Geschichtliches über unsere Stadt Aussig an der Elbe - Ústí nad Labem

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Aussig wird zur Stadt erhoben.
Ein Ausschnitt aus dem Buch "Die Geschichte der deutschen Stadt Aussig" von Franz Josef Umlauft, Aussig
 

Das 13. Jahrhundert ist für Böhmen die Zeit der Städtegründungen. Die Deutschen, die unter der Burg von Prag siedelten, erhielten bereits unter Sobieslaw II. (1173 bis1178) jene Vorrechte, die es ihnen erlaubten, nach ihren eigenen Gesetzen und Bräuchen - also nach deutschem Rechte zu leben. Die Prager deutsche Gemeinde mag für die Könige auch ein Vorbild für die Gründung anderer Städte gewesen sein. Unter Przemysl Ottokar I. (1197-1230) erhielten Privilegien: Königgrätz, Lichtenstadt und Kladrau; unter Wenzel I. (1230-1253): Budin, Komotau, Leitmeritz und Saaz. Die Furcht vor den Mongolen, die bis nach Schlesien vorgedrungen waren, wo sie bei Liegnitz 1241 geschlagen wurden, mag auch eine Veranlassung zur Schaffung befestigter Plätze wie Burgen und Städte gewesen sein. Przemysl Ottokar II. (1253 bis 1278) setzte die Herbeiziehung deutscher Ansiedler fort, da er den Nutzen der neu gegründeten Städte erkannte. Denn sie brachten dem Könige neue Einnahmen und bildeten gegen den herrschenden Adel ein wirksames Gegengewicht. Die neuen deutschen Siedler förderten die Gewerbetätigkeit und den Bergbau, der wieder neue Einnahmen brachte. Es waren sicherlich keine armen Leute, die ins Land kamen und aus ihrer alten Heimat allerhand Erfahrungen mitbrachten. Es ist kaum glaublich, dass der König eine arme besitzlose Menge herbeigerufen hätte. Dass den Bürgern wirtschaftliche Vorteile zugesichert wurden, erscheint begreiflich, da sie schon in ihrer Heimat eine freie Verfassung hatten. Gerufen und nicht als Eindringlinge kamen die Deutschen nach Böhmen, dem sie die Segnungen friedlicher Arbeit vermittelten. Böhmen galt zur Zeit Przemysl Ottokars als das reichste Land. 1256 gab es in Böhmen schon 33 deutsche Städte.

Zu den Orten, die unter Przemysl.. Ottokar II. zur Stadt erhoben wurden, gehört auch Aussig. Die Gründungsurkunde ist leider infolge eines Brandes schon vor dem Jahre 1325 verloren gegangen, aber König Johann von Luxemburg (1310-1346) bestätigte im Privileg vom 22. April 1325 der Stadt Aussig alle Freiheiten, welche ihr zur Zeit ihrer Gründung durch König Ottokar verliehen und nachher auch von seinem Schwiegervater Wenzel bestätigt wurden, nach dem ein Brand die Originale vernichtet hatte.

Als deutsche Städte in Böhmen erscheinen unter Ottokar II.: Aussig, Beraun, Brüx, Budweis, Czaslau, Chrudim, Hohenmaut, Kaaden, Kaurzim, Klattau, Kolin, Kuttenberg, Melnik, Mies, Nimburg, Pilsen, Politzka, Taus.

Als Zeitpunkt der Erhebung Aussigs zur Stadt wird meist das Jahr 1272 angegeben. Diese Zeitangabe wird nach einer Eintragung im urkundlichen Formelbuch des Henricus Italicus, eines Schreibers der königlichen Kanzlei, angegeben, das aus den letzten Regierungsjahren Ottokars stammt, etwa 1276. Darin heißt es, dass den Aussigern die Frist zur Ummauerung der Stadt um weitere vier Jahre verlängert wird. Man schließt daraus auf das Jahr 1272. Da aber der Bau der Stadtmauern, Tore und Türme und die Herstellung von Wall und Graben eine ansehnliche Leistung war, kann der Beginn der Befestigungsarbeiten noch ein Jahrzehnt zurückliegen. Die Namensform "Uzch", aus der sich die deutsche Bezeichnung Aussig entwickelt hat, erscheint in einer Urkunde vom Jahre 1262 gegenüber den bisherigen Schreibungen: Uzthi, Vsti, Vstj (1057), Uzti und Usti (1186), Vstj (1218), Uste (1233). "Uzch" (1262) und "Usk" (1276-1278) deuten auf deutsche Besiedelung.

Mit der Erklärung des Namens Aussig haben sich mehrere Sprachforscher befasst und haben sich Gedanken über den Wechsel des "st" und "sk" gemacht. Die Namensform "Usti" ist ohne Zweifel slawisch, hängt aber mit indogermanischen Wurzeln zusammen, wie zum Beispiel dem lateinischen "os" (Mund), "ostium" (Mündung), vergl. Ostia - die Hafenstadt Roms. So bedeutet auch Usti soviel wie Mündung der Biela und Eingangstor in das Hinterland - von der Elbe aus gesehen. Im deutschen Munde wurde Ust zu Usk. Das lange "u" wurde nach dem Beispiele anderer Namen zu "au" und die Lautgruppe "sk" wurde silbenbildend zu "sik". Schon 1324 kommt die Schreibung "Usyk" vor. 1334 heißt es "Aussik super Albea", 1343 "zu Aussig an der Elbe". Bis 1526 finden sicht übrigens 43 Schreibungen des Namens Aussig. Zu beachten ist die Bezeichnung "nad = super Albiam" eigentlich "über" oder "auf" der Elbe.