Heimatfreunde Aussig

 
 

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Gedanken von Gerhard Umlauft +

 
 

  Gefunden in der “PLAWAK-Sammlung” von Lore Schiepeck-Schretzenmayr

 
 
 

Wenn in Aussig vom “Schleifen” die Rede war, dann dachte man nur gelegentlich an das Schleifen von Messer und Schere, falls ein Wandergeselle  auf der Straße dafür seine Dienste anbot. Noch seltener dürfte man damit das Abtragen eines alten, un-benutzbar gewordenen Gebäudes gemeint haben. Als “Schleifen” wurde vor allem ein gern geübter Volkssport, das Eislaufen, bezeichnet, das in Aussig seit 1874 vom Ruder- und Eislaufverein gepflegt wurde.

Die Winter boten in unserer Heimat mit ihrem mehr kontinentalen Klima meist regelmäßig Gelegenheit zu diesem eisigen Vergnügen, wofür geeignete Plätze dazu vorbereitet wurden. So stellte der Lawn-Tennis-Club von 1905 seine an der Dresdner Straße zwischen der Dr.-Weiss-Straße und der Parkstraße gelegenen Tennisplätze zur Verfügung. Auch die städtischen Trainingsplätze neben dem Stadion in Pockau wurden für diesen Zweck verwendet. Als der Platz an der Dresdner Straße wegen des Finanzamt-Neubaues aufgegeben werden mußte, wurden die Sportplätze auf der Spielweise in Lerchenfeld für das Eislaufen präpariert.

Hier soll der Schleifplatz an der Dresdner Straße etwas näher in Erinnerung gerufen werden. Da er etwas unter dem Niveau dieser Straße gelegen war, erreichte man ihn über einige Stufen in der Böschung. Gegenüber jenseits der Plätze erhob sich die Böschung wieder zum Rosengarten, der über dem unterirdisch laufenden Kleischbach angelegt war. Der Weg am Rande zwischen Dr.-Weiss-Straße und Parkstraße, mit Namen Jahnplatz, war ein prächtiger Standort für Zuschauer, die das Treiben auf dem Eise beobachten wollten. Die Aktiven kamen vom Eingang zunächst am Vereinsheim vorbei, wo man an einem Fenster seinen Obulus berappen musste, tagsüber etwa 25 oder 50 Heller, zum “Abendschleifen” bei künstlicher Beleuchtung vielleicht 1 Krone. Dann konnte man drinnen oder draußen auf Bänken sitzend seine Schlittschuhe anschnallen. Diese besaßen Klemmbacken, die sich an Absatz und Sohle der Schuhe festkrallten. Den Schlüssel zum “Anleiern” trug man an einem Band um den Hals, um ihn nicht zu verlieren und griffbereit für ein eventuelles Nachspannen zur Hand zu haben. Dann ging es auf´s Eis zum Üben erster Figuren oder etwa nur zum Fangen spielen oder um die Wette zu laufen. Die Anfänger konnten sich zuerst auch in die “Laufschule” begeben, wo man sich rechts und links an einem Geländer anhalten konnnte bis man die rechte Balance auf den schmalen Kufen gefunden hatte. Die fortgeschrittenen Läufer hatten nicht mehr Schlittschuhe zum Anschnallen sondern “Jackson”, richtige Eislaufschuhe mit fest angeschraubten Kufen. Mit Bewunderung staunten die Anfänger, wie die Könner auf der für sie reservierten Fläche ihre Figuren übten und dort mitunter von Prof. Sladek, dem Turnlehrer der Realschule trainiert wurden.

Einige Mädchen hatten dabei schon richtige Eislaufkostüme an, die natürlich bewundernde Blicke auf sich zogen. Besonders lustig war es im Fasching, wenn viele Kinder und auch Erwachsene kostümiert aufs Eis kamen. Die Schwänzchen von Eiskatzen oder Eishasen waren auch zu verlockend, um danach zu jagen. Beliebte Trophäen waren auch die Mützen der umworbenen Freundinnen. Zum Abendschleifen wurde so manches Rendezvous verabredet und ganz gewiss war es ein großes Vergnügen bei Beleuchtung am Abend zur Waltermusik aus dem Grammophon über das Eis zu gleiten oder auch in einer weniger gut ausgeleuchteten Ecke eine Zärtlichkeit auszutauschen.