinter dem Hause befand. Manches Vereinsmitglied der verschiedensten Vereine hat im Obergeschoß Versammlungen beigewohnt und die Mitglieder des Gesellschaftsvereins „Schlaraffia“ sind dort oben fröhlich die „ihre Burg eingeritten“. Nichts gibt mehr Kunde von der frohen Geselligkeit.

 

Das Haus wurde bekanntlich 1938 von der NSDAP in Besitz genommen, der Verein „Ressource“ wie so viele andere aufgelöst, das Gebäude „modernisiert“ und für Zwecke der Kreisleitung der NSDAP verwendet. Der reiche Stuckschmuck des Ressourcegebäudes fiel der Modernisierung des Hauses zum Opfer.

 

Frühjahr 1945 wurde es durch die Bomben feindlicher Flieger schwer getroffen und brannte dann vollständig aus.